Brawn: Formel-2-Nachwuchs soll mehr F1-Chancen bekommen

Die besten Talente der Formel 2 sollen künftig mehr Fahrten in Formel-1-Autos bekommen. Ross Brawn ist überzeugt: Nachwuchs-Karrieren könnten zerstört werden.

Brawn: Formel-2-Nachwuchs soll mehr F1-Chancen bekommen
Logo: FIA Formel 2
Charles Leclerc, Ferrari SF70H
Lando Norris, McLaren MCL32
Charles Leclerc, PREMA Powerteam
Oliver Rowland, DAMS
1. Charles Leclerc, PREMA Powerteam; 2. Artem Markelov, RUSSIAN TIME
Start: Charles Leclerc, PREMA Powerteam, führt
Start: Charles Leclerc, PREMA Powerteam, führt
Oliver Rowland, DAMS
Luca Ghiotto, RUSSIAN TIME, Gustav Malja, Racing Engineering
Luca Ghiotto, RUSSIAN TIME

Die neuen Verantwortlichen der Formel 1 wollen den Nachwuchs aus der Formel 2 konsequenter an mögliche Renneinsätze in der Königsklasse heranführen. Nach Ansicht von Sportchef Ross Brawn soll dies unter anderem mit mehr Fahrten der Talente in den Freien Trainings der Formel 1 gelingen. Mehrere Formel-1-Stars - darunter Sebastian Vettel und Robert Kubica - hatten Mitte der 2000er-Jahre entsprechende Erfahrungen sammeln können. Damals jedoch in 3. Fahrzeugen ihrer Teams.

Seit 2007 ist der Einsatz eines dritten Autos am Freitag eines Formel-1-Wochenendes nicht mehr gestattet. Dadurch ging vielen hoffnungsvollen Talenten eine wichtige Testchance in der Königsklasse verloren. Die Konsequenz nach Ansicht von Ross Brawn: Selbst die besten Formel-2-Talente kommen im Falle eines Falles kaum als kurzfristiger Ersatz eines erkrankten oder verletzten Formel-1-Fahrers in Betracht. Es wäre "unklug", einen unerfahrenen Nachwuchsmann ins kalte Wasser zu werden, meint der Brite.

"Jemanden ohne jede Erfahrung einfach so in einen Formel-1-Einsatz zu schicken, wäre ein Risiko", sagt Brawn bei der Vorstellung des neuen Formel-2-Autos für die Saison 2018. "Man muss die Talente bestmöglich vorbereiten, wahrscheinlich am besten in den Freitagstrainings. Das ist sehr, sehr wichtig. Sie müssen solche Möglichkeiten haben, bevor sie möglicherweise im Rampenlicht stehen. Wenn ohne Erfahrung etwas schiefläuft, dann kann eine Karriere großen Schaden nehmen."

Kommende Superstars sollen früher in den Fokus

Im Grand Prix von Ungarn 2017 in Budapest musste Williams kurzfristig einen Ersatzfahrer für den erkrankten Stammpiloten Felipe Massa nennen. Man setzte auf die Dienste von Paul di Resta. "Für einen Formel-2-Fahrer wäre ein solcher Einsatz nicht fair gewesen", meint Brawn. Man hätte einen Youngster komplett ins kalte Wasser werfen müssen. "Da gibt es besser strukturierte Wege. Und genau daran arbeiten wir derzeit. Wir schauen zum Beispiel, ob es nicht im Freitagstraining noch mehr Möglichkeiten gibt."

"Es wäre schön, wenn wir eine Art 'Motorsport-Karriereleiter' bieten könnten. Das würde auch dabei helfen, dass Youngster schon früh im Fokus der Fans stehen", meint Brawn. Derzeit fährt der Formel-2-Nachwuchs im Rahmen der Formel 1, die Talente der Formel 3 bewegen sich hingegen abseits der Szene - noch jedenfalls. In Abhängigkeit von der Zukunft der DTM könnte sich dies ändern.

"Es wäre doch großartig, wenn man einen Formel-3-Star sieht, der dann Formel-2-Star ist und schließlich in Verstappen-Manier in die Formel 1 kommt. Das wollen wir sehen", meint Brawn. "Wenn deren Rennen im Rahmen der Formel 1 stattfinden, können die Fans gleich eine Beziehung zu den Talenten aufbauen." Dies habe nicht nur sportliche Reize, sondern könne auch kommerziell attraktiv sein. "Es hätte sehr viele Vorteile", meint der Brite.

Ebenso könne man sich vorstellen, die Formel 2 als Testumfeld zu nutzen, wenn es um die Einführung neuer Konzepte geht. "Die Formel 2 fährt mit umgekehrter Startreihenfolge am Sonntag. Das funktioniert dort sehr gut. Allerdings gibt es bei uns diesbezüglich kommerzielle Interessen, die dagegen sprechen, dass man es für die Formel 1 übernimmt. Aber sie fahren zwei Rennen, sie könnten Safety-Car-Prozeduren testen. All das sind Dinge, die man ganz einfach von der Formel 2 in die Formel 1 transferieren könnte."

geteilte inhalte
kommentare
Die Evolution der Formel-1-Autos seit 1950
Vorheriger Artikel

Die Evolution der Formel-1-Autos seit 1950

Nächster Artikel

Mika Häkkinen: Warum 1998 das beste Jahr seiner F1-Karriere war

Mika Häkkinen: Warum 1998 das beste Jahr seiner F1-Karriere war
Kommentare laden