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Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Scott Redding

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Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Scott Redding
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WM-Herausforderer Scott Redding verliert in Barcelona weitere Punkte auf Jonathan Rea und realisiert, dass der Traum, Superbike-Weltmeister zu werden, geplatzt ist

Liebe Motorradfreunde,

tja, das war es dann wohl. 51 Punkte liegen nach sechs von acht WSBK-Wochenenden zwischen Weltmeister Jonathan Rea und Herausforderer Scott Redding. Somit befindet sich der Rekord-Weltmeister voll auf Kurs, den sechsten WM-Titel in Folge einzufahren. Für den hoch gehandelten Gegenspieler brach gestern in Barcelona eine Welt zusammen, was ihn für diese Kolumne nominiert.

Man spürte zu Saisonbeginn, wie sehr Scott Redding diesen Titel wollte. Um das zu veranschaulichen, muss ich ein bisschen ausholen.

Im Alter von 25 Jahren ohne Perspektive

In der MotoGP schlug sich das britische Ausnahmetalent von 2014 bis 2018 deutlich unter Wert. Wesentlichen Anteil daran hatte das Material. Kunden-Hondas, Vorjahres-Ducatis und zum Abschluss die unterlegene Aprilia - Redding verlor immer mehr die Lust und spielte sogar mit dem Gedanken, mit dem Rennsport zu brechen. Unvergessen sind seine Aussagen zur 2018er-Aprilia, die er als "einen Haufen Scheiße" bezeichnete.

Scott Redding

Scott Redding spielte 2018 mit dem Gedanken, seine Karriere zu beenden

Foto: LAT

Nach dem Aus in der MotoGP folgte der überraschende Wechsel in die Britische Superbike-Meisterschaft. Redding konnte sich eigentlich nur blamieren, zu hoch waren die Erwartungen an den langjährigen Grand-Prix-Star. In der MotoGP gewöhnte sich der Brite an präzise abgestimmte Prototypen und fuhr auf extrem sicheren Rennstrecken.

In der BSB wurde er mit dem rauen, rohen und ursprünglichen Motorsport in Verbindung gebracht. Keine Elektronikhilfen und knifflige und gefährliche Rennstrecken. Hinzu kam eine Verletzung bei den Saisonvorbereitungen. Einige Insider vermuteten, dass Redding das finale Kapitel seiner Karriere eingeläutet hatte.

Die Wiederauferstehung des Scott Redding

Doch der Mann aus Gloucester lieferte ab. Und wie! BSB-Champion in der Debütsaison. Ich kann mir nicht vorstellen, wie stark die Genugtuung gewesen sein muss. Mit nur 25 Jahren wurde Redding in der MotoGP ausrangiert. Durch den Titel in der BSB war er plötzlich wieder jemand.

Scott Redding

Scott Redding kam mit reichlich Schwung und Selbstvertrauen in die Superbike-WM

Foto: Motorsport Images

Diesen Schwung nahm Redding mit in die Superbike-WM. Bereits bei den ersten Tests im Winter machte er deutlich, welche Ambitionen er in seiner WSBK-Debütsaison hat. Jonathan Reas Titelserie sollte zu Ende gehen. Was Vorgänger Alvaro Bautista bei Ducati nicht zu Ende bringen konnte, wollte Scott Redding nachholen.

Nach einem gelungenen Saisonauftakt folgte die Coronavirus-Zwangspause. Und Redding behielt den Fokus. Er quälte sich stundenlang auf seinem Rennrad, trainierte wie ein Besessener und hatte nur ein Ziel: Weltmeister werden.

Der Herausforderer trifft bei Jonathan Rea einen wunden Punkt

Beim WSBK-Neustart übernahm er die WM-Führung. Man spürte bei Jonathan Rea eine ähnliche Stimmung wie zu Beginn der Saison 2019, als er gegen Sensations-Rookie Alvaro Bautista und Ducati chancenlos war. Der Kawasaki-Pilot reagierte genervt.

Jonathan Rea, Scott Redding

Der Hype um Scott Redding nervte Weltmeister Jonathan Rea

Foto: Motorsport Images

Vor dem Event in Portimao platzte Rea der Kragen. Er schimpfte, warum er ständig auf diesen Scott Redding angesprochen wird. Es schien so, als hätte der Herausforderer beim Titelverteidiger einen wunden Punkt getroffen.

Doch dann verlor Redding die Leichtigkeit. Ab Portimao lief es in der Box der Nummer 45 nicht mehr rund. Redding beklagte öffentlich das Fahrverhalten seiner Ducati Panigale V4R und verlor Wochenende für Wochenende Punkte. Der größte Rückschlag war der Sturz beim zweiten Aragon-Wochenende.

Beim Katalonien-Wochenende sollten drei Siege folgen

Barcelona war Reddings letzte Chance, die WM zu drehen. Und der Weltmeister war verwundbar. Doch Redding konnte die Chance nicht nutzen, weil am Sonntagnachmittag die Technik nicht tadellos funktionierte. Nach Lauf zwei, bei dem er als Sechster weitere Punkte auf Rea verlor, berichtete Redding von Bremsproblemen und nachlassenden Reifen (mehr Infos).

Wenn man in den vergangenen Wochen mit Redding sprach, spürte man, dass er nicht mehr die Lockerheit der ersten Wochenenden hatte. Der Flow war verschwunden. Redding sagte sich, dass er in Barcelona alle drei Rennen gewinnen muss. Dieser Druck sollte keine Hilfe sein.

Chaz Davies

Chaz Davies und Michael Ruben Rinaldi waren am Sonntag schneller als Scott Redding

Foto: Aruba.it Racing - Ducati

Auf Phillip Island und in Jerez sah man, dass Redding Spaß hat. Dadurch fiel es ihm leicht, gute Ergebnisse zu erzielen. Vermutlich hat er sich zwischen den Rennen zu viele Gedanken gemacht und dadurch diese Leichtigkeit verloren. Dass die Ducati-Markenkollegen Chaz Davies und Michael Ruben Rinaldi zuletzt oft vor Redding landeten, wird zusätzlich zum Frust beigetragen haben.

Nächste Chance in der WSBK-Saison 2021

Und wie geht es nun weiter? WM-Feierlichkeiten in Magny-Cours haben bei Jonathan Rea mittlerweile Tradition. An das große Wunder glaube ich nicht mehr. Dafür ist Rea zu clever. Weder Regen noch spontan wechselnde Bedingungen bringen den Rekord-Champion aus der Ruhe.

Ich wünsche mir, dass Scott Redding bei den beiden ausstehenden Events in Frankreich und Portugal die WM komplett ausblendet und dadurch seine Gelassenheit zurückfindet. Denn nur so kann er in der Saison 2021 eine Rolle im Titelkampf spielen.

 

Sportliche Grüße,

Sebastian Fränzschky

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Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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Rennserie Superbike-WM
Event Barcelona
Fahrer Scott Redding
Urheber Sebastian Fränzschky