Reifendrücke: Warum die FIA reagieren musste

Alpine-Teamchef Marcin Budkowski erklärt, welche Folgen die neuen Richtlinien zu den Formel-1-Reifendrücken haben und warum die FIA richtig gehandelt hat

Reifendrücke: Warum die FIA reagieren musste

Die Reifenschäden bei Lance Stroll und Max Verstappen in Baku haben Folgen für die Formel 1, konkret in Form einer neuen Technischen Direktive, die ab dem Frankreich-Grand-Prix 2021 in Le Castellet greift. Und für Alpine-Teamchef Marcin Budkowski steht außer Frage, dass der Automobil-Weltverband (FIA) zu einer Reaktion gezwungen war: "Es handelt sich hier schließlich um ein sicherheitsrelevantes Thema."

Rein praktisch aber ändere sich "nichts dramatisch" für die Formel-1-Teams. Vor allem bedeute die neue Technische Direktive, dass künftig mehr Kontrollen durchgeführt würden. Außerdem sei damit noch einmal betont worden: Die Pirelli-Vorgabe für den Mindestdruck in den Reifen müsse ernst genommen werden.

Oder wie es Budkowski im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' formuliert: "Es ist jetzt alles viel klarer, und unser Spielraum ist etwas mehr eingegrenzt worden."

Warum die FIA die Mindestvorgaben betont

"[Die neuen Regeln] sind nicht grundlegend anders als das, was wir vorher hatten. Und wir begrüßen es, dass jetzt gründlicher überprüft wird, weil man mit all dem nicht herumspielen sollte. Denn wenn Pirelli einen Mindestdruck vorgibt, dann hat das einen Grund. Wird das nicht respektiert, kann es zu Schäden kommen."

Einen Verdacht, Aston Martin und Red Bull könnten in Baku absichtlich von den Pirelli-Werten abgewichen sein, will Budkowski aber ausdrücklich nicht äußern. "Ich weiß es nämlich einfach nicht", meint er. Aber: Falls sich die genannten Teams zu viele Freiheiten herausgenommen hätten, "wäre das besorgniserregend, weil es hier um die Sicherheit geht".

Was die Teams mit Reifenheizdecken anstellen

Damit die Sicherheit gewahrt werden kann, dürfen Reifenheizdecken künftig nur noch direkt vor dem Losfahren aus der Box von den Pneus abgezogen werden. Es dürfen maximal 30 Sekunden verstreichen, bis sich das Auto danach in Bewegung setzt.

Laut Budkowski müsse ein Team, das bisher die Heizdecken schon eher abgenommen hat, aber "nicht notwendigerweise" in einer Grauzone operiert haben, um so die Reifendrücke zu senken.

Man könne mittels Reifenheizdecken "Unterschiedliches" für die Fahrzeugbalance bewirken, erklärt der Alpine-Teamchef.

"Man will natürlich die Reifentemperaturen vor dem Losfahren kontrollieren, aber auch die Temperaturbalance zwischen Vorder- und Hinterrädern. Manchmal spielt man auch mit der Temperatur der Heizdecken oder nimmt sie etwas eher ab, um die beste Balance hinzukriegen."

Der Wortlaut der neuen Technischen Direktive lasse jedoch auch den Schluss zu, Teams hätten bewusst versuchen können, mittels Heizdecken die Reifendrücke abzusenken. Um dieses Schlupfloch im Reglement zu schließen, "greift die FIA jetzt härter durch", meint Budkowski.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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