"Stein vom Herzen gefallen": Wie Sophia Flörsch zu den ersten DTM-Punkten fuhr

Platz neun brachte Sophia Flörsch in Assen ganze sechs Punkte ein: Wie der Abt-Piloten das gelang und wieso sie gar nicht wusste, dass sie um DTM-Punkte kämpft

"Stein vom Herzen gefallen": Wie Sophia Flörsch zu den ersten DTM-Punkten fuhr

"Ganz ehrlich: Damit hatte ich nicht gerechnet", sagt Sophia Flörsch nach dem Samstagsrennen in Assen am vergangenen Wochenende. Die Abt-Audi-Pilotin hatte es erstmals in ihrer DTM-Karriere in die Punkte geschafft und auf Platz neun gleich sechs Zähler auf ihr Konto verbucht. Dabei war die Münchenerin äußerst ungünstig von Platz 19 aus ins Rennen gestartet. Nach dem Lauf platzten die Emotionen aus ihr heraus - und beim Jubel mit ihrem Team sah es sogar so aus, als hätte sie Tränen in den Augen.

"Tränen waren es eher nicht", lacht Flörsch wegen der Frage, ob die Freude sehr groß gewesen sei. "Das war eher Champagner vom Sören [Zinner, Schaeffler-Sponsoringchef], der mir den da drüber geschüttet hat. Es war eigentlich so, dass ich gar nicht wusste, dass ich um die Top 10 fahre. Nach dem Safety-Car meinte Laura [Müller, Renningenieurin] nur, dass wir heute um die Top 10 kämpfen können, aber im Moment noch auf Platz 13 sind."

"Als wir dann über Start-Ziel gefahren sind, meinte Laura nur: 'Du bist Neunte und bekommst die Punkte für Platz sieben.' Denn vorne waren ja noch die Überrundeten, die keinen Boxenstopp hatten", analysiert die Abt-Pilotin die Endphase.

Plötzlich ist Flörsch in den Top 10

"Da kannst du gar nicht richtig durchzählen. Deswegen hat es mich umso mehr gefreut, weil ich damit gar nicht gerechnet hatte und wir auch nicht mit den Erwartungen ins Rennen gestartet sind, dass wir von Platz 19 in die Punkte fahren", so Flörsch, die bis dato in der DTM nicht über einen 15. Platz hinaus gekommen war. "Es ist auch mein erstes Mal hier in Assen. Und die Quali war jetzt nicht so super, was die Performance angeht."

Umso größer war die Erleichterung nach dem Rennen, gibt Flörsch zu, die bislang in dieser Saison auch mit Kritik zu kämpfen hatte: "Uns allen ist so ein bisschen ein Stein vom Herzen gefallen. Mich hat es auch extrem für die Mechaniker gefreut. Das hat man glaube ich auch allen bei uns im Team angesehen - also an meinem Auto."

Ist der Knoten jetzt geplatzt?

Nach dem neunten Platz, der aufgrund der Gaststarter außerhalb der Wertung die Punkte für Platz sieben ergibt, hofft die 20-Jährige nun, dass der Knoten geplatzt ist - und gibt sich kämpferisch. "Es ist kein Geheimnis, wenn ich sage, dass ich mit den Plätzen, auf denen ich sonst gefahren bin, nicht zufrieden war", gibt sie zu.

Ob sie sich dadurch sehr unter Druck gesetzt habe? "Was heißt Druck? Ich weiß halt, wo ich sein will und wo ich fahren will." Zudem sei sie "mit ein bisschen anderen Erwartungen in die Saison gestartet", sagt die Münchnerin. Die ersten Punkte haben daher gut getan, "egal, wie das Rennen verlaufen ist".

Nun hofft sie, "dass die Stimmung jetzt ein bisschen besser ist und wir die letzten Rennen noch einmal angreifen und noch ein, zwei, drei Pünktchen mehr einfahren können."

Assen eine "extrem geile Strecke"

Flörsch ist in ihrer Karriere nicht nur erstmals in die DTM-Punkteränge gefahren, sondern hat auch gleich ihr Rennsportdebüt in Assen gefeiert. "Eine extrem geile Strecke" findet die Abt-Fahrerin. "Das macht mir wirklich extrem viel Spaß. Man hat gesehen, dass sie auch fürs Rennen ganz gut ist."

Flörsch

Sophia Flörsch ist mit dem neunten Platz zufrieden

Foto: Motorsport Images

Der 4,555 Kilometer lange Kurs in den Niederlanden beheimatet neben der DTM wichtige Motorrad-Rennen wie das historische Dutch-TT, das es seit 1925 gibt, und auch die Superbike-WM.

Nach Spielberg fuhr Flörsch in Assen zum zweiten Mal ohne das innovative Space-Drive-System, dass sie bei schnellen Richtungsänderungen wegen der Verzögerung forderte. Ob die Umstellung auf die normale Lenksäule ein Vorteil war?

"Sobald du Übersteuern bekommst, ist es mit dem Space-Drive-System einfach eine Herausforderung gewesen", erklärt Flörsch. "Dementsprechend ist es jetzt hier mit der normalen Lenkung ein bisschen leichter, auf einer Renndistanz das Limit zu finden."

Die Umstellung sei aber "an sich nicht groß. Space-Drive ist genauso gut", meint Flörsch. Während die Abt-Pilotin und Timo Glock mit dem System ihre Schwierigkeiten hatten, kam Maximilian Buhk in der DTM-Saison 2021 deutlich besser mit der Innovation zurecht.

Das Chaos-Rennen am Samstag

Das Samstagsrennen der DTM in Assen hatte es in sich: Direkt beim Start kam Pole-Setter Liam Lawson nicht vom Fleck, weshalb es hinter ihm zu Auffahrunfällen kam, die Daniel Juncadella zum Verhängnis wurden: Das Safety-Car musste auf die Strecke.

Anschließend beruhigte sich die Lage, bis Alexander Albon einen Poller traf und ein Befestigungsseil von der Strecke geräumt werden musste. Wieder gab es eine Gelbphase, die die Strategie von Kelvin van der Linde durcheinander brachte.

Mittendrin war Flörsch, deren Team die richtige Strategie parat hatte und die 20-Jährige zum richtigen Zeitpunkt an die Box lotste. Sie sagt: "Es war ja so, dass nach dem normalen Rennstart schon Unfälle passiert sind. Dementsprechend hatten wir schon in der ersten Runde ein Safety-Car. Als das Rennen danach wieder freigeben wurde, sind die meisten Fahrer direkt reingekommen - und ich dann auch."

Etwas Glück und das richtige Timing

Flörsch

Sophia Flörsch hatte am Samstag die richtige Strategie - und etwas Glück

Foto: DTM

"Und dann ist ja wieder etwas passiert und wir hatten nochmal Safety-Car", so Flörsch weiter. "Da hatten wir unterm Strich die richtige Strategie, weil wir schon vor dem zweiten Safety-Car in der Box waren. Wir konnten so wieder zum restlichen Feld aufholen und die, die nicht an der Box waren, haben da leider drunter gelitten", verweist sie auf ihre Abt-Teamkollegen Kelvin van der Linde und Mike Rockenfeller.

"Auf der anderen Seite ist im Rennen auch sehr viel passiert. Es sind ein paar Leute ausgeschieden, die einen Reifenplatzer hatten. Das hat uns natürlich in die Karten gespielt."

Außerdem wurde Lucas Auer wegen einer Fünf-Sekunden-Strafe in der Rennwertung hinter Flörsch gespült. Letztlich sahen nur 13 von 20 Fahrern die Zielflagge. Die Abt-Pilotin ließ nach 35 Runden Auer, Esmee Hawkey, van der Linde und Mike Rockenfeller hinter sich. Im Sonntagsrennen kam die Audi-Fahrerin auf Platz 16 ins Ziel. Das nächste DTM-Rennwochenende findet am 2. und 3. Oktober auf dem Hockenheimring in Baden-Württemberg statt.

Mit Bildmaterial von DTM.

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