Duell an Verstappens Schicksalkurve: Hamilton lässt Platz und fliegt ab

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Duell an Verstappens Schicksalkurve: Hamilton lässt Platz und fliegt ab
Autor: Norman Fischer
22.10.2018, 01:20

Lewis Hamilton ließ im Zweikampf mit Max Verstappen erstaunlich viel Platz - Duell um Rang zwei entscheidet sich genau an Verstappens Schicksalkurve von 2017

Es ist schon ein kurioser Zufall: Genau an der Stelle, an der Max Verstappen im Vorjahr mit seinem Manöver gegen Kimi Räikkönen seinen erkämpften dritten Platz verlor, sicherte er sich am Sonntag in Austin seinen zweiten Platz ab. Denn es war die Entscheidung im Kampf mit Lewis Hamilton kurz vor Schluss. Der Brite griff den Niederländer an und war sogar schon neben ihm, als er von der Strecke flog und der Kampf praktisch entschieden war.

"Das ist das, was wir alle sehen wollen. Deshalb schauen die Leute Formel 1", sagt Red-Bull-Teamchef Christian Horner. Es war der Kampf zwischen zwei Spitzenfahrern um das Podium. "Ein richtig klasse Duell", so Verstappen. Auch wenn es nicht von langer Dauer war. Denn Hamilton hielt sich nach seinem zweiten Boxenstopp lange im Windschatten von Verstappen auf. Zuvor hatte er eine Lücke von rund zehn Sekunden zugefahren und dementsprechend auch seine Reifen hart rangenommen.

Doch auch Verstappens Supersofts hatte zu diesem Zeitpunkt schon gute 30 Runden auf dem Buckel. "Ich hatte schon große Probleme mit meinen Reifen", meint der Niederländer - und das wurde ihm beinahe zum Verhängnis. "Ich habe mich in Kurve 12 verbremst", schildert er. Dadurch bekam Hamilton die Chance zum Angriff auf Rang zwei, der ihm zu diesem Zeitpunkt den WM-Titel gebracht hätte.

Hamilton: Wenn es Max ist, lässt man viel Platz

Der Mercedes-Pilot setzte sich in der engen Spitzkehre neben Verstappen und schien vor den langgezogenen Rechtskurven die besseren Karten zu haben. Doch Verstappen konnte die Innenbahn nutzen und vorne bleiben. "In der langen Rechtskurve habe ich so hart attackiert, wie ich konnte, um gegenzuhalten", sagt er. Und glücklicherweise für ihn geriet Hamilton auf den Abrieb und rutschte in die asphaltierte Auslaufzone. "Das hat mich rausgezogen", sagt der Brite.

 

Dadurch hatte Verstappen wieder Luft zum Leben, denn mit verschmutzten Reifen brauchte Hamilton erst wieder eine Weile, bis er wieder angriffsbereit war - doch da war das Rennen auch schon zu Ende. "Ich hätte vermutlich noch ein paar Runden mehr gebraucht", gibt Hamilton zu, weil dann der Reifenvorteil potenziell größer geworden wäre, doch Verstappen kontert: "Wir haben unsere Strategie um die Anzahl Runden geplant."

Auffällig war, dass Hamilton im Zweikampf mit Verstappen eine Menge Platz gelassen hat. Wollte er im WM-Kampf nichts riskieren oder war er vorsichtiger, weil sein Gegner Verstappen war, gegen den er im Zweikampf am meisten Sorgen hat, wie er vor dem Wochenende verriet. "Wenn es Max ist, dann lässt man viel Platz", lacht Hamilton. "Ich denke, das ist eine gute Sache", sieht es der Niederländer als Kompliment. "Ich bin einfach nur ein knallharter Rennfahrer."

Hamilton: Kampf mit Vettel enger?

"Ich denke, ich habe dir zu viel Platz gelassen", sagt Hamilton nach dem Rennen zu Verstappen. "Ich denke schon, du hättest etwas mehr drücken können", stimmt dieser zu. "Mit dir weiß ich nie", meint Hamilton. "Ich wollte nicht, dass wir kollidieren."

Deswegen sei er auch in der langen Rechtskurve so weit außen gefahren. Er habe Verstappen nicht gesehen und wollte nichts riskieren. "Ich wollte einfach sichergehen, dass ich nicht berührt werde oder ich nicht abgeschossen werde, weil du in mich untersteuerst", sagt Hamilton. Er wusste natürlich, dass Räikkönen und Verstappen vor ihm nichts zu verlieren hatten und einfach nur den Rennsieg wollten. "Sie konnten etwas riskieren, ich wollte es nicht."

"Wenn es Seb (Vettel; Anm. d. Red.) und ich gewesen wären und wir um die Meisterschaft gekämpft hätten, dann wäre es wohl viel enger und aggressiver gewesen", sagt Hamilton weiter. "Aber das war nicht notwendig." Wichtig war, dass Hamilton auch in Austin vor dem Deutschen ins Ziel kam, und auch wenn er den Titel nicht klarmachen konnte, steht er nun dicht davor. "Es ist egal, wann du den Titel gewinnst, solange du es schaffst."

Darum stört ihn auch das verlorene Duell mit Verstappen heute nicht sonderlich. "Wir wollten das Rennen heute zwar gewinnen, aber man kann nicht alle gewinnen. Man kann es nicht immer perfekt hinbekommen."

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