Ihm gehört die Zukunft: Ferrari setzt bis 2022 auf Charles Leclerc

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Ihm gehört die Zukunft: Ferrari setzt bis 2022 auf Charles Leclerc
Autor: Christian Nimmervoll
15.09.2018, 08:40

Maurizio Arrivabene verrät, dass der Ferrari-Vertrag von Charles Leclerc länger läuft als der von Sebastian Vettel, und begründet die Entscheidung gegen Kimi Räikkönen

Ferrari setzt in Zukunft offenbar voll und ganz auf die Karte Charles Leclerc. Nachdem der nächstjährige Teamkollege von Sebastian Vettel angekündigt hat, dass er sich nicht mit einer Nummer-2-Rolle zufriedengeben wird, hat Teamchef Maurizio Arrivabene nun bekannt gegeben, wie lange der Vertrag mit dem 20-jährigen Monegasse läuft. Nämlich länger als der mit Vettel!

Vettel hat seinen Vertrag für die Jahre 2018, 2019 und 2020 im August 2017 unterschrieben. Leclerc ist - natürlich mit den üblichen Optionen und Ausstiegsklauseln - sogar bis 2022 an Ferrari gebunden. Das ist Arrivabene bei der Teamchef-Pressekonferenz am Freitag herausgerutscht.

Bereits im November 2015 habe er Leclerc für die Ferrari-Driver-Academy unter Vertrag genommen, genau wie auch Antonio Giovinazzi. "Leclerc ist für uns keine Überraschung", sagt Arrivabene, "sondern er ist einer der talentiertesten Fahrer, die wir in der Formel 1 haben. Zum Glück ist er bei uns groß geworden. Und ich hoffe, dass er seine Karriere bei uns fortsetzen wird. Zumindest bis 2022. Das steht fest."

Ferrari hat mit seinen Junioren ähnliche Verträge wie Red Bull, sprich sie können beliebig von einem ins andere Team versetzt werden. So wäre es auch im Fall von Leclerc möglich, dass er komplett rausfliegt oder wieder bei Sauber geparkt wird, falls er die Erwartungen nicht erfüllen sollte. Anders als bei Vettel. Aber das gilt Stand heute ohnehin als unwahrscheinlich. Zumal Arrivabene immer wieder betont, dass man sich "langfristig" festgelegt habe.

Dabei finden Kritiker, dass Ferrari für Leclerc noch viel zu früh kommt. Fehler wie im Freien Training in Singapur, wo er den Sauber wegen einer Unachtsamkeit auf der Anderson-Brücke gecrasht hat, passieren dem 20-Jährigen noch zu oft. Kimi Räikkönen hingegen fährt in der Form seines Lebens. Warum also die Eile?

Das hat zwei Gründe. Erstens: "Es ist keine Entscheidung, bei der es uns in erster Linie um die Gegenwart oder um nächstes Jahr geht", argumentiert Arrivabene. "Sondern es ist meine Aufgabe, an die langfristige Zukunft des Teams zu denken. Das ist der Grund, warum wir uns so entschieden haben."

Und die Zukunft gehört der Jugend: "Mercedes hat vor zwei Jahren Bottas neben Hamilton verpflichtet. Und ich finde, Bottas ist seither gewachsen. Red Bull hat Gasly neben Verstappen genommen. McLaren fährt mit Sainz und einem Rookie. Die Zeiten ändern sich."

Zweitens: Sergio Marchionne hat noch vor seinem Tod entschieden, dass Leclerc 2019 anstelle von Räikkönen Ferrari fahren soll. Mit seinem Ableben kamen daran Zweifel auf, aber in Monza soll es dann Ferrari-Präsident John Elkann gewesen sein, der Verantwortung übernommen und Marchionnes letzten Willen in die Tat umgesetzt hat. Arrivabene war nur der Vollstrecker.

Räikkönen wurde die Entscheidung am Donnerstag vor Monza mitgeteilt. Fragwürdiges Timing, ausgerechnet vor Ferraris Heim-Grand-Prix, finden Kritiker. Arrivabene kontert: "Was ist schon der richtige Zeitpunkt? Der richtige Zeitpunkt ist, wenn die Verträge unterschrieben sind. Kimi war, nachdem ich ihn am Donnerstag informiert hatte, so sauer, dass er am Samstag auf Pole gefahren ist!"

Frederic Vasseur, Räikkönens zukünftiger Teamchef bei Sauber, lauscht gespannt und grinst: "Ich glaube, ich muss ihn jedes Wochenende sauer machen!" Was auch Arrivabene ein Lächeln kostet: "Wenn ich ihn jedes Wochenende sauer mache, holt er uns jedes Wochenende die Pole-Position. Im Ernst: Wir reden hier von Profi-Rennfahrern. Nicht von jungen Kids, die auf den Rummelplatz spielen gehen. Die halten das aus."

Zumal man sich bemüht habe, Räikkönen zumindest einen würdigen Abschied zu bereiten. Normalerweise fallen die Pressemitteilungen, mit denen Ferrari Fahrerentscheidungen bekannt gibt, kurz und knapp aus. "Bei Kimi", verrät Arrivabene, "haben wir ganz bewusst eine Ausnahme gemacht. Um zu würdigen, was er für uns geleistet hat, und ihm alles Gute für die Zukunft zu wünschen."

Abschließend räumt der Italiener noch mit dem Märchen auf, Vettel habe bei der Fahrerentscheidung etwas mitzureden gehabt: "Nicht im Geringsten. Sebastian ist unser Fahrer und nicht der Teamchef, bei allem Respekt", stellt Arrivabene klar. Zumal Räikkönen wohl auch geblieben wäre, wenn Vettel hätte entscheiden dürfen ...

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