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Zukunft des Deutschland-Grand-Prix: Warum es so schwierig wird

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Zukunft des Deutschland-Grand-Prix: Warum es so schwierig wird
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17.07.2018, 11:46

Hohe Forderungen seitens der Formel 1, kaum Einnahmemöglichkeiten und null Subventionen: Darum wird das Ringen um den Grand Prix von Deutschland so hart

Lokalheld Sebastian Vettel (Ferrari) im intensiven WM-Kampf, Max Verstappen (Red Bull) mit starken Auftritten und einem orangen Fan-Meer im Gepäck und hochsommerliches Wetter in Deutschland: Die Voraussetzungen vor dem Grand Prix in Hockenheim 2018 sind bestens. Und so freuen sich die Veranstalter über großes Interesse von Fans.

Der Vorverkauf hat im Vergleich zu 2016 um rund 25 Prozent zugelegt. Am kommenden Wochenende werden (alleine am Rennsonntag) rund 70.000 Zuschauer vor Ort erwartet. Das sind deutlich mehr als 2016 (57.000) und 2014 (52.000). Man musste sogar eine Zusatztribüne aufbauen, um die gestiegene Nachfrage bedienen zu können. Unterm Strich wird trotz der hohen Grand-Prix-Gebühren, die die FOM (Formula One Management) beziehungsweise Liberty Media aufruft, eine schwarze Null stehen. Oder sogar ein geringfügiges Plus.

Alles gut im Formel-1-Land Deutschland? Nein, keineswegs. Denn die Zukunft nach 2018 sieht aktuell düster aus. Der Vertrag der FOM mit den Veranstaltern des Rennens in Baden-Württemberg läuft nach der diesjährigen Auflage aus. Wie es mit weiteren Grands Prix in Deutschland aussieht, steht derzeit in den Sternen. Der Grund ist klar: Auch wenn 2018 unterm Strich kein Verlust stehen wird, kann die Hockenheim-Ring GmbH das finanzielle Risiko in Zukunft nicht mehr alleine schultern.

Die Vertreter der Rennstrecke in Hockenheim und des Nürburgrings sowie der sportlichen Veranstalter AvD und ADAC saßen in den vergangenen Monaten mehrfach mit den Formel-1-Bossen von Liberty zusammen. Das Ergebnis ist bislang enttäuschend. Chase Carey und seine Mitstreiter beharren angeblich auf eine Antrittsprämie von 25 Millionen US-Dollar (rund 21,3 Millionen Euro) pro Jahr. Deutschland soll für den schnellen Zirkus genauso viel zahlen wie beispielsweise Belgien, Großbritannien und Frankreich.

Nachteil Deutschland: Anderswo gibt es Subventionen

Der Unterschied zu den Nachbarn: In Deutschland gibt es keinerlei Subventionen aus europäischen, staatlichen und regionalen Kassen der öffentlichen Hand. Die Organisatoren in Frankreich bekommen beispielsweise umfangreiche Fördermittel vom Departement Var und der Region Provence-Alpes-Cote d'Azur.

Die dortigen Subventionen sind als Anschubfinanzierung deklariert, da Frankreich in der Formel 1 nach langer Pause einen Neustart hinlegt. In Deutschland würden solche Hilfen aufgrund von EU-Richtlinien nicht möglich sein. Andernorts hat man Umgestaltungen an der Strecke mal eben als "Ausbau des Wander- und Radwegenetzes im touristischen Umfeld" bezeichnet, um an Fördermittel zu kommen. Auch solch ein Weg wird hierzulande kaum möglich sein.

Die Veranstalter in Deutschland müssen die hohe Antrittsprämie allein durch Ticketverkäufe decken, denn alle anderen potenziellen Einnahmequellen (beispielsweise Bandenwerbung, TV-Rechte, Paddock-Club oder Merchandising) hat die FOM fest in ihrer Hand. Dass sich 25 Millionen US-Dollar Antrittsprämie - im Ende 2018 auslaufenden Vertrag sind es deutlich weniger - kaum über den Verkauf von Eintrittskarten abdecken lassen, wird anhand einer einfachen Rechnung deutlich.

Hohe Antrittsprämie macht Geschäftsmodell kaputt

In Hockenheim kostet ein Formel-1-Ticket in diesem Jahr im Durchschnitt etwas mehr als 200 Euro. Bei aktuell rund 70.000 Plätzen können somit im allerbesten Fall rund 15 Millionen Euro eingenommen werden. Es bleibt eine Lücke von mehr als sechs Millionen Euro. Das ist aber noch nicht alles, denn die Veranstalter bleiben auf weiteren Kosten sitzen.

So muss der Veranstalter beispielsweise auch alle Kosten für Maßnahmen tragen, die für einen reibungslosen Verlauf des Grand Prix erforderlich sind. Etwa Einsätze der Feuerwehr, des Rettungshubschraubers oder das Equipment der Streckenposten. Durch diese "Nebenkosten" kommt schnell nochmal die eine oder andere Million obendrauf.

Mit einer absehbaren Deckungslücke von knapp zehn Millionen Euro sollen weitere Formel-1-Gastspiele in den kommenden Jahren ermöglicht werden? Das wird nicht passieren. Die Vertreter aus Hockenheim und vom Nürburgring werden weitere Verhandlungen mit Carey und seinen Mitstreitern führen. "So langsam versteht er, warum es Deutschland so schwer hat", sagt einer der Beteiligten. Es gibt noch Hoffnung auf eine Zukunft der Formel 1 in Deutschland.

Weitere Verhandlungen mit Liberty und FOM werden folgen

Die Macher aus Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz geben nicht auf. Sie präferieren auch für die Zukunft ein alternierendes System. Hockenheim und Nürburgring sollen sich bei der Ausrichtung eines Grand Prix jährlich abwechseln - ein bewährtes Modell aus früheren Jahren. Die Formel 1 muss für Liberty eine Rendite bringen, gleichzeitig steht jedoch das Versprechen von Carey im Raum, dass man traditionsreiche Grand-Prix-Standorte schützen wird.

Mehr Geld lässt sich für die FOM ohnehin an anderen Standorten verdienen. Abu Dhabi zahlt beispielsweise für den fixen Platz als Saisonfinale ebenso 50 Millionen US-Dollar pro Jahr wie die Veranstalter in Sotschi für den Russland-Grand-Prix. Auch in Melbourne lässt man sich bisher den Status als etabliertes Auftaktrennen der Formel-1-Saison eine solche Summe kosten. Dort werden Verluste bislang immer aus öffentlichen Kassen ausgeglichen.

Solche Summen sind für den Hockenheim- und auch den Nürburgring Utopie. Präferiert wird daher ein Modell, bei dem die feste Grand-Prix-Gebühr für die Rennstrecken in einem vertretbaren Rahmen bleibt, also auch die FOM einen Teil der Kosten übernimmt. Dafür aber auch ein etwaiger Gewinn nicht nur in Deutschland bleiben würde, sondern auch der Rechteinhaber der Formel 1 davon partizipieren könnte.

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Urheber Roman Wittemeier