Formel-1-Technik mit Giorgio Piola
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Formel-1-Technik mit Giorgio Piola

Warum Alpine im intensiven Entwicklungsprogramm nicht nachlässt

Alpine setzte die Upgrad-Offensive beim Formel-1-Rennen in Frankreich mit einem neuen Unterboden fort - Auch die "Diät" des A522 macht weitere Fortschritte

Warum Alpine im intensiven Entwicklungsprogramm nicht nachlässt
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Alpine ist das einzige Team in der Startaufstellung, das sein Auto bei jedem einzelnen Formel-1-Rennen in dieser Saison aktualisiert hat. Während es sich bei einigen Updates um kleinere Verbesserungen und Optimierungen handelte, hat das Team mit einem gut koordinierten Entwicklungsprogramm immer wieder umfangreiche Upgrade-Pakete geschnürt und sich so im Kampf um Platz vier der Konstrukteurswertung gut positioniert.

Während nur wenige der Konkurrenten mit dem Umfang einer solchen Überarbeitung mithalten konnten, gibt es laut Alpine keine Anzeichen dafür, dass ihm die Luft ausgeht. "Bei jedem Rennen gab es etwas Neues. Und das wird so weitergehen", verspricht Sportdirektor Alan Permane. "Wir werden einen weiteren kleinen Schritt in Ungarn machen und dann haben wir zwei ordentliche Schritte in Spa und Zandvoort geplant."

Die letzte große Neuerung von Alpine betraf das große Seitenkasten-Update, das weitere Inspirationen aus dem eigenen Designteam aufgreift und sich an den Lösungen von Red Bull und Ferrari orientiert. Vergangene Woche in Frankreich stand jedoch der Unterboden im Mittelpunkt

Neuer Unterboden mit "Schlittschuh"-Element

"In Silverstone haben wir unseren dritten Unterboden in diesem Jahr vorgestellt, und dieser ist eine Weiterentwicklung davon", sagt Permane. "Wir nennen ihn den MK3B-Boden. Von oben sieht man eigentlich nicht so viel, aber das Detail [mittlerer Ausschnitt] ist neu."

An der mit dem Pfeil markierten Stelle ist das "Schlittschuh"-Element zu erahnen

An der mit dem Pfeil markierten Stelle ist das "Schlittschuh"-Element zu erahnen

Foto: Giorgio Piola

Der Ausschnitt in der Mitte des Bodens unterscheidet sich zwar deutlich vom ursprünglichen MK3-Spezifikationsboden (im ersten Bild zu sehen), und der Einfluss von Red Bull ist auch hier klar zu erkennen, aber die eigentlich Spannende findet auf der Unterseite des Bodens statt, die wir nicht sehen können.

Wie Red Bull und Ferrari, die diese Lösung ebenfalls übernommen haben, verfügt die A522 nun über ein "Schlittschuh"-Element. Wie zu erwarten, ist es ohne Bilder von der Unterseite des Bodens schwierig, den Schlittschuh im Detail zu zeigen, aber dieses Bild gibt uns einen klaren Blick auf die äußerste Spitze (roter Pfeil).

Unterböden werden im Werk umgearbeitet

Auf diesem Bild ist auch sehr gut zu erkennen, wie der Boden in mehrere Richtungen belastet werden kann, da der vordere Teil des Bodens (vor dem vorderen Bodenbogen) in einer stabilen Höhe über der Oberfläche der Strecke bleibt, während der hintere Teil niedrig über dem Asphalt liegt.

Das Team war offensichtlich mit dem Feedback seiner Fahrer und den gesammelten Daten zufrieden, denn obwohl es in Frankreich nur zwei Exemplare dieser Version des Unterbodens zur Verfügung hatte, schickte es den Ersatzwagen zurück ins Werk nach Enstone, wo er modifiziert wurde.

"Ich glaube, wir hatten [in Frankreich] zwei brandneue MK3B und drei der A-Version", sagt Permane. "Die A-Versionen gehen zurück [ins Werk], um modifiziert zu werden. Das ist nicht wirklich eine Arbeit, die wir auf der Rennstrecke machen können. Es ist eine ziemlich komplexe Änderung.

Die A522 speckt erfolgreich ab

Eine weiteres Augenmerk von Alpine in dieser Saison gilt dem "Diätplan", mit dem die A522 näher an das Gewichtslimit herangeführt werden soll. Normalerweise nehmen die Autos im Laufe der Saison an Gewicht zu, wenn neue Teile eingeführt werden, aber Permane erklärt, dass der französische Autohersteller es geschafft hat, den umgekehrten Weg zu gehen.

"Wir sind sehr nah dran [am Gewichtslimit]", sagte er. "Wir sind nicht ganz da, aber nah am Limit, bis auf ein paar Kilo", so der Sportdirektor. "Es ist wirklich schwierig, Gewicht zu reduzieren, besonders bei einem völlig neuen Auto mit einem neuen Konzept."

"Normalerweise nehmen die Autos im Laufe einer Saison um drei bis fünf Kilo zu, wenn man Upgrades hinzufügt und etwas reparieren muss, oder wenn man etwas zu aggressiv mit dem Material umgegangen ist und es etwas zu leicht ist", so Permane."Ich glaube, wir sind siebeneinhalb oder acht Kilo leichter als zu Beginn der Saison, das ist wirklich eine enorme Leistung".

2023 extremere Design-Lösungen?

Alpine ist immer noch der Meinung, dass in der verbleibenden Saison erhebliche Fortschritte möglich sind, ist sich aber auch bewusst, dass bestimmte Aspekte seines aktuellen Designs aufgrund der Art und Weise, wie die A522 ausgelegt ist, an ihre Grenzen stoßen werden. Daher sind für 2023 extremere Lösungen zu erwarten.

"Wir sind immer noch dabei, den Unterboden zu verbessern - den Boden und die Aufbauten und solche Dinge", fügt Permane hinzu. "Ich vermute, dass das, was wir in diesem Jahr lernen, unweigerlich zu einigen extremeren Beispielen im nächsten Jahr führen wird. Wo wir in diesem Jahr durch die Anordnung von Kühlern und Auspuffanlagen und dergleichen eingeschränkt sind, kann das alles natürlich im nächsten Jahr geändert werden."

Mit Bildmaterial von Giorgio Piola.

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