DTM-Leader Kelvin van der Linde: "AMG-Teams holen nicht das Maximum heraus"

Warum Abts DTM-Leader Kelvin van der Linde der Meinung ist, dass die Mercedes-AMG-Teams nachlegen müssen und auch die geballte Ladung an Autos kein Vorteil ist

DTM-Leader Kelvin van der Linde: "AMG-Teams holen nicht das Maximum heraus"

Kann sich Abts DTM-Leader Kelvin van der Linde im Titelkampf gegen die AMG-Mercedes-Teams auf die bessere Mannschaft verlassen? Anlass für diese Sichtweise ist für den 25-jährigen DTM-Leader die Tatsache, dass die Toksport-WRT-Truppe auf dem Nürburgring bei der DTM-Premiere mit Luca Stolz zeitweise die Nase vor den Mercedes-Stammteams hatte.

"Ich bin zwar nicht involviert bei Mercedes und kann es daher nicht einschätzen, aber es ist auf jeden Fall interessant, dass ein Gaststarter, der mit den Michelin-Reifen keine Erfahrung hat, direkt einsteigt und so performt", sieht er HRT, Winward, GruppeM, GetSpeed und Mücke unter Zugzwang.

"Das zeigt, dass sie noch nicht das Maximum aus dem Auto herausholen", schließt der Südafrikaner daraus.  "Die anderen Teams müssen härter arbeiten, wenn ein Gaststarter auf das Podest fährt."

Toksport-WRT-Gaststart zeigt interne Rivalität

Tatsächlich beeindruckte die Toksport-WRT-Truppe beim Gaststart in der Eifel die DTM: Stolz gelang am Samstag im Qualifying Platz fünf, nur eine Tausendstel hinter GruppeM-Fahrer Daniel Juncadella, der bester Mercedes-AMG-Pilot war.

Und im Rennen wäre er ohne die Strafe als Zweiter sogar bester Fahrer seiner Marke gewesen. Am Sonntag gelang Stolz auf Startplatz sechs die zweitbeste Mercedes-Rundenzeit, ehe er im Rennen Opfer eine Kollision mit Markenkollege Philip Ellis wurde und ausschied.

Das Team hatte am Wochenende auch Einblick in allgemeinen Telemetriedaten von den anderen Mercedes-Fahrzeugen, war aber bei der Set-up-Arbeit großteils auf sich alleine gestellt. Das lag daran, dass sich andere Mercedes-AMG-Teams dagegen querlegten, dass die Neuankömmlinge Zugriff auf den Set-up-Server von AMG erhalten.
 
Dafür kam man aber am Freitag im Freien Training - wie die anderen Neulinge - in den Genuss von zwei frischen Reifensätzen, während die anderen Teams mit gebrauchten Reifen Vorlieb nehmen mussten. Das ist bei der Set-up-Suche mit Sicherheit ein Vorteil.

Sieben Mercedes-AMG-Fahrzeuge ein Nachteil?

Doch van der Linde sieht noch einen weiteren Vorteil im Kampf gegen die Mercedes-AMG-Teams: dass er mit Abt in einem von nur zwei Audi-Teams fährt, während die Marke mit dem Stern gleich fünf Stammteams mit sieben Fahrzeugen in der DTM am Start hat. Und durch die Gaststarts von Stolz und Hubert Haupt waren es in der Eifel sogar neun.

Kelvin van der Linde, Luca Stolz, Philip Ellis

Kelvin van der Linde sieht sich gegenüber den AMG-Piloten im Vorteil

Foto: Motorsport Images

"Vor allem in so einer BoP-dominierten Serie ist es wichtig, in jedem Rennen der Beste deiner Marke zu sein", sagt van der Linde. "Das ist so ein bisschen die Schwäche von Mercedes. Die haben neun Autos am Start, und es ist vielleicht ein Stück härter, da dann jedes Mal bester Mercedes zu sein, denn sie nehmen sich gegenseitig die Punkte weg."

 

"Mit vier oder fünf Autos wären sie stärker gewesen"

Was van der Linde damit meint? Unter den Mercedes-AMG-Piloten sind die Zeitabstände wegen der gleichen Ausgangsbasis oft gering. Und je mehr Autos einer Marke am Start sind, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass immer ein anderer Mercedes-Pilot die Oberhand hat, während van der Linde im Audi-Lager nur von Teamkollege Mike Rockenfeller und Rosberg-Vizemeister Nico Müller wahre Konkurrenz droht.

"Deshalb wären sie in der Meisterschaft auch deutlich stärker gewesen, wenn nur vier oder fünf Mercedes fahren", meint van der Linde. Aktuell ist die Streuung bei den Mercedes-AMG-Piloten in der Meisterschaft tatsächlich groß: HRT-Mercedes-Pilot Maximilian Götz ist mit 33 Punkten Rückstand auf Platz zwei van der Lindes erster Verfolger, Winward-Mercedes-Pilot Philip Ellis liegt mit 57 Punkten Rückstand auf Rang sechs.

Die Nummer drei im AMG-Lager ist Ellis' Teamkollege Lucas Auer, dem auf Platz acht bereits 79 Punkte fehlen. Zehnter ist GruppeM-Mercedes-Pilot Daniel Juncadella mit 86 Zählern Rückstand.

"Als hätten wir eine Zielscheibe auf unserem Rücken"

Zuletzt hatte van der Linde den Eindruck, dass die Gangart seiner Rivalen gegen ihn immer härter wird. "Es gibt so eine Stimmung, als hätten wir eine Zielscheibe auf unserem Rücken. Das ist deutlich zu spüren. Und das so früh in diesem Jahr", sagt der Abt-Audi-Pilot, der sich zuletzt immer wieder mit Piloten, die ihren Stopp hinauszögerten, abmühen musste - und dann beim zweiten Nürburgring-Rennen auch noch von AF-Corse-Titelrivale Liam Lawson abgeschossen wurde.

"Ich weiß nicht, ob dieses Jahr in der DTM generell jeder hart fährt, das ist schwer einzuschätzen", sagt er. "Aber ich habe das Gefühl, dass jeder extrem hart gegen mich fährt. Was ich eigentlich cool finde. Solange es fair bleibt und nicht im Kies endet, ist es mir egal."

Mit Bildmaterial von DTM.

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