Handicap-System: Mercedes erhält bis Saisonende mehr Windkanalzeit

Der derzeitige Verlust von Platz eins in der Konstrukteurs-WM bringt Mercedes bis Saisonende mehr Windkanalzeit ein, Red Bull wird beschränkt

Handicap-System: Mercedes erhält bis Saisonende mehr Windkanalzeit

Die aktuelle Jägerrolle in der Formel 1 hat für Mercedes mit Blick auf die kommende Saison auch einen Vorteil. Denn da das Weltmeisterteam der vergangenen Jahre in der Konstrukteurs-WM zum Stichtag 1. Juli die Spitzenposition gegen Red Bull eingebüßt hat, darf Mercedes für den Rest des Jahres mehr Aerodynamiktests im Windkanal durchführen.

Dies ergibt sich aus dem im vergangenen Jahr beschlossenen Handicap-System, durch das die Teams auf Sicht näher zusammenrücken sollen. Das Aerodynamiktest-Reglement (ATR) definiert, wie viel Zeit welches Team im Windkanal arbeiten darf. Für das erste halbe Jahr 2021 galt die Abschlusswertung der Konstrukteurs-WM 2020 als Maßstab.

Das Sportliche Reglement teilt das Jahr in Perioden ein, von denen jeder Abschnitt rund acht Wochen lang ist. In jeder Periode sind 320 Runs als Basis festgelegt, die man während 400 Windkanal-Stunden absolvieren darf. Die sogenannte "Wind-on-Time", in der der Wind schneller als 15 Meter pro Sekunde sein darf, ist dabei mit 80 Stunden festgesetzt.

Stichtag 30. Juni: Red Bull liegt vor Mercedes

Umgerechnet sind das 40 Runs pro Woche bei 50 Stunden im Windkanal und zehn Stunden Wind-on-Time. Diese Werte standen bis Ende Juni dem fünftplatzierten Team des Vorjahres, also Renault beziehungsweise jetzt Alpine, zur Verfügung.

Die Franzosen erhielten den Basiswert von 100 Prozent. Jede Position besser in der Konstrukteurs-WM bedeutete 2,5 Prozent Abzug. Teams, die im Vorjahr schlechter platziert waren, erhielten pro Position 2,5 Prozent zusätzlich. So standen Mercedes bis Ende Juni in jeder Periode nur 90 Prozent und damit 288 Runs zur Verfügung. Williams hingegen konnte 112,5 Prozent und damit 360 Runs nutzen.

Ab Juli hingegen ist nicht mehr die Konstrukteurs-WM des Vorjahres maßgeblich, sondern die zum Stichtag 30. Juni. Und da Mercedes um einen Platz zurückgefallen ist, erhalten die Silberpfeile die angesprochenen 2,5 Prozent bis Jahresende zusätzlich. Red Bull hingegen verliert nach Platz zwei im Vorjahr durch die aktuelle Tabellenführung Windkanalzeit. Auch am Ende des Feldes gab es diesen Wechsel, da Williams derzeit vor Haas liegt.

Größeres Delta ab 2022

Im Mittelfeld gewannen Ferrari und AlphaTauri sogar jeweils zwei Plätze, weshalb ihnen für den Rest des Jahres jeweils fünf Prozent weniger Windkanalarbeit gestattet sind. Im Gegenzug verloren Aston Martin und Alpine jeweils zwei Plätze, die ihnen aber fünf Prozent Windkanalzeit extra einbringen. Derzeit haben die meisten Teams ihren Fokus bereits komplett oder teilweise auf die Saison 2022 gelegt.

¿pbtag|F1HandicapSystem|pb¿Zur Bestimmung der Windkanalzeiten während der Saison 2022 wird dann wieder auf die Gesamtwertung zum Ende der Saison 2021 zurückgegriffen, für 2023 gilt der WM-Stand 2022 und so weiter. Von 2022 bis 2025 werden die Unterschiede zwischen den Platzierungen jedoch vergrößert. Statt 2,5 Prozent beträgt das Delta dann fünf Prozent. Auch in diesen Jahren wird es Ende Juni den Schnitt geben.

Der Basiswert von 100 Prozent steht in den kommenden Jahren jeweils dem Siebten der Konstrukteurs-WM des vorangegangenen Jahres zu. Das Weltmeisterteam kann dann im Folgejahr nur auf 70 Prozent der Windkanalzeit zugreifen, der Letzte auf 115 Prozent. Pro Woche entspricht dies zwischen Weltmeister und WM-Letztem einem Unterschied von 18 Runs.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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