Formel-2-Finale Bahrain 2020: Mick Schumacher nach Zitterpartie Meister!

Trotz Rang 18 beim Sprintrennen des Saisonfinales in Bahrain sichert sich Mick Schumacher den Meistertitel in der Formel 2 2020 - Rennsieg für Jehan Daruvala

Formel-2-Finale Bahrain 2020: Mick Schumacher nach Zitterpartie Meister!

Mick Schumacher (Prema) ist Meister der Formel 2 2020. Postion 18 im Sprintrennen auf dem Außenkurs des Bahrain International Circuit in Sachir reicht dem Sohn von Michael Schumacher am Sonntag zum Titelgewinn aus, da sein Titelrivale Callum Ilott (Virtuosi) nur auf Position zehn ins Ziel kam.

Schumacher musste nach einem guten Start aufgrund mehrerer Verbremser zu einem außerplanmäßigen Reifenwechsel an die Box kommen und fiel dadurch aus den Punkterängen heraus. Doch Ilott konnte das nicht nutzen und verpasste seine letzte Chance auf den Titelgewinn.

Ergebnisse Sachir 2

Gesamtwertung Formel 2

Den Sieg im letzten Saisonrennen sicherte sich Jehan Daruvala (Carlin), der damit sein erstes Formel-2-Rennen gewann. Der Inder gewann nach 34 Runden vor seinem Teamkollegen Yuki Tsunoda und Daniel Ticktum (DAMS).

Steiniger Weg zum Formel-2-Titel

"Ich bin überwältig, ich habe es noch gar nicht realisiert", sagte Schumacher nach dem Rennen. "Ich fühle mich noch nicht als Champion. Das wird noch ein paar Tage dauern. Ich bin so dankbar dafür, dass ich mit diesen Leuten arbeiten durfte. Sie sind Freunde von mir geworden. Ich liebe sie. Sie sind die Besten", huldigt er seinem Prema-Team, für das er fünf Saison in Folge gefahren ist.

 

Der Weg zum Titelgewinn war für Schumacher trotz eines komfortablen 14-Punkte-Vorsprungs auf Ilott nervenaufreibend. Von Platz drei aus gelang ihm einmal mehr ein guter Start, in Kurve 1 reihte er sich hinter Polesitter Ticktum auf Position zwei ein. In Kurve 4 wagte Schumacher einen Angriff auf den Briten, verbremste sich dabei aber heftig und fing sich einen Bremsplatten am rechten Vorderreifen ein. Außerdem musste er Daruvala passieren lassen.

"Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, was passiert ist", so Schumacher über den Verbremser. "Ich wusste, dass die Windbedingungen schwierig sind. Vor Kurve 4 hatte es immer wieder Rückenwind und Böen." Das will er aber nicht als Ausrede gelten lassen. "Ich habe zu spät gebremst, ganz einfach. Das ist die brutale Wahrheit", so der 21-Jährige. "Und das hat mein Rennen kaputt gemacht."

Außerplanmäßiger Boxenstopp wirft Schumacher weit zurück

Der beschädigte Reifen behinderte Schumacher zunächst aber kaum. In Runde 4 überholte er Daruvala außen in Kurve 6 - eine Kopie seines Manövers aus dem Hauptrennen gegen Ticktum. Danach machten sich die Reifenprobleme aber doch immer stärker bemerkbar. In Runde 8 musste Schumacher Daruvala in Kurve 4 wieder passieren lassen.

Gegen Rennmitte wurden die Reifenprobleme schlimmer. Das rechte Vorderrad blockierte beim Bremsen immer wieder. In Runde 19 wurde Schumacher zunächst von Ilott, dann von seinem Teamkollegen Robert Schwarzman und Ilotts Teamkollegen Guanyu Zhou überholt.

 

"Ich spürte, dass meine Hinterreifen nachgeben. Ich habe es probiert, aber irgendwann ging nichts mehr. Ich sagte zum Team: 'Wir müssen was unternehmen.' Ich hatte Angst vor einem Reifenwechsel, aber das Team meinte: 'Lass es uns versuchen. Mit dem Satz kommen wir sowieso nicht durch.' Also sind wir reingekommen", sagt Schumacher. Am Ende von Runde 19 bog er in die Box ab und wechselte auf weiche Reifen, wodurch er aus den Punkterängen herausfiel.

Ilott kann die Probleme von Schumacher nicht ausnutzen

Ilott, der zu diesem Zeitpunkt auf Rang drei lag, hatte nun die Hand am Titel. Ein Sieg oder ein zweiter Platz und die schnellste Rennrunde hätten ihm gereicht. Doch der Brite kam nicht an das Führungsduo Ticktum und Daruvala heran, obwohl sich diese beiden einen erbitterten Zweikampf lieferten.

Vielmehr ließen auch bei Ilott die Reifen stark nach. Spätestens als er in Runde 26 von Tsunoda überholt wurde, platzten seine letzten Titelhoffnungen. Anschließend wurde der Brite weiter im Feld durchgereicht, sodass Schumacher nach der Zieldurchfahrt über den Titel jubeln konnte.

Callum Ilott, UNI-Virtuosi

Callum Ilott, UNI-Virtuosi

Foto: Mark Sutton / Motorsport Images

"Wir haben es nicht mehr in die Punkte geschafft, aber wir sind trotzdem Meister. Daran werden sich die Menschen erinnern, und dieses Rennen heute werden sie vergessen und sich nur an die guten Zeiten erinnern. Ich selbst wahrscheinlich auch", meint Schumacher.

Im Kampf um den Sieg setzte sich Daruvala nach mehreren vergeblichen Versuchen gegen Ticktum durch, der auf abbauenden Reifen in der letzten Runde auch noch Daruvals Teamkollegen Tsunoda passieren lassen musste.

Meistertitel für Mick Schumacher und Prema

Zhou verpasste als Vierter das Podium, Schwarzman, Giuliano Alesi (HWA), Luca Ghiotto (Hitech) und Felipe Drugovich (MP Motorsport) komplettierten die Top 8, die im Sprintrennen Punkte bekommen. Der Schweizer Louis Deletraz (Charouz) wurde 13., sein Landsmann Ralph Boschung (Campos) schied vorzeitig aus.

Für Schumacher, der in der nächsten Saison für Haas in der Formel 1 fahren wird, ist es nach der Formel-3-EM im Jahr 2018 der zweite Titelgewinn im internationalen Motorsport. Nach Nico Rosberg (2005), Timo Glock (2007) und Nico Hülkenberg (2009) ist er der vierte Deutsche, der die Formel 2 oder die Vorgängerserie GP2 gewinnt. Schumachers Team Prema gewann zudem die Teammeisterschaft.

"Die Fahrer dieses Jahr waren alle auf einem hohen Niveau. Callum hat mich herausgefordert, und es war richtig hart", lobt Schumacher seinen Rivalen. "Aber es hat Spaß gemacht. Danke auch an ihn und Robert, die mich so gefordert haben, dass ich noch härter arbeiten musste, auch mit dem Team. Es war nicht einfach, aber wir haben es uns verdient."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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