W-Serie als Rettungsring: Alice Powell verdankt der Serie ihr Comeback

Alice Powell hat bisher zwei von drei Rennen in der W-Serie-Saison 2021 gewonnen - Ihr Weg zurück ins Cockpit war nicht einfach

W-Serie als Rettungsring: Alice Powell verdankt der Serie ihr Comeback

Alice Powell hat die W-Serie-Saison 2021 bisher dominiert und in drei Rennen zwei Siege eingefahren. Deshalb führt sie vor dem vierten Saisonrennen in Ungarn die Gesamtwertung an. Sie würde aber sicher keine Rennen fahren, wenn die W-Serie sie nicht unterstützt hätte.

Im Jahr 2019 kehrte Powell nach vier Jahren Motorsport-Abstinenz auf die Rennstrecke zurück. Die Britin gewann den Saisonauftakt 2021 in Österreich und überholte in Silverstone Fabienne Wohlwend, um dort auf den ersten Platz ins Ziel zu kommen. Das Rennen bestritt sie vor ihren Fans, Freunden und ihrer Familie.

Mit 33 Punkten - sechs Punkte vor der aktuellen Meisterin Jamie Chadwick und 18 Punkte vor Sarah Moore auf Platz drei - führt Powell die Meisterschaft an. Sie bleibt ruhig und ihrer Vorgehensweise treu. Sie sagt, sie sei mit einer "sehr entspannten" Einstellung in die Saison gestartet.

"Ich wusste natürlich, dass nur wenige Fahrerinnen vergangenes Jahr Rennen gefahren sind - Jamie ist in den regionalen Meisterschaften gestartet, Beitske [Visser] war im LMP unterwegs. Ich wusste, dass es harte Arbeit werden wird, um auf diese Fahrer aufzuholen. Das Jahr so zu beginnen, war natürlich großartig, aber ich weiß, dass noch fünf Rennen auf dem Programm stehen und viele Punkte verloren sowie gewonnen werden können."

Alice Powell

Die W-Serie hat Powell zurück in den Motorsport katapultiert

Foto: Motorsport Images

Für die 28-Jährige war es aber nicht immer einfach: Obwohl sie im Jahr 2012 die erste Frau war, die in der GP3-Meisterschaft (heute Formel 3) gepunktet hat, musste sie ihren Helm nach der Saison 2014 erst einmal an den Nagel hängen. Sie arbeitete als Hilfskraft mit ihren Vater und coachte nebenbei Rennfahrer.

Obwohl sie im Jahr 2015 zu den "BRDC Rising Stars" gehörte, schaffte sie es nicht, das Budget für eine Saison zusammenzubekommen. Letztlich bestritt sie nur vier MRF-Challenge-Rennen, obwohl sie im Vorjahr den Titel in der asiatischen Formel Renault geholt hatte. Anschließend fand sie keinen Platz mehr im Grid.

"Ich bin seit meiner Kindheit ein Motorsport-Fan", sagt sie. "Deshalb war die Liebe für den Sport immer in mir. Ich bin weiterhin an die Strecken gegangen und habe Fahrertrainings für den Kartsport, Formel 4 und weitere Meisterschaften angeboten. Ich habe weiterhin die britischen und auch europäischen Rennstrecken besucht."

"Die Jahre vergingen, seitdem ich kein Cockpit mehr gefunden habe, und die Hoffnung schwand mit der Zeit", so Powell weiter. "Wäre die W-Serie nicht gewesen, würde ich dann noch Rennen fahren? Ich denke nicht. Die W-Serie war mein Retter. Ich danke dem gesamten Team dafür, dass die Serie heute da ist, wo sie ist und dass viele von uns starten dürfen. Die Sponsoren, die die W-Serie ans Land zieht, sind unglaublich. Es ist auch klasse, wie die Serie von der Formel 1 aufgenommen wurde."

Powell sagt, die W-Serie sei ihr Rettungsring gewesen: Im Jahr 2019 wurde sie hinter Chadwick und Visser Dritte in der Gesamtwertung. Jetzt startet die Serie im Rahmenprogramm der Formel 1 und Powell scheint Chadwick die Krone wirklich streitig zu machen.

In der gleichen Saison war sie auch für Heinricher mit Meyer-Shank in der IMSA-GTD-Klasse aktiv. Sie holte zusammen mit ihrem Teamkollegen auf dem Virginia International Raceway 19 Punkte. Es war erst einmal nur ein Gaststart, doch Powell schließt nicht aus, weitere Rennen in der US-amerikanischen Sportwagenmeisterschaft zu fahren. Sie sagt, dass sie "noch nie so ein Level im Rennsport erlebt" habe.

Alice Powell

Powell träumt von der IMSA oder Formel E

Foto: Motorsport Images

Sie schließ auch die Formel E nicht aus. Immerhin ist sie seit kurzem Simulatorfahrerin für Virgin. Im Jahr 2020 nahm sie am Rookie-Test teil und hat damit wichtige Erfahrungen gesammelt. Sie sollte auch in diesem Jahr beim Test in Valencia starten, jedoch wurde der Event wegen der Coronavirus-Pandemie abgesagt.

"Ich arbeite mit dem Team seit dem Rennen in Puebla und bisher habe ich das wirklich sehr genossen", sagt sie. "Es sind tolle Menschen und ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit. Hoffentlich können wir die Teammeisterschaft gewinnen - Robin ist außerdem nah an der Spitze der Fahrermeisterschaft dran. Es wäre etwas ganz Besonderes, erstmals die Teammeisterschaft zu gewinnen. Vielleicht wird es da in Zukunft ein Cockpit für mich geben, aber ich muss einfach abwarten."

Die Rennfahrer aus Oxfordshire sagt, dass ihr Sieg in Silverstone ein wahr gewordener Traum war. Ihre Eltern, Schwester und Partner standen in der Kurve Club, in der sie Wohlwend überholt hat. Sie hat die Fans jubeln hören, als die Lokalmatadorin auf ihrer Heimstrecke zum Sieg fuhr.

Sie hat diese Gefühle aber bereits abgestellt, weil Budapest eine "völlig andere Strecke ist, auf der es sicher viel wärmer sein wird". Sie sagt: "Es wird anders werden und ich denke, dass es für mich am wichtigsten ist, von Rennen zu Rennen zu denken. Der Titelkampf ist noch sehr lang."

Anders als noch im der ersten W-Serie-Saison wird die Meisterin nicht wieder in die W-Serie zurückkehren dürfen, weil der Automobil-Weltverband (FIA) Superlizenz-Punkte vergibt. Wohin wird es Powell also ziehen, sollte sie den Titel gewinnen?

"Ehrlich gesagt, habe ich noch gar nicht so viel über meine Zukunft nachgedacht", erklärt sie. "Das klingt vielleicht etwas verrückt, aber ich gehen das genauso an wie die Meisterschaft: Schritt für Schritt. Ich blicke in diesem Jahr von Rennen zu Rennen, um meine Form in jedem Lauf beizubehalten."

"Was das nächste Jahr angeht: Sollte ich die Meisterschaft gewinnen, weiß ich noch nicht, welche Möglichkeiten sich auftun werden. Es gibt viele Möglichkeiten, die sich mir hoffentlich eröffnen werden, wenn ich die Meisterschaft gewinnen. Ich versuche, mir diese Optionen aktuell aber offenzuhalten." Was auch immer in dieser Saison passiert, Powell glaubt daran, dass sie mit ihrer beeindruckenden Form ein Cockpit finden wird.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

geteilte inhalte
kommentare
W-Serie bejubelt in Spielberg erstes LGBTQI+-Podium bei einem GP-Event

Vorheriger Artikel

W-Serie bejubelt in Spielberg erstes LGBTQI+-Podium bei einem GP-Event

Nächster Artikel

W-Serie: Zwei Fahrerinnen nach Eau-Rouge-Crash im Krankenhaus

W-Serie: Zwei Fahrerinnen nach Eau-Rouge-Crash im Krankenhaus
Kommentare laden