Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat: Fernando Alonso

Warum Alpine-Fahrer Fernando Alonso zu den großen Gewinnern des Silverstone-Rennens zählt und wie seine Comeback-Statistik in der Formel 1 bisher ausfällt

Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat: Fernando Alonso

Irgendwie hatten Sie heute früh mit einem anderen Fahrer gerechnet, richtig? Ich eigentlich auch, muss ich gestehen. Und ich sage frei heraus: Gestern Abend hatte ich schon Ferrari-Fahrer Charles Leclerc als Protagonist dieser Formel-1-Kolumne im Kopf. Heute früh aber dachte ich: Fernando Alonso passt nach diesem Wochenende irgendwie besser.

Und damit: Willkommen zu meiner Formel-1-Montagskolumne und der Frage, warum gerade Alonso am besten geschlafen haben soll. Darauf habe ich gleich mehrere Antworten.

(Die Schwesterkolumne von meinem Kollegen Christian Nimmervoll finden Sie wie immer auf unseren Portalen Motorsport-Total.com und Formel1.de!)

Die offensichtlichen zuerst: Alonso hat im Alpine ein sehr ordentliches Rennwochenende hingelegt und vermutlich genau das rausgeholt aus dem Auto, was drinsteckt, oder sogar mehr. Das war zunächst P11 im Qualifying am Freitag.

Starke Leistung schon im Sprintrennen

Was darauf folgte, haben wir alle gesehen: Mit weichen Reifen gelang Alonso im Sprint am Samstag eine furiose erste Rennrunde, in der er gleich sechs Fahrzeuge überholte. Zwei davon, beide McLaren, musste er zwar wieder ziehen lassen, aber am Ende stand eine Positionsverbesserung von elf auf sieben. Reifenvorteil, ja, trotzdem nicht schlecht!

Zumal Alonso einer von nur vier Fahrern war, die sich in diesem 17-Runden-Rennen ("Sprintqualifying" hin oder her, es ist ein Rennen!) auf die Soft-Mischung eingelassen hatten. Und dieses Risiko hat sich für ihn bezahlt gemacht, mehr als für Valtteri Bottas (0 Plätze gewonnen) und Esteban Ocon (3). Einzig Kimi Räikkönen gewann ebenfalls vier Positionen.

Trotz DRS beim Gegner hält Alonso seine Position

Dann das Rennen: Dass Alonso über die 52-Runden-Distanz P7 würde halten können, hatte ich nicht erwartet. Doch genau das hat er geschafft, obwohl er in 16 der 52 Runden mit einem Vorsprung von weniger als einer Sekunde über die Linie kam und so praktisch ein Drittel des Rennens immer Gefahr lief, vom Hintermann mit DRS überholt zu werden.

Fernando Alonso im Sprintrennen: Er boxte über seiner Gewichtsklasse

Fernando Alonso im Sprintrennen: Er boxte über seiner Gewichtsklasse

Foto: Charles Coates / Motorsport Images

Ab der fünften Rennrunde folgte ihm Aston-Martin-Mann Lance Stroll wie ein Schatten, scheiterte aber daran, Alonso die Position wegzunehmen. 15 Runden im DRS-Fenster hinter Alonso reichten dafür nicht aus, obwohl der Alpine wahrlich kein Topspeed-Wunder ist.

Das belegen auch die Zahlen zum Rennen: Mit 315,9 km/h kommt Alonso gerade mal auf P18 der Topspeed-Wertung. Stroll steht immerhin auf P13 mit 322,8 km/h. Genutzt hat es ihm gegen Alonso aber nicht.

Seit Baku hat Alonso einen Lauf

Und so erzielte Alonso in Silverstone sein zweitbestes Ergebnis in diesem Jahr nach Platz sechs in Baku, wo Alonso nach einer späten Rotphase noch eine sensationelle Aufholjagd hingelegt hat.

Was Silverstone übrigens mit Baku verbindet: Seit dem sechsten Saisonrennen hat Alonso seinen Alpine-Teamkollegen Ocon klar im Griff. Das anfängliche 1:4 im Qualifying-Vergleich hat er inzwischen auf ein 6:4 zu seinen Gunsten gedreht. Und ebenfalls seit Baku hat Alonso auch im Rennen die besseren Endpositionen erreicht und jetzt fünf Mal Punkte in Folge.

Das zeigt für mir: Alonso ist wieder da, er ist wieder "angekommen" in der Formel 1, nach einer für ihn schwierigen Wiedereingewöhnung nach zwei Jahren Formel-1-Pause. Auf ihn kann sich Alpine jetzt verlassen.

Fernando Alonso vor Lance Stroll: Kein Weg vorbei trotz 15 Runden DRS

Fernando Alonso vor Lance Stroll: Kein Weg vorbei trotz 15 Runden DRS

Foto: Zak Mauger / Motorsport Images

Zum Vergleich: Seit Baku hat einzig AlphaTauri-Mann Pierre Gasly aus dem Formel-1-Mittelfeld hinter Red Bull, Mercedes, McLaren und Ferrari mehr Punkte erzielt als Alonso, und das auch nur knapp mit 23:21.

Alonso: Jetzt wieder voll da nach dem Comeback

Für seine zuverlässige Leistung, für sein Abliefern am Renntag, war Alonso früher schon bekannt. Daran knüpft er jetzt an mit Alpine. Das ist mir am Wochenende in Silverstone anhand der geschilderten Situationen wieder richtig bewusst geworden.

Auch wenn es für ihn erneut nur "kleine" Punkte waren und man die Protagonisten im Mittelfeld gerne übersieht: Das war eine richtig starke Gesamtleistung von Alonso, über alle entscheidenden Sessions hinweg. Das dürfte ihn in der Nacht zum Montag sehr gut haben schlafen lassen.

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Ihr
Stefan Ehlen

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