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Frederic Vasseur exklusiv: "Die Krise trifft uns alle zusammen"

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Frederic Vasseur exklusiv: "Die Krise trifft uns alle zusammen"
Autor:
03.04.2020, 09:11

Alfa-Romeo-Teamchef Frederic Vasseur erklärt im Exklusivinterview, was die Formel 1 tun muss, um die Coronakrise zu überleben - Er sieht sogar auch positive Aspekte

Steht die Formel 1 vor der schwierigsten Zeit ihrer Geschichte? Noch ist nicht absehbar, wie groß die Auswirkungen der Coronakrise auf die Königsklasse sein werden. Im Exklusivinterview mit 'motorsport.com' spricht Alfa-Romeo-Teamchef Frederic Vasseur unter anderem über die aktuellen und kommenden Herausforderungen für die Formel-1-Teams.

Frage: "Herr Vasseur, wir hoffen, bei Alfa Romeo sind alle noch gesund?"

Frederic Vasseur: "Ja, das denke ich schon. Alle sind jetzt zurück aus Melbourne, und niemand war dort in Quarantäne. Wir haben die Teammitglieder, die in Melbourne waren, gebeten, nach ihrer Rückkehr zu Hause zwei Wochen in Quarantäne zu bleiben. Bislang sind alle okay, es ist alles unter Kontrolle."

Frage: "Sind Sie selbst auch in Isolation gegangen?"

Vasseur: "Ja, zu Hause. Es ist ungewöhnlich und nicht einfach, aber ich beschwere mich nicht. Ich habe ein schönes Haus und kann von zu Hause aus arbeiten. Für mich ist das nicht so schlimm."

Frage: "In einem Interview haben sie bemerkenswert offen gesagt, wie unwichtig die Formel 1 in dieser schwierigen Phase ist. Finden Sie, die Formel 1 sollte diese Botschaft auch teilen und nicht so auf sich selbst fokussiert sein?"

Vasseur: "Nein, ich möchte niemandem Vorschriften machen. Es ist einfach mein Gefühl. Ich glaube, dass es für die Menschen momentan wichtigere Dinge als die Formel 1 gibt."

"Aber ich verstehe auch, dass es unser Job ist, Rennen zu fahren. Wir wollen zurück auf die Strecke. Alle ziehen an einem Strang und wollen wieder arbeiten und Rennen fahren. Aber manchmal setzt man sich hin und sieht, was in Europa und auf der ganzen Welt passiert. Ich finde, dass man dann auch einmal einen Gang herunterschalten kann."

Vasseur will "so viele Rennen wie möglich" fahren

Frage: "Sie haben außerdem davor gewarnt, dass einige Teams die Coronakrise nicht überleben könnten, wenn zu viele Rennen ausfallen."

Vasseur: "Bislang sind sie ja nur verschoben. [Rechteinhaber] FOM, Teams und FIA arbeiten zusammen. Ich denke, das ist auch ein positiver Aspekt der Krise. Wir arbeiten jetzt wahrscheinlich besser zusammen, denn zusammen werden wir stärker sein."

"Wir müssen auch zusammenarbeiten, um diese Sache zu überstehen und die Saison zu retten, falls das möglich ist. Wir müssen so viele Rennen wie möglich fahren. Das ist aber nicht so leicht. Jeden Tag kommen neue Nachrichten und neue Sorgen. Das Wichtigste ist, dass wir flexibel sind und als Gruppe arbeiten. Das war bislang nicht gerade die Stärke der Formel 1 [lacht]."

Frage: "Wie real schätzen Sie die Chance ein, dass ein oder mehrere Teams die Formel 1 verlassen?"

Vasseur: "Das Problem ist, dass wir nicht wissen, wie schlimm die Krise wird. Wir wissen nicht, ob die Saison wirklich in Montreal [Mitte Juni] starten kann. Es ist schwierig, ein klares Bild von der Situation und davon, wie die Saison aussehen wird, zu bekommen."

"Wir kämpfen dafür, eine ordentliche Saison auf die Beine zu stellen. Aber man kann nie wissen. Deswegen sind die Auswirkungen auf die Teams schwer abzusehen. Wir müssen reagieren. Wir arbeiten Pläne aus: einen Plan B, Plan C und alle weitere Buchstaben im Alphabet. Uns muss klar sein, dass wir von den Entscheidungen der Behörden abhängen. Mit dieser Situation müssen wir umgehen."

Frage: "Wie unzufrieden sind die Sponsoren, dass aktuell nicht gefahren wird?"

Vasseur: "Wir stehen mit unseren Sponsoren in Kontakt. Natürlich ist niemand glücklich über die aktuelle Situation. Rennfahren ist mein Geschäft, mein Job und auch meine Leidenschaft. Ich möchte nicht zu Hause bleiben. Ich liebe meine Familie, aber ich will nicht sechs Monate zu Hause festhängen [lacht]."

"Letztendlich müssen wir mit der Situation umgehen, und ich denke, dass auch die Sponsoren gerade mit anderen Krisen als nur dem Sponsoring zu kämpfen haben. Wir stehen mit ihnen in Kontakt und versuchen, die Situation zu erklären. Fakt ist, dass wir daran arbeiten, einen ordentlichen Kalender zu bekommen und so schnell es geht wieder zu fahren. Aber die Lage ist noch immer unklar."

Vasseur mahnt: "Sitzen alle im gleichen Boot!"

Frage: "Für die kleineren Teams ist die Situation sowieso schwierig. Glauben Sie, dass jetzt auch die großen Hersteller finanzielle Probleme bekommen könnten?"

Vasseur: "Zunächst einmal konzentriere ich mich in erster Linie auf meine Situation und nicht auf die der großen Teams [grinst]. Ich kenne ihre Lage nicht genau. Aber ich denke, dass alle im gleichen Boot sitzen. Alle Autohersteller sind von der Krise betroffen."

"Auch Red Bull verkauft vermutlich weniger Dosen als im Vorjahr, weil überall auf der Welt die Kneipen und Bars geschlossen haben. Die Krise trifft alle und wir müssen reagieren - und zwar kollektiv. Es geht nicht darum, wen es mehr und wer weniger trifft. Es trifft uns alle zusammen, und wir müssen eine Antwort darauf finden."

Frage: "Welche Lösungen werden aktuell diskutiert?"

Vasseur: "Es ist in erster Linie eine Frage der Organisation. Wir müssen flexibel sein, um einen Kalender zu erstellen. Vergangene Woche haben wir uns entschieden, der FOM dabei freie Hand zu lassen. Das war eine wichtige Botschaft. Wir müssen nicht mehr jeden Tag über etwas abstimmen. Der zweite Schritt wird es sein, die Kosten zu reduzieren. Der Prozess läuft bereits."

Frage: "Eine Option könnte es sein, die Grand-Prix-Wochenenden auf zwei Tage zu verkürzen. Wären Sie dafür?"

Vasseur: "Ich bin für alle Entscheidungen, die uns dabei helfen, so viele Rennen wie möglich zu fahren! Wenn wir drei Rennen in Folge fahren, was im Vorjahr nie der Fall war, aber im Jahr davor schon, dann könnte es an einem Punkt Sinn ergeben, die Events auf zwei Tage zu verkürzen. Das hängt auch mit der Arbeitslast zusammen."

"Chase [Carey] hat von 15 bis 18 Rennen in sechs Monaten gesprochen. Das ist ganz sicher eine Herausforderung - für alle Teams. Für die kleinen Rennställe vielleicht etwas mehr, weil wir kein so großes Team haben, dass wir zum Beispiel die Mechaniker rotieren lassen können. Wir müssen einen Weg finden, ihre Arbeitslast zu reduzieren. Ich denke auch, dass da alle flexibel sind. Alle kennen die Situation und wissen, dass es wichtig ist, Lösungen zu finden."

Keine Rennen 2020? Lieber nicht dran denken ...

Frage: "Könnte Alfa Romeo diese 15 bis 18 Rennen in sechs Monaten stemmen?"

Vasseur: "Sechs [Monate] wären etwas hart, aber sechseinhalb könnten funktionieren. Jeder im Team kennt die Situation ganz genau. Sie wissen, dass es eine Menge Arbeit erfordern wird. Da ziehen alle an einem Strang. Es ist eine Herausforderung, aber das ist für alle gleich. Für uns vielleicht etwas mehr als für andere Teams, aber wir würden es machen."

Frage: "Wir groß würde die Krise werden, wenn dieses Jahr gar nicht mehr gefahren werden kann?"

Vasseur: "Das ist aktuell nicht der Plan. Wir müssen es Schritt für Schritt angehen. Alle arbeiten unter der Annahme, dass es Rennen geben wird. Über die andere Möglichkeit denken wir nicht nach, weil sie nicht aktuell ist. Aber wenn wir immer mehr und mehr [Rennen] verschieben, dann wird es natürlich irgendwann schwierig, 15 Rennen in zwölf Wochen zu fahren."

Frage: "Ihr Team ist gerade in der vorgezogenen Sommerpause, aber auch danach wird noch mindestens einige weitere Monate keine Rennen geben. Wie beeinflusst das das Tagesgeschäft?"

Vasseur: "Zunächst einmal haben wir die Möglichkeit, die Pause zu verlängern. Eine Maßnahme, um die Kosten dramatisch zu reduzieren, könnte ein verlängerter Shutdown sein."

"Ein Tagesgeschäft gibt es gerade sowieso nicht, weil wir uns in der Sommerpause befinden. Wir dürfen nicht arbeiten, abgesehen von der Kommunikationsabteilung, mir selbst und einigen anderen führenden Mitarbeitern. Aber die komplette Technikcrew ist für drei Wochen raus, also bis Mitte April. Ich hoffe, dass wir die Situation für den Rest des Jahres dann besser überblicken können, und dass wir dann einige Entscheidungen treffen können."

Frage: "Und wie geht es nach dem Ende der Sommerpause in der Fabrik weiter?"

Vasseur: "An einem Punkt muss die Saison wieder losgehen. Dann müssen wir wieder in der Fabrik sein, Boxenstopps trainieren und das Auto für das nächste Rennen aufbauen. Es geht dann von vorne los. Es ist wie die Sommerpause und die erste Vorbereitung danach. Bei der Vorbereitung für Team und Auto ändert sich also nicht viel."

Kostenexplosion in der zweiten Jahreshälfte?

Frage: "Wie wichtig ist, dass das 2021er-Reglement auf 2022 verschoben wurde?"

Vasseur: "Ganz entscheidend. Denn wir erleben gerade eine Finanzkrise, und die zweite Hälfte des Jahres 2020 wird richtig teuer. Wenn du mehr Rennen in kurzer Zeit fahren willst, steigen die Kosten. 18 Rennen in sechs Monaten sind teurer als 18 Rennen in zwölf Monaten, weil du mehr Ersatzteile auf Lager produzieren musst, mehr Ersatzteile auf Reisen schicken musst und mehr Mechaniker brauchst."

"Das wird sehr teuer. Zum Glück müssen wir wenigstens nicht parallel das neue Auto entwickeln. Ich glaube wirklich, dass es die beste Entscheidung war, die Regeln 2021 auf 2022 zu verschieben und die 2020er-Autos ins Jahr 2021 mitzunehmen. Bis Jahresende ist die Entwicklung ausgesetzt. Das ist bei weitem die beste Option, die auf dem Tisch lag - und es ist die einzige Chance, die wir haben, uns diese Situation leisten zu können."

 

Frage: "Ich habe gelesen, dass die Arbeiten am 2022er-Auto sogar bis Februar 2021 verboten werden könnten."

Vasseur: "Könnte sein. Oder bis zum 1. Januar. Das hängt auch vom Kalender ab. Aber zumindest bis Saisonende [2020]. Ob das dann der 1. Februar oder der 1. Januar ist, ist egal. Aber dass wir nicht parallel das neue Auto entwickeln und die Kosten für die Saison 2020 stemmen müssen, das ist entscheidend."

Frage: "Die Budgetobergrenze kommt trotzdem bereits 2021 und damit ein Jahr vor den neuen Regeln. Glück im Unglück?"

Vasseur: "Der Vorschlag, das neue Technische Reglement und die Budgetobergrenze getrennt voneinander einzuführen, war bereits vor ein paar Monaten auf dem Tisch. So sollten einige Teams nicht die Möglichkeit haben, vor der Einführung der neuen Regeln ein Vermögen für die Entwicklung auszugeben."

"Ein Aspekt der neuen Situation ist, dass jetzt alle das neue Auto [für 2022] unter dem Kostendeckel entwickeln müssen. Man darf aber nicht vergessen, dass wir sowieso unterhalb der Budgetobergrenze operieren. Ich denke, dass sechs oder sieben Teams teilweise weit unter der Grenze bleiben werden - und angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Situation werden es wahrscheinlich noch mehr werden."

Darum wird der Saisonstart 2020 besonders wichtig

Frage: "Wie viel Entwicklung wird am aktuellen Auto noch möglich sein? Es gibt ja in absehbarer Zeit auch keine Testfahrten mehr, um neue Teile auszuprobieren."

Vasseur: "Wenn der Shutdown einmal vorbei ist, stecken wir alle Ressourcen in die laufende Saison. Wenn wir 15 oder gar 18 Rennen direkt hintereinander haben, brauchen wir riesige Ersatzteillager."

"Da wird die Produktion unser Fokus sein - mehr als alles andere. Weil wir zwischen den Rennen ja nicht in die Fabrik zurückkehren. Es wird eine schwierige Übung. Ich gehe davon aus, dass wir während der Saison weniger Entwicklung haben werden. Aber dafür stellen sich andere Herausforderungen."

 

Frage: "Wenn ein Team also einen Fehlstart in die Saison erwischt, dann wird es schwierig werden, sich davon zu erholen ..."

Vasseur: "Wenn du 15 oder mehr Rennen hintereinander hast, ist es natürlich umso wichtiger, von Anfang an ein gutes Auto zu haben. Denn es wäre sehr schwierig - ich sage bewusst nicht unmöglich, denn nichts ist unmöglich -, sich von einem schlechten Start zu erholen, wenn du eben nicht eine zehn Monate lange Saison hast. Das ist Tatsache."

"Aber es ist eben so und wir beschweren uns nicht. Es ist eine Entscheidung, um die Formel 1 zu retten. Wir halten alle zusammen. Ich glaube, es war eine wichtige und richtige Entscheidung. Sie hat natürlich auch Nachteile. Das ist nun mal so."

Frage: "In der Zwischenzeit gibt es eine Menge E-Sport-Events, um den Zuschauern zumindest irgendeine Art Racing zu bieten. Wie stehen Sie dazu?"

Vasseur: "Es ist wichtig, proaktiv zu sein und den Fans und Sponsoren etwas zu bieten. Wir werden einige Monate nicht fahren und müssen andere Möglichkeiten finden, präsent zu sein. Ich persönlich bin kein großer E-Sport-Fan, aber es ist okay. Vielleicht bin ich zu alt. Aber wenigstens sind meine Kinder zufrieden [lacht]."

Mit Bildmaterial von circuitpics.de.

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Artikel-Info

Rennserie Formel 1
Teams Alfa Romeo Racing Orlen
Urheber Erwin Jaeggi