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Gianni Morbidelli: Wie es ist, sein großes Idol bei Ferrari zu ersetzen

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Gianni Morbidelli: Wie es ist, sein großes Idol bei Ferrari zu ersetzen
Co-Autor: Charles Bradley
Übersetzung: Norman Fischer
22.06.2020, 17:54

Für ein Rennen durfte Gianni Morbidelli sein großes Idol Alain Prost bei Ferrari ersetzen: Dabei wurde er um ein Podest betrogen, das vielleicht alles verändert hätte

Seine Jahre bei Ferrari waren für Alain Prost wohl die traumatischsten in seiner illustren Karriere und gipfelten am Ende im Rauswurf. Die Geschichte über seinen erzwungenen Abgang ist gut bekannt, doch über seinen Ersatz für das letzte Rennen 1991 wird weniger berichtet. Dabei hatte Gianni Morbidelli extremes Pech, dass er unter dem starken Druck nicht auf das Podium fahren konnte.

Prost selbst erlebte eine seltene sieglose Saison, nachdem er 1990 noch ganz knapp am WM-Titel vorbeigeschrammt war. McLaren und Williams bauten einfach bessere Autos als Ferrari, und selbst der kurz vor dem Rücktritt stehende Nelson Piquet feierte im Benetton einen glücklichen Sieg, dank Nigel Mansell.

Nur fünfmal kam Prost auf das Podium, im Jahr zuvor hatte er noch fünf Siege gefeiert. Und dann kam der vorletzte Grand Prix in Suzuka und die folgenden Worte nach dem Rennen: "Es fuhr sich wie ein fürchterlicher Truck. Überhaupt kein Spaß."

Prost meinte damit die kaputten Stoßdämpfer, durch die sich die Lenkung unglaublich schwer angefühlt hatte. Seine Worte waren nicht auf das Auto gerichtet, sondern auf das Fahrgefühl durch den Schaden. Doch in Maranello reagierte man schnell und feuerte ihn vor dem letzten Rennen in Adelaide.

Der Franzose glaubt, dass er aus "politischen Gründen" entlassen wurde, weil er mehr Mitspracherecht abseits der Strecke wollte, um das Team voranzubringen. Seitdem witzelt er, dass die Jungs, die ihn gefeuert haben, "zwei Wochen später selbst entlassen wurden".

Im Urlaub von Ferrari-Chance erfahren

Da sich der damals dreimalige Weltmeister nun im Aus befand, wandte sich Ferrari seinem Testfahrer Gianni Morbidelli zu. Dieser fuhr bereits mit Ferrari-Motoren bei Minardi und war gerade auf der Isle of Man im Urlaub, als ihm sein Freund und ehemaliger Teamchef Guido Forti die gute Nachricht von seinem Aufstieg überbrachte.

Morbidellis Erfolg in der italienischen Formel 3 und dem Formel-3-Eurocup in Misano führte zu einem dreijährigen Vertrag als Testfahrer von Ferrari. Damals war er 23 und hatte lediglich 18 Grand-Prix-Starts für BMS Dallara und Minardi auf dem Buckel, als seine große Chance kam. Man muss sich nur den Druck vorstellen, aber auch die Ehre, den ein Italiener bei Ferrari hat.

Gianni Morbidelli

Morbidellis Einsatz für Ferrari ergab sich ziemlich kurzfristig

Foto: Motorsport Images

"Ich hatte bereits bei den Testfahrten mit Alain Prost und Nigel Mansell arbeiten dürfen, was für einen jungen Fahrer ein Traum ist", sagt Morbidelli über seine Testrolle. "Prost war mein Idol! Und dann durfte ich ihn eines Tages bei Ferrari ersetzen. Ich war gerade einmal Anfang 20. Damals kamen die Fahrer nicht so jung wie heute in die Formel 1, von daher war es eine tolle Erfahrung."

"Für Ferrari zu fahren, war für mich ein unglaublicher Moment. Ich habe den Anruf im Urlaub in Port Douglas bekommen. Da hieß es, ich würde für Ferrari, nicht für Minardi fahren. Das war am Dienstagabend um 11 vor dem Rennwochenende."

Wenn das Wetter nicht mitspielt ...

Auf der ganzen Reise nach Adelaide konnte Morbidelli darüber nachdenken, was auf ihn zukommen würde. Als er ankam, hatte er das noch immer noch so richtig realisiert. "Prost, meinen Lieblingsfahrer, zu ersetzen ... ich musste die Boxencrew am Funk fragen: 'Träume ich?' Durch meine Testerfahrung kannte ich das Auto ziemlich gut und qualifizierte mich auf Rang acht hinter Jean (Alesi; Anm. d. Red.)."

Viel falsch machte Morbidelli bei seinem einzigen Einsatz als Ferrari-Pilot nicht. Trotz fürchterlicher Wetterbedingungen am Renntag brachte er das Auto durch seine ruhige Fahrweise ins Ziel. Es war sein erster halber Punkt von am Ende 8,5, die er in seinen 67 Starts holen sollte.

Michael Schumacher, Jean Alesi, Riccardo Patrese

Regen machte Adelaide 1991 zum kürzesten GP der Formel-1-Geschichte

Foto: Motorsport Images

"In vielerlei Hinsicht war es aufgrund des Wetters kein glücklicher Tag für mich", sagt er. "Es hat so stark geregnet, dass es der kürzeste Grand Prix der Formel-1-Geschichte wurde. Es war sehr gefährlich. Es gab viele Zwischenfälle und man konnte die Strecke unmöglich sehen."

"Ich kann ehrlich sagen, dass ich an diesem Tag mein Bestes gegeben habe. Vielleicht hätte mir Ferrari ja einen Vertrag für das nächste Jahr angeboten, wenn ich auf das Podium gekommen wäre. Mein Leben hätte sich verändert. Manchmal muss man Glück im Leben haben - die Dinge sind nie einfach."

Der späte Erfolgsmoment

Nach gerade einmal 16 Runden und einigen heftigen Unfällen wurde das Rennen unterbrochen und nicht wieder aufgenommen. Aber der halbe Punkt für Platz sechs erzählt nicht die ganze Story, was hätte passieren können, wenn das Rennen auch nur eine Runde länger gegangen wäre.

"Ich bin als Dritter hinter Senna und Piquet ins Ziel gekommen, aber aufgrund der Regeln bei roter Flagge wurde ich auf Platz sechs zurückversetzt", erinnert sich Morbidelli. "Moralisch war ich Dritter, aber du musst akzeptieren, was das Leben dir gibt. Ich hatte einen Job, für den ich viel Leidenschaft hatte, und bin für das größte Team der Welt gefahren. Ich denke ich kann zufrieden sein."

Olivier Panis, Damon Hill, Gianni Morbidelli

Erst vier Jahre später bekam der Italiener mit Rang drei die Genugtuung

Foto: Motorsport Images

"Wer weiß, was passiert wäre, wenn es aufgehört hätte mit regnen und wir noch einmal neu gestartet hätten. Vielleicht wäre ich auch wie Jean in die Wand gefahren, wenn das Rennen zwei Runden länger gegangen wäre."

Sein Podium in Australien sollte Morbidelli vier Jahre später mit Footwork bekommen. "Ich hatte das Gefühl, dass die Strecke und ich quitt waren. Ich hatte meine Revanche", lacht er. "In gewisser Weise war der Moment noch großartiger, weil wir finanziell in ziemlich großen Schwierigkeiten waren."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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