Charles Leclerc: Motorproblem hat nicht den Sieg gekostet

Charles Leclerc kämpfte im ersten Stint in Silverstone mit Motorenproblemen, doch diese seien nicht der Grund für den verpassten Sieg gewesen

Charles Leclerc: Motorproblem hat nicht den Sieg gekostet

Die tolle Fahrt von Charles Leclerc beim Formel-1-Rennen in Silverstone schien Mitte des ersten Stints ein jähes Ende zu finden. Beinahe verzweifelt berichtete der zu diesem Zeitpunkt noch in Führung liegende Monegasse über Funk von Motorenproblemen an seinem Ferrari.

In dieser Phase schaffte es der spätere Sieger Lewis Hamilton kurzzeitig in Leclercs DRS-Fenster, ehe der Ferrari-Pilot wieder wegziehen konnte. Hat diese kurze Phase Leclerc schlussendlich den Sieg gekostet? "Ein Rennen ist lang, es gibt viele Parameter, die bei so einem Rennen eine Rolle spielen. Daher nein, es lag nicht daran. Am Ende waren sie einfach zu schnell", sagt Leclerc mit Blick auf Mercedes und Hamilton.

Im Cockpit habe er sich zu diesem Zeitpunkt aber sehr wohl Sorgen gemacht. "Ich dachte, mein Rennen wäre vorbei. Ich musste einige Dinge am Lenkrad erledigen, aber ich denke, wir haben die Situation gut gemanagt", sagt Leclerc, der von seinem Renningenieur einige Anweisungen bekam, ehe die beruhigende Nachricht folgte, dass das Problem behoben sein sollte.

Hamilton lobt Leclerc: "Fantastischer Job"

Für Leclerc war das Rennen drei Runden zu lang, um seinen dritten Formel-1-Sieg einfahren zu können. Nach der Zieldurchfahrt bestand sein Funk nahezu aus einem einzigen lauten Piepton, so groß war der Ärger unmittelbar nach Rennenden. Später sprach er von "50 Prozent Frust, 50 Prozent Freude", die er nach Platz zwei empfinde.

"Als wir in das Wochenende gegangen sind, hatten wir absolut keine Hoffnung, hier um den Sieg kämpfen zu können. Das zeigt einfach, welch guten Job wir als Team gemacht haben", verteilt der 23-Jähriges ein klares Lob.

Hamilton selbst habe nach eigener Aussage bereits im ersten Stint Zweifel daran gehabt, ob er Leclerc würde schlagen können. "Ich dachte eigentlich, dass ich eine gute Pace auf den Mediums habe, aber dann hat Charles angefangen, ein paar fantastische Runden zu fahren und eine Lücke zu öffnen", so Hamilton, der Leclerc einen "fantastischen Job" attestiert.

Hamilton: Bottas hat Sportsgeist gezeigt

So habe er im ersten Stint eigentlich damit gerechnet, dass Leclercs Reifen anfangen, Blasen zu bilden. Doch stattdessen gingen seine eigenen Reifen allmählich in die Knie. "Der linke Vorderreifen war komplett runter, daher musste ich an die Box", sagt er. Doch ein Undercut war damit nicht möglich, denn zunächst musste Hamilton seine Zehn-Sekunden-Strafe absitzen.

"Ich dachte eigentlich, es wäre eine Zehn-Sekunden-Strafe, die am Ende des Rennens aufgerechnet wird. Ich wusste nicht, dass es eine zehnsekündige Stop-and-Go-Strafe ist", gibt Hamilton zu. Danach habe er überhaupt nicht mehr an Leclerc gedacht.

"Ich wollte nur ein Auto nach dem anderen vor mir schnappen. Ich habe den McLaren überholt, dann habe ich Valtteri gejagt. Und er war einfach so gütig heute, wie er als Teamkollege agiert und mich vorbeigelassen hat. Dann konnte ich für das Team Richtung Sieg gehen. Das war wirklich Sportsgeist", sagt Hamilton.

Hamilton nach Manöver: Musste Unterhosen wechseln

Der Pace, die Hamilton anschließend auf dem harten Reifen zeigte, konnte Leclerc nichts mehr entgegensetzen. "Mein Renningenieur hat mir Lewis' Zeiten genannt, da dachte ich nur: 'Das ist schnell'", schildert Leclerc, der "200 Prozent" gegeben habe.

Doch das reichte nicht zum Sieg, denn in der drittletzten Runde zog Hamilton in Copse an Leclerc vorbei - mit einem ähnlichen Manöver, das in der ersten Runde zum Unfall mit Max Verstappen geführt hatte.

"Mein Herz ist fast stehengeblieben, als ich innen in Kurve 9 hineingefahren bin, denn ich dachte, es passiert dasselbe wie zwischen mir und Max. Ich musste danach meine Unterhosen wechseln", scherzt Hamilton. Leclerc habe unterdessen bis zu diesem Manöver daran geglaubt, das Rennen gewinnen zu können.

Leclerc: Frankreich-Probleme noch nicht gelöst

Doch so muss Ferrari weiter auf den ersten Sieg seit dem Singapur-Grand-Prix 2019 warten, den Sebastian Vettel damals gewonnen hatte. Doch die Entwicklung macht Mut. Denn nach dem schwachen Rennen in Frankreich folgten in Spielberg und nun in Silverstone drei starke Leistungen am Sonntag auf zwei völlig unterschiedlichen Strecken.

Noch vor dem Wochenende hatte Ferrari befürchtet, dass an der Vorderachse ähnliche Probleme auftreten könnten wie in Le Castellet. Doch weit gefehlt. "Nach Frankreich gab es eine große Untersuchung, um zu verstehen, warum wir solche Probleme mit den Vorderreifen hatten", berichtet Leclerc.

Doch eine umfassende Antwort habe das Team immer noch nicht gefunden. "Die Untersuchungen laufen noch und wir arbeiten hart daran. Und auch wenn wir hier einen guten Tag hatten, vergessen wir nicht den schlechten Tag in Frankreich", stellt er klar.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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