Kevin Magnussen: Entlassungsmail kam an seinem Geburtstag

Kevin Magnussen hat keine Zukunft bei McLaren in der Formel 1, wie er an seinem Geburtstag per E-Mail herausfand. Im Gespräch mit Jonathan Noble verrät Magnussen, dass er seine Formel-1-Hoffnungen aber noch nicht aufgibt.

Laut Medienberichten beendet McLaren die Zusammenarbeit mit Dir am Ende dieser Saison. Ist das wahr?
Kevin Magnussen: „Ja. Als ich wusste, dass das Datum der Entscheidung näher rückt, wartete ich auf ein Zeichen von McLaren. Zunächst hörte ich nichts. Als ich dann nach einer Woche eine E-Mail von Ron Dennis' persönlicher Assistentin Justine Bowen in meinem Posteingang fand, konnte ich mir denken, worum es geht.“

„Es handelte sich um einen kurzen Absatz, in dem stand, dass es keine Zukunft für mich im Team gibt. Diese Mail erhielt ich an meinem Geburtstag.“

Warst Du sehr enttäuscht darüber, dass Du die Neuigkeiten per E-Mail von Rons Assistentin erfahren musstest?
Magnussen: „Es macht mir nichts aus. Das ist nur ein Detail. Daraus sollte kein Wirbel gemacht werden.“

Hattest Du diese Art von Neuigkeiten erwartet?
Magnussen: „Oh ja. Ich habe zu 100 Prozent deutlich gemacht, dass ich im kommenden Jahr Rennen fahren möchte. McLaren hat mit Jenson Button und Fernando Alonso aber bereits zwei Fahrer unter Vertrag und drei Piloten passen nicht in zwei Autos.“

„Ich hätte ohnehin nur eine Chance auf ein Cockpit bei McLaren gehabt, wenn einer der beiden zurücktreten wäre. Nun wissen wir, dass das nicht passieren wird. Somit war mir auch klar, dass es keinen Platz mehr für mich bei McLaren gibt.“

Wie würdest Du Deine Zeit bei McLaren beschreiben?
Magnussen: „Es gab Höhen und Tiefen. 2010 kam ich in das Nachwuchsprogramm. Damals fand ich es sehr aufregend, ein Teil der McLaren-Familie zu sein. Zu Beginn war Martin Whitmarsh eine große Hilfe für mich. Und im Laufe der Jahre konnte ich weitere gute zwischenmenschliche
Beziehungen aufbauen.“

„Ein Großteil der McLaren-Mitarbeiter sind wirklich freundliche Menschen. Es sind zu viele, um jetzt jeden Einzelnen zu nennen. Ich möchte aber zumindest McLaren-Arzt Aki Hintsa erwähnen, der mir ebenfalls eine große Hilfe war. Ich weiß nicht, ob es schon bekannt ist, aber Aki kämpft zurzeit gegen Krebs. Er ist ein toller Kerl und ich wünsche ihm alles Gute.“

Im vergangenen Jahr begann Deine Karriere bei McLaren mit dem zweiten Platz in Melbourne fast perfekt, nicht wahr?
Magnussen: „Ja, das war ein guter Tag. Wenn Nico Rosbergs Mercedes genauso ausgefallen wäre wie der von Lewis Hamilton, hätte ich meine Formel-1-Karriere mit einem Sieg begonnen! Aber auch der zweite Platz war ein guter Start.“

„Mir wurde gesagt, dass es das beste Formel-1-Debüt seit 18 Jahren war - seit Jacques Villeneuves zweitem Platz für Williams 1996. Auch nach Australien hatte ich weitere gute Ergebnisse: Ich kam 16 von insgesamt 19 Mal in Q3, was für einen Neuling in einem Nicht-Topauto gar nicht mal so schlecht ist. Außerdem punktete ich die meiste Zeit.“

„Trotzdem ist man nie wirklich zufrieden. Dabei bin ich selbst mein härtester Kritiker. Denn das einzige Ergebnis, das wirklich zählt, ist ein Sieg. Ich hatte allen Grund, hoffnungsvoll zu sein, dass ich auch 2015 Stammfahrer bleibe.“

„Am Ende zog sich der Entscheidungsprozess aber durch den ganzen Herbst und ich fand erst Mitte Dezember heraus, dass ich entlassen werde. Mir blieb keine Zeit, mich nach einer Alternative umzusehen. Ich gebe zu, ich war zutiefst enttäuscht. Kein schönes Weihnachten.“

Was genau geschah in der berühmten Vorstandssitzung im Dezember 2014?
Magnussen: „Das weiß ich nicht, denn ich war nicht dabei. Fragt am besten jemanden, der dabei war. Wobei: Ist das nicht mittlerweile Geschichte? Darüber sollte man sich jetzt keine Gedanken mehr machen. Das liegt hinter mir.“

Wie war dieses Jahr für Dich?
Magnussen: „Frustrierend. Seit ich sechs Jahre alt war, fuhr ich Rennen. Racing ist mein Leben. Um ehrlich zu sein, fiel es mir am Anfang besonders schwer. Aber ich riss mich zusammen und begann ins Ingenieurswesen einzutauchen, sowohl an der Rennstrecke als auch im McLaren Technology Centre.“

„Ich habe auf der Ingenieursseite viel gelernt. Und das ist ein zunehmend wichtiger Aspekt, der zu den Fähigkeiten eines Formel-1-Fahrers gehört. Trotzdem wäre ich lieber Rennen gefahren.“

Jenson hat Dich kürzlich mit den Worten „sehr talentiert, unglaublich schnell und aktuell sicherlich einer der besten Fahrer“ öffentlich gelobt. Auch er sagt, Du hast „unglaublich viel gelernt“, als Du mit ihm zusammen gefahren bist.
Magnussen: „Ja, das ist wahr. Das habe ich tatsächlich. Jenson ist ein cooler Typ und ein guter Freund. Es ist sehr nett von ihm, diese Dinge über mich zu sagen. Er war ein toller Teamkollege und ist viel schneller, als die meisten denken.“

„Menschen neigen dazu, ihn als sanft und ruhig anzusehen und das stimmt auch, aber er ist gleichzeitig unglaublich schnell. Und in dieser Saison konnten wir beobachten, dass er genauso schnell ist wie Fernando. Das haben zu Beginn der Saison nicht viele erwartet. Mich hat das allerdings gar nicht überrascht.“

Was hält 2016 für Dich bereit?
Magnussen: „Ich bin mit einigen Formel-1-Teams im Gespräch. Einige dieser Gespräche dauern noch an. Ich habe also noch Chancen. Die Formel 1 ist nach wie vor mein Ziel. Meine Ambitionen haben sich nicht verändert.“

„Ich weiß wie man Rennen und Meisterschaften gewinnt und ich beabsichtige Formel-1-Weltmeister zu werden. Das wird sich nicht ändern.“

Und was ist, wenn Du keinen Fahrerplatz in der Formel 1 findest?
Magnussen: „Nun, wie ich zu sage pflege: Ich bin hier um Rennen zu fahren, also werde ich auch Rennen fahren.“

„Ich möchte nicht ins Detail gehen, aber ich kann sagen, dass sich in den vergangenen Wochen und Monaten einige spannende Möglichkeiten aufgetan haben. Und ich kann mit Sicherheit sagen, dass ich eine dieser Möglichkeiten wahrnehmen werde.“

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