"Verrückte letzte Runde": Bagnaia und Martin von Podestplätzen überrascht

Flag-to-Flag-Krimi von Spielberg müssen sich Francesco Bagnaia und Jorge Martin nur Brad Binder geschlagen geben - Wie sie das Rennen nach dem Bikewechsel erlebten

"Verrückte letzte Runde": Bagnaia und Martin von Podestplätzen überrascht

Beim Grand Prix von Österreich schien der erste MotoGP-Sieg für Francesco Bagnaia greifbar nah: Nach dem Start übernahm der Ducati-Pilot früh die Führung und behauptete diese trotz Attacken von Fabio Quartararo (Yamaha) und Marc Marquez (Honda) bis zur 24. Runde erfolgreich. Doch dann kam der Regen.

Mit der bis dahin führenden Spitzengruppe bog Bagnaia an die Box ab - während Brad Binder sich plötzlich in der Führungsposition befand. Der KTM-Pilot fuhr das Rennen trotz immer nasser werdender Strecke auf Slicks zu Ende und holte den Sieg, während sich Bagnaia dank des Grips der Regenreifen noch auf Platz zwei kämpfte.

"Ich weiß, dass der erste Sieg kommen wird. Wir verdienen ihn für das, was wir tun. Aber ich bin glücklich mit dem Ergebnis, wir haben das maximal Mögliche erreicht", zeigt sich der Italiener zufrieden. Schließlich war es sein erstes Podest seit Jerez.

Dass er, wäre er wie Binder auf Slicks draußen geblieben, mit ihm um den Sieg hätte kämpfen können, glaubt Bagnaia nicht: "Es war eine schwierige Entscheidung, das Bike zu wechseln. Aber es war die richtige Entscheidung. Nur Brad ist in den letzten Runden etwas Unglaubliches gelungen. Wie er da mit Slicks im Regen fuhr."

"Ich hatte Sorgen, dass die Zeit nicht mehr ausreichen würde, um noch nach vorne zu kommen. Als ich das Bike wechselte, konnte ich das nur hoffen. Aber hätte ich nicht gewechselt, wäre ich auf keinen Fall vor Brad ins Ziel gekommen", meint Bagnaia.

Der Ducati-Pilot kann nur erahnen, wie schwer es gewesen sein muss, die letzten Runden auf Slicks zu absolvieren. "Es war ein riesiger Unterschied. Ich hatte Grip und sie nicht", zieht er den Vergleich. Trotzdem tat er sich insbesondere kurz nach dem Bikewechsel schwer, zurück in einen Rhythmus zu finden.

Bagnaia: Wäre fast wie Marquez gestürzt

"Marc stürzte und mir wäre fast das Gleiche passiert", erinnert Bagnaia an den Sturz von Marc Marquez, der seine Honda nach dem Boxenstopp in Kurve 1 wegwarf. "Es war schwierig, die Regenreifen auf Temperatur zu bringen. Aber es ist uns gelungen und ich bin zufrieden mit dem Ergebnis", bekräftigt der Italiener.

 

Dass er es aufs Podium geschafft hat, wurde ihm erst kurz nach der Zieldurchfahrt klar. "Ich war wütend, als die letzte Runde begann. Ich lag auf Platz zehn. Ich sah zwar in der Ferne eine Gruppe, aber mir war nicht bewusst, wie groß diese Gruppe war. Ich überholte Taka in Kurve 4 und die anderen in Kurve 6 und 7."

"Ich zählte nur sechs Fahrer, also dachte ich, dass ich Vierter wäre. Dann sah ich auf der Leinwand, dass ich Zweiter war und das machte mich natürlich etwas glücklicher", erklärt Bagnaia. Über Binders Poker auf Slicks kann er nur staunen.

"Ich hätte nicht gedacht, dass jemand mit Slicks weiterfährt, weil die Strecke nass war. So etwas können nur Jack oder jetzt eben Brad. Schon zwei Runden zuvor, als es die ersten feuchten Stellen gab, hatte ich zu kämpfen. Ich folgte Marc. Er ist bei diesen Bedingungen immer sehr stark, deshalb ließ ich ihn vorbei, um dranzubleiben."

Rookie Martin orientiert sich an Marquez

Ähnlich sah Jorge Martins Strategie aus, als der Regen kam. Denn auch Bagnaias Markenkollege orientierte sich an Marquez. "Ich bin noch ein Rookie und sammle Erfahrungen. Als es das erste Mal anfing zu tröpfeln, ließ ich ihn vorbei, weil ich mir dachte: 'Wenn er stoppt, werde ich es auch versuchen'", erklärt Martin.

"Aber dann blieb es fast das ganze Rennen über trocken." Der Rookie, gestartet von Pole, hielt sich zwar in der Spitzengruppe, hatte aber mit Problemen zu kämpfen, die vor allem auf den harten Vorderreifen zurückzuführen waren, mit dem er in den Trainings zuvor kaum gefahren war. Warum also dann dieser Reifen?

"Als ich sah, dass alle die harte Option wählten, sagte ich mir: 'Ok, heute ist es heiß. Wir gehen das Risiko ein.' Zu Beginn fühlte ich mich ganz gut, aber dann waren einige Fahrer ziemlich aggressiv - Quartararo, mein Teamkollege, Marquez", so Martin.

"Als ich versuchte, Pecco zu überholen, musste ich weit gehen und fiel zurück. Mein Vorderreifen überhitzte und ich war ständig in Sturzgefahr. Als die Lücke bei einer Sekunde lag, fühlte ich mich besser und konnte wieder zulegen. Doch dann kam der Regen. Ich wusste, dass ich im Kampf ums Podest, Risiken eingehen musste."

Wieder vertraute der Pramac-Pilot auf Marquez: "Als er schließlich an die Box fuhr, wusste ich: Jetzt ist der Moment. Wir sahen, dass andere Fahrer weiterfuhren. Aber man muss es riskieren. Wäre ich durchgefahren, wäre ich womöglich gestürzt."

Für Martin war es der erste Bikewechsel in seiner Karriere und es lief nicht alles reibungslos. "Ich war etwas zu aggressiv auf der Bremse und bin zu hastig auf das andere Bike gesprungen", verrät er. "Das hat mich ein wenig Zeit gekostet. Ich hoffe, mein Team ist okay. Sie sagten mir, dass ein Mechaniker sich wehgetan hat."

Chaotischer Bikewechsel bei Martin

Zurück auf der Strecke tat er sich wie Bagnaia mit den Regenreifen zunächst etwas schwer, auch wenn er schmunzelnd einräumt: "Es war nicht so schwierig wie mit Slicks. Die letzte Runde war verrückt. Ich überholte vielleicht sieben oder acht Fahrer innerhalb von drei Kurven. Ich dachte, ich wäre Fünfter oder Sechster."

Jorge Martin

Martin stand nach seinem Sieg in der Vorwoche erneut auf dem Podest

Foto: Motorsport Images

"Als ich im Ziel dann sah, dass ich es aufs Podest geschafft habe, bin ich ausgeflippt - noch mehr als vor einer Woche", als er den zweiten Sieg in seiner Rookie-Saison einfuhr. "Was in den letzten zwei Wochen passiert ist, muss ich jetzt erst einmal verarbeiten. Zwei Podien und zwei Poles in zwei Rennen - das ist unglaublich."

Damit führt Martin nicht nur die Rookie-Wertung haushoch an, sondern liegt auch in der Weltmeisterschaft auf einem beachtlichen zehnten Rang. Bagnaia ist nach seinem Podesterfolg neuer Zweiter und damit erster Verfolger von Quartararo.

"Das Gute ist, dass wir den Rückstand auf Fabio reduzieren konnten. Das gibt uns Selbstvertrauen", sagt der Ducati-Pilot. Denn Quartararo beendete das Rennen fünf Plätze hinter ihm auf Rang acht. Trotzdem weiß Bagnaia: "47 Punkte Rückstand sind immer noch viel. Vielleicht würde uns ein weiteres Rennen wie dieses helfen."

"Aber Fabio ist sehr stark, er fährt eine unglaubliche Saison. Auf einer für Yamaha schwierigen Strecke wie hier so mitzukämpfen, ist nicht einfach", goutiert Bagnaia die Leistung des WM-Leaders. "Er verdient, wo er im Moment punktetechnisch ist."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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