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Claire Williams blickt zurück: "Ich denke, ich hätte es schaffen können"

Claire Williams, die ehemalige stellvertretende Teamchefin des Williams-Teams, blickt auf ihre turbulente Amtszeit und den Verkauf des Familienteams zurück

Claire Williams blickt zurück: "Ich denke, ich hätte es schaffen können"

"Ich kann mir die Rennen nicht ansehen, weil es zu sehr schmerzt." Das erzählt Claire Williams im Interview mit 'The Spectator'. Die Britin, die im Vorjahr das Williams-Team verkauft hat, schildert darin mit ein wenig Abstand, wie es zur Entscheidung kam und welche Faktoren eine Rolle spielten.

"Immer, wenn es im Leben nicht so gut läuft, ist meist Geld daran schuld. Die Formel 1 wurde in sehr kurzer Zeit unfassbar teuer. Die Spitzenteams haben eine halbe Milliarde ausgegeben - verglichen mit unseren 120 Millionen ist das einfach kein fairer Wettbewerb", prangert Williams die Budgetunterschiede an.

Es sei deshalb für ihre Mannschaft in den vergangenen Jahren besonders schwierig gewesen, noch mit den anderen Teams mitzuhalten. Williams befand sich bereits seit 2018 im freien Fall. Aufgrund der angespannten finanziellen Lage und den ausbleibenden Erfolgen steckte das Traditionsteam am Ende des Feldes fest.

Komplexes Reglement & interne Spannungen

"Wir hatten außerdem so manches Problem intern mit dem Personal", merkt Williams außerdem an. Zwar nennt die 44-Jährige keine Namen, jedoch wurde spätestens nach dem verspäteten Start in die Saison 2019 klar, dass es intern Spannungen gab. Technikchef Paddy Lowe musste daraufhin seinen Hut nehmen.

Ein weiteres Problem sei außerdem die zunehmende Komplexität der technischen Regeln gewesen, mit der Williams zu kämpfen hatte. Außerdem habe das Reglement unabhängige Hersteller benachteiligt, meint die ehemalige Teamchefin.

"Listed Parts", jene Teile an einem Auto, die ein Team selbst herstellen muss, seien "verwässert" worden. "Dadurch konnten neue Teams gewisse Teile bei den Spitzenteams einkaufen, und wurden dadurch deutlich erfolgreicher und schneller. Sie sind den Prozess praktisch umgangen."

Jacques Laffite, Williams FW04

Jacques Laffite, Williams FW04

All diese Umstände haben das Team, das einst von Frank Williams und Patrick Head aufgebaut wurde, schließlich ans Ende des Feldes gebracht. "Wenn man erst einmal dort angekommen ist, dann erhält man weniger Preisgeld, außerdem weniger Interesse von Sponsoren - dadurch reduziert sich dein Budget weiter."

In diesem Teufelskreis war Williams in den vergangenen Jahren angekommen. Als Claire Williams ihren Posten im Jahr 2013 übernahm und als stellvertretende Teamchefin praktisch die Geschäfte leitete, konnte sie schnell erste Erfolge feiern.

Nach zwei dritten Plätzen in der Konstrukteurs-WM folgten zwei fünfte Ränge, bevor das Team in die Bedeutungslosigkeit abrutschte. Rückblickend hätte sich Williams eine umgekehrte Erfolgsbilanz gewünscht, dann hätte man sie wohl auch besser in Erinnerung behalten, glaubt sie.

Verkauf: "Es blieb uns keine andere Wahl"

"Im Jahr 2020 dachten wir zunächst, dass wir die Kurve kriegen. Dann hatten wir Schwierigkeiten mit unserem Hauptsponsor, wodurch sehr viel Geld im Budget plötzlich gefehlt hat. Und dann kam die Pandemie. Da dachte ich: 'Das kann jetzt nicht wahr sein'."

Trotz ersten Fortschritten auf der Strecke war es zu spät für Williams, um das Ruder noch herumreißen zu können. "Wir waren auf vielen Strecken eine bis eineinhalb Sekunden schneller als im Vorjahr. Diese letzten zwei Vorkommnisse haben unser Schicksal aber besiegelt. Uns ist am Ende einfach die Straße ausgegangen."

Es sei schließlich an der Zeit gewesen, das Team loszulassen. Ende Mai 2020 wurde bekannt, dass das Team zum Verkauf steht. War das rückblickend die richtige Entscheidung? "Es blieb uns wirklich keine andere Wahl. Wir hätten nicht verkauft, wenn wir nicht in eine Ecke gedrängt worden wären. Aber es war das Richtige."

Sie habe als Teamchefin gewusst, dass das Team neue Eigentümer braucht, die Geld investieren können. "Das konnten wir nicht." Und das machte Williams wütend, weil sie ihrem eigenen Team nicht die richtigen Mittel zur Verfügung stellen konnte, obwohl alle Mitglieder weiterhin so hart ums Überleben kämpften.

"Das war ein großer Faktor in der Entscheidungsfindung." Nachdem bekannt wurde, dass Williams potenziell neue Eigentümer bekommen könnte, haben viele Interesse angemeldet. "Es war großartig zu sehen, dass es immer noch so viel Interesse an Williams gab. Das war ein guter Gesundheitscheck für das Team und den Sport."

Unter allen Interessenten kristallisierte sich schließlich die Investmentfirma Dorilton Capital als geeigneter Eigentümer heraus. Am 21. August wurde die Übernahme amtlich. "Ich habe es natürlich mit meinem Vater besprochen, außerdem habe ich zwei Brüder, die involviert waren und auch mein Ehemann."

"Ich wurde auf Social Media beschimpft und beleidigt"

Zwar sei die finale Entscheidung "herzzerreißend" gewesen, aber dennoch die richtige. "Wenn man etwas liebt, muss man es manchmal einfach gehen lassen." Was bleibt nun von den Claire-Williams-Jahren? "Ich habe viel Arbeit reingesteckt, um diese Kultur zu erhalten."

Damit meint sie vor allem die Arbeitsmoral in Grove, dem Sitz des Rennstalls. Es sei eine große Herausforderung gewesen, in den vergangenen Jahren alle Mitarbeiter bei Laune zu halten und zu motivieren, obwohl die Ergebnisse auf der Rennstrecke ausblieben, gibt Williams zu.

"Die Leute haben dennoch Blut, Schweiß und Tränen gegeben, obwohl sie wussten, dass die Performance nicht im Auto steckt. Und darauf bin ich mitunter auch am meisten stolz, das ist mein Erbe." Ihre Amtsperiode wird jedoch immer auch mit dem Scheitern und dem Verkauf des Teams in Verbindung gebracht.

Die Stimmung gegenüber dem Team, aber vor allem der Person Claire Williams gegenüber, habe sich in den vergangenen Jahren gedreht. "Zurecht, denn ich war der Teamboss." Allerdings gibt sie auch zu bedenken, dass ihr manchmal die Hände gebunden waren.

George Russell, Williams FW43

George Russell, Williams FW43

Foto: Zak Mauger / Motorsport Images

"Manchmal trifft man Entscheidungen, weil man denkt, dass es die richtigen seien. Und manchmal läuft es eben nicht. Das ist in meinem Fall passiert. Ich wurde dafür zur Verantwortung gezogen, musste viel einstecken und wurde dafür auf Social Media beschimpft und beleidigt. Ich hätte mich natürlich darauf fokussieren können."

Das hätte ihr jedoch sehr viel Energie geraubt und "ich musste meine volle Aufmerksamkeit dem Team widmen. Und ich musste allen beweisen, dass ich es kann. Und ich denke, ich hätte es schaffen können. Hätte man mir nur mehr Zeit gegeben und hätten wir mehr Geld gehabt."

Williams kämpfte jedoch aufgrund der ausbleibenden Ergebnisse und einem unglücklichen Händchen bei Sponsoren mit einem der kleinsten Budgets aller Teams. "Wir hatten leider nicht den Luxus eines großen Titelsponsors oder eines Autoherstellers, der 100 Millionen pro Jahr ins Team pumpt."

Was Williams in ihren acht Jahren als Teamchefin aber auch gelernt hat: "Ich bin sehr viel belastbarer als gedacht. Ich habe immer gesagt, solange mir die Leute im Team die Stange halten, ist mir egal, was andere Leute sagen. Denn nur die Mitglieder im Team kennen die Wahrheit."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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Rennserie Formel 1
Teams ROKiT Williams Racing
Urheber Maria Reyer