NASCAR, Goodyear oder die Teams: Wer trägt die Schuld am Reifendilemma?

Das chaotische NASCAR-Rennen in Texas war von zahlreichen Reifenschäden geprägt - Doch wer hat Schuld an dem Dilemma?

NASCAR, Goodyear oder die Teams: Wer trägt die Schuld am Reifendilemma?
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Tyler Reddick hat das verrückte NASCAR-Cup-Rennen auf dem Texas Motor Speedway gewonnen. Es gab Unfälle, da die Fahrer die Kontrolle über ihre Autos verloren haben, einen heftigen Crash von Cody Ware, einen Abschuss unter gelb, eine Pause wegen Blitze, obwohl über 36 Grad Celsius herrschten und zahlreiche Reifenschäden. Letzteres bringt NASCAR in die Bredouille, zu erklären, warum die Goodyear-Reifen nicht halten.

Eigentlich ist das 1,5-Meilen-Oval in Forth Worth für eher zähe und ereignisarme Rennen bekannt, doch der Playoff-Lauf am Sonntag hatte es in sich: Mit 16 Gelbphasen wurde der Rekord mit 13 Unterbrechungen aus dem Jahr 2014 pulverisiert. Während es vor acht Jahren hauptsächlich Cautions wegen Dreck auf der Strecke gab, flogen anno 2022 zahlreiche Autos ab, meist, weil sich der rechte Hinterreifen verabschiedet hatte.

Einen der Fahrer, die es erwischte, war der ehemalige Champion Chase Elliott, der sofort einen Erklärungsversuch parat hat: "Ich bin mir nicht sicher, ob es die Schuld von Goodyear ist. Goodyear bekommt immer den Schwarzen Peter zugeschoben, NASCAR bringt ihn aber in eine schwierige Situation, da der Hersteller einen Reifen bauen soll, der auf solchen Strecken mit diesem Auto überleben soll. Ich würde Goodyear nicht die Schuld geben."

Goodyear in Erklärungsnot

Goodyear selbst steht in der ersten Next-Gen-Saison immer wieder im Fokus, denn Texas war nicht das erste Rennen mit vielen Reifenschäden. Das neue Auto hat insbesondere die Belastung auf die Hinterreifen erhöht, weshalb es vermehrt zu Platzern kommt. Greg Stucker, der beim Unternehmen für die Rennreifen verantwortlich ist, hat sich nach dem Desaster in Forth Worth zu Wort gemeldet.

"Wir holen uns so viele Informationen wie möglich von den Teams ein", erklärt er. "Wir wollen erfahren, welche Einstellungen sie verwendet haben. Da geht es um den Luftdruck, Radsturz und die Aufhängung. Ich kann ohne Zweifel sagen, dass der Luftdruck dabei eine Rolle spielt, aber das ist nicht der einzige Faktor. Einige waren da aggressiver unterwegs als andere. Wir wissen auch, dass einige Teams keine Probleme hatten, die haben einen ganzen Benzin-Stint auf einem Satz geschafft."

Goodyear schlägt den Teams für jedes Rennen einen minimalen Luftdruck vor, doch um die Leistung des Autos zu optimieren, gehen viele Crewchiefs das Risiko ein, auch unter den Vorgaben zu arbeiten. Das erhöht die Chance, das ein Reifen platzt. Rodney Childers arbeitet als Strippenzieher an der Box von Kevin Harvick. Er macht das Regelwerk für die Problematik mit den Reifen verantwortlich.

Crewchief macht Regeln verantwortlich

"Das Problem war nicht unbedingt der Reifen. Klar könnte der besser sein, aber das ist immer so", schreibt er auf Twitter. "Das eigentliche Problem ist die Regel für das Limit der Federn. Die Teams würden nicht mit so niedrigen Drücken fahren, wenn sie das Auto am Heck tieferlegen dürften, um am Diffusor das optimale Abtriebslevel zu erreichen. Würden sie das machen können, würden sie den Luftdruck in den Hinterreifen erhöhen."

Randall Burnett, der für das Auto von Rennsieger Reddick verantwortlich ist, erklärt: "Wir sind etwas konservativer ins Rennen gegangen. Wir haben in Kansas vor einigen Wochen einen herben Rückschlag erlitten." Deshalb habe ihm Teamchef Richard Childress vor dem Texas-Rennen ermahnt, "die Luft in allen vier Reifen zu lassen". "Es ist eine feine Grenze und jeder weiß, dass wir die Reifen an diese Grenze bringen müssen, um schnell zu sein."

Childress lobte nach dem Rennen sogar die Arbeit von Goodyear, denn der Hersteller würde einen "großartigen Reifen" produzieren. "Es ist, wie Randal gesagt hat, eine feine Linie, um ans Limit zu gehen. Es war weniger der Reifen, sondern eher der Versuch, so wettbewerbsfähig wie nur möglich zu sein", so der Teamchef Doch was sagt NASCAR zu all den Schwierigkeiten, die die Teams und Fahrer mit den neuen 18-Zoll-Rädern haben?

NASCAR ermahnt die Teams

NASCAR-Vizepräsident für Wettbewerb, Scott Miller, schiebt den Schwarzen Peter in Richtung Teams, die sich nicht an die Vorschläge der Serie und des Reifenherstellers halten würden. "Wir haben zwar viele Reifenschäden gesehen, aber es gab auch viele Teams, die keine Probleme damit hatten. Wir arbeiten das natürlich durch. Goodyear hat eng mit den Rennställen gearbeitet und geschaut, welche Einstellungen verwendet werden und wie die Luftdrücke sind, um das Problem zu lösen."

Laut Miller gab es viele Teams, die nach dem Rennen keinerlei Probleme mit den Reifen gehabt und das auch so kommuniziert hätten. "Sie haben aber gesagt, dass sie mit den Drücken konservativer vorgegangen sind und näher an den Minimumvorgaben von Goodyear gearbeitet hätten", so die Aussage des NASCAR-Funktionärs.

Es gibt auf Twitter aber auch ziemlich deutliche Aussagen, darunter von Teambesitzer und Fahrer Denny Hamlin: "Wenn ihr glaubt, dass NASCAR eine Alternative für die Reifen entwickeln wird, dann träumt weiter. Goodyear zahlt denen einen großen Scheck, sodass sie die Teams jede Woche erneut abzocken können."

Während Hamlin poltert, hat Childers am Ende seines Tweets drei Lösungen vorgeschlagen, um die Reifenproblematik zu beheben: Langfristig müsse der Abtrieb des Autos bei höherer Lage optimiert werden, das Limit der Federn müsse gestrichen werden, sodass die Teams die Autos niedriger legen dürfen, und die Reifen müssten etwas haltbarer werden, sodass es nicht immer ein Ritt auf Messers Schneide ist.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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