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Rea-Crewchief exklusiv: Eindrücke des Fahrers sind wichtiger als Sensorenwerte

Kawasaki-Crewchief Pere Riba spricht über seine Arbeit in der Box des Superbike-Weltmeisters und die unterschiedlichen Philosophien der verschiedenen Crewchiefs

Rea-Crewchief exklusiv: Eindrücke des Fahrers sind wichtiger als Sensorenwerte

Crewchief Pere Riba ist einer der wichtigsten Faktoren für den Erfolg von Superbike-Weltmeister Jonathan Rea. Seit seinem Wechsel von Honda zu Kawasaki arbeitet Rea mit Riba zusammen. Rea übernahm die ehemalige Crew von Loris Baz Ende 2014 und holte zusammen mit Riba sechs Titel in Folge. Wir haben uns exklusiv mit dem Crewchief des Rekord-Weltmeisters unterhalten und hinterfragt, was er anders macht als seine Kollegen.

Ein wichtiger Punkt ist, dass Riba selbst jahrelang professioneller Fahrer war. "Das ist sehr wichtig, denke ich", bestätigt der Spanier im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. "Im Motorradrennsport muss ein Fahrer viele verschiedene Dinge kontrollieren. Der Fahrer ist im Motorradsport sehr wichtig. Das ist anders als auf vier Rädern. Ein Motorradfahrer folgt seinem Gefühl, wenn er das Motorrad bewegt."

"Einer meiner größten Vorteile ist, dass ich selbst ein aktiver Fahrer war. Ich spreche die gleiche Sprache wie Jonathan. Wenn er mir ein bestimmtes Problem schildert, dann kann ich das sehr gut nachvollziehen", schildert Riba. "Wenn man selbst nie ein Fahrer war, dann denkt das Gehirn an technische Dinge und verfolgt die Sichtweise eines Ingenieurs. Doch das Gefühl ist ein Sensor, den man verstehen muss. Und das kann ich sehr gut."

Das Gefühl des Fahrers ist Pere Riba wichtiger als ein Sensorwert

"Als ich ein Fahrer war und auch in meiner Zeit als Testfahrer war ich so. Ich kannte die genauen Reaktionen der Maschine, egal um welches Problem es ging", erinnert sich der Kawasaki-Crewchief. "Junge Ingenieure zeigen mir oft Daten und weisen mich auf konkrete Werte hin. Ich sage den Leuten dann immer, dass ich den Sensorwert für das Gefühl des Fahrers nirgendwo sehen kann."

Jonathan Rea

Kawasaki-Dreamteam: Jonathan Rea mit Crewchief Pere Riba

Foto: Motorsport Images

"Es ist sehr wichtig, wie sich der Fahrer fühlt - nicht nur bei der Abstimmungsarbeit sondern auch bei der Entwicklung für die Zukunft", betont Riba. "Das ist vermutlich eine meiner Stärken im Vergleich zu einem Crewchief, der technischer vorgeht. Ich verstehe von allen Bereichen ein bisschen. Für alles weitere, wie die Elektronik oder die Federelemente, habe ich einen Experten."

Unterschiedliche Herangehensweisen bei Kawasaki

Schaut man auf das Kawasaki-Werksteam, dann erkennt man, dass es in den Crews der beiden Fahrer verschiedene Herangehensweisen gibt. Während Marcel Duinker, der Crewchief von Alex Lowes und der ehemaluge Crewchief von Tom Sykes und Leon Haslam, eher technisch orientiert ist, fokussiert sich Riba lieber auf den Fahrer und dessen Eindrücke. Zudem versucht Riba, sich das Renn-Wochenende perfekt einzuteilen, um für jede Eventualität gerüstet zu sein.

Alex Lowes

Marcel Duinker, der Crewchief von Alex Lowes, arbeitet anders als Pere Riba

Foto: Kawasaki

"Unter Crewchiefs gibt es verschiedene Philosophien. Meine Philosophie ist, die Leute zu koordinieren und von jedem das Maximum herauszuholen. Natürlich benötigt man ein Verständnis für die Technik. Aber es ist wichtig, sich nicht nur auf die Technik zu konzentrieren, wie es einige Crewchiefs tun. Es ist sehr wichtig, das Renn-Wochenende vorzubereiten. Ich weiß genau, was ich zu welchem Zeitpunkt mache", erklärt Riba.

Warum bei der Abstimmung weniger oft mehr ist

Riba weiß, wie schnell man sich bei der Abstimmung eines Motorrads verzetteln kann. Oft gibt er seinem Fahrer nur Hinweise, wie er anders fahren soll, ohne am Motorrad etwas zu ändern. Denn im Laufe eines Wochenendes wird ein Fahrer automatisch schneller, auch wenn am Motorrad keine Änderungen gemacht werden.

Jonathan Rea

Pere Riba möchte sich bei der Abstimmung nicht verrennen

Foto: LAT

"Warum das so ist? Der Fahrer gewöhnt sich an alles und versteht das Limit an jedem Punkt der Strecke besser. Viele Crewchiefs oder Theoretiker machen jedes Mal eine Änderung, wenn der Fahrer auf die Strecke fährt. Wenn man das immer macht, muss sich der Fahrer immer wieder neu zurechtfinden und wieder von Neuem beginnen. Diese kleinen Details sind sehr wichtig, um das Beste aus dem Paket herauszuholen", stellt Riba klar.

Kein Fokus auf einen bestimmten Bereich der Maschine

Als ehemaliger Fahrer hat Riba seinen Kollegen zudem voraus, dass er sich nicht auf einen bestimmten Bereich der Maschine besonders konzentriert. "In der Welt der Crewchiefs gibt es viele Vertreter, die sich vorher mit Federelementen beschäftigt haben. Diese Vertreter denken sofort an die Federelemente, wenn der Fahrer etwas beschreibt. Das ist der Bereich, den sie am besten beherrschen", kommentiert er.

"Ich beschäftige mich mit keinem Bereich besonders stark sondern kümmere mich um das große Ganze", stellt der Crewchief des Rekord-Weltmeisters klar. "Manchmal reden die Leute nur über die Elektronik, das Fahrwerk oder den Motor. Aber es müssen alle drei Bereiche zusammenspielen."

Jonathan Rea

Das Motorrad von Jonathan Rea ist stets perfekt vorbereitet

Foto: Kawasaki

"Es bringt mich zum schmunzeln, wenn zum Beispiel Journalisten behaupten, dass die Elektronik am Kurvenausgang schlecht arbeitet. Doch wenn man keinen mechanischen Grip hat, dann kann auch die Elektronik nichts mehr ausrichten. Sie hilft dabei, dass das Hinterrad nicht durchdreht. Doch dann beschleunigt das Motorrad nicht gut. Ist es in diesem Fall also ein Problem der Elektronik oder der mechanischen Haftung? Es ist immer ein Zusammenspiel", unterstreicht der Spanier.

Pere Riba bemüht sich, dass sein Fahrer einen klaren Kopf hat

Für extrem ambitionierte Fahrer, die am Abend Überstunden in der Box machen, hat Riba eine Botschaft: "Es gibt Fahrer, die verbringen zusammen mit ihrem Crewchief drei Stunden damit, die Datenaufzeichnungen auszuwerten. Das ist meiner Meinung nach total falsch. Es ist eine Frage der Philosophie."

"Es gibt viele verschiedene Herangehensweisen. Meine Herangehensweise ist klar: Ich will verstehen, was der Fahrer benötigt. Das ist alles. Umso freier der Kopf des Fahrers ist, desto mehr Kapazität hat er, um sich zu konzentrieren und seine Arbeit zu machen", erklärt Riba und schlussfolgert: "Unterm Strich macht er dadurch weniger Fehler."

"Meine Aufgabe ist die eines Managers. Ich muss aus jedem das Maximum herausholen. Jedes Teammitglied, egal ob Reifenexperte, Elektronikexperte, Federelementexperte oder Mechaniker reagiert anders. Jeder Mensch ist anders. Man muss clever agieren, um jeden im Team zu verstehen und aus jedem das Beste herauszuholen. Man kann nicht mit jedem gleich umgehen", berichtet Riba.

"Der eine reagiert im Zweifel böse, während ein anderer normal damit umgeht. Eine Gruppe von Leuten zu managen ist im Leben, in einem Unternehmen und in jedem Job die wichtigste Eigenschaft. Ich mag das. Das ist eine meiner Stärken. Ich mag es, Leute happy zu machen und ihre Stärken nach vorne zu bringen", erklärt Riba und betont: "Am wichtigsten ist aber der Fahrer und dessen Kopf."

"Unser Gehirn sammelt ständig Eindrücke. Es ist wie bei einem Kind, das heranwächst. Es ist sehr wichtig, die richtigen Einflüsse zu haben, wenn man jung ist. Ich kenne Johnny sehr gut. Ich kenne seine Stärken und seine Schwächen. Ich weiß, wann ich ihn antreiben muss und wann ich ihn bremsen muss", erklärt der Kawasaki-Ingenieur.

Mit Bildmaterial von LAT.

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Artikel-Info

Rennserie Superbike-WM
Fahrer Jonathan Rea
Urheber Sebastian Fränzschky