Schlankes Design, große Risiken: Das Problem mit dem Honda-Antrieb
Kühlprobleme, Motor im "Schonmodus" und vier Sekunden Rückstand: Der Aston Martin AMR26 offenbart beim Formel-1-Test in Bahrain strukturelle Schwächen
Fernando Alonso verbremst sich im Aston Martin AMR26 beim Formel-1-Test in Bahrain 2026
Foto: LAT Images
Der Auftakt in die Formel-1-Wintertests 2026 verläuft für Aston Martin bislang nicht nach Wunsch. Nachdem das Team bereits beim Shakedown im Januar einen Großteil der Streckenzeit verpasst hat, tauchten zu Beginn der ersten offiziellen Testwoche in Bahrain neue Probleme auf.
Gleich am ersten Tag lief es für das Formel-1-Team aus Silverstone nicht reibungslos: Technische Schwierigkeiten mit dem Honda-Antrieb hielten den Aston Martin AMR26 am Mittwoch lange in der Box. Die Honda-Ingenieure versuchten in der einstündigen Mittagspause vergebens, eine Lösung zu finden - am Ende mussten sie einen Antriebstausch vornehmen. Das kostete noch mehr Zeit.
Dieser technische Rückschlag blieb nicht ohne Folgen für die Entwicklungsarbeit: Lance Stroll schaffte am gesamten Tag gerade einmal 36 Runden - nur etwas mehr als eine halbe Formel-1-Renndistanz in Bahrain und deutlich weniger Laufleistung als bei der Konkurrenz (zum Tagesergebnis!).
Aston Martin deckelt die Antriebsleistung
Im Direktvergleich fällt außerdem auf: Aston Martin befindet sich noch in einem ähnlichen Stadium wie beim Shakedown und absolviert ein "begrenztes" Testprogramm. Das zeigte sich am Mittwoch zum Beispiel darin, dass Stroll auf der Zielgerade nie schneller war als 300 km/h.
Eine derart gedeckelte Höchstgeschwindigkeit ermöglicht zwar eine gleichmäßigere Datenerfassung, reduziert aber auch die Belastung des Antriebsstrangs. Bei Aston Martin blieb der Antrieb in diesem Modus über längere Zeit stets unter 11.000 Umdrehungen pro Minute. Andere Teams gingen teilweise deutlich darüber hinaus.
Reicht das Kühlvolumen aus für den Honda-Antrieb
Dass die Kühlung ein Thema zu sein scheint, beweisen die zahlreichen zusätzlichen Öffnungen, die Aston Martin in Bahrain in die Verkleidung eingelassen hat - wohl als Reaktion auf die anhaltenden Antriebsprobleme.

Die großen "Kiemen" am Aston Martin AMR26
Foto: LAT Images
Eine Schwierigkeit dürfte dabei die extrem schmale Form des Autos sein: Aston Martin steht vor der Aufgabe, dem Honda-Antrieb in sehr eingeschränktem Raum mehr "Luft zum Atmen" zu verschaffen.
Das steht im Kontrast zu den überaus schlanken Seitenkästen, in denen die Kühler untergebracht sind. Auch die Frischluftzufuhr über die Airbox in der Motorhaube ist begrenzt: Die Lufthutze über dem Fahrerhelm fällt bei Aston Martin kleiner aus als bei anderen Teams.
Als Konsequenz wölbt sich die Motorhaube am AMR26 stärker auf: Aston Martin muss an dieser Stelle viel heiße Luft abführen - und noch mehr nach den technischen Problemen am ersten Tag in Bahrain. Konkret hat das Team dem Auto mehr "Kiemen" verpasst. Das geht aber nur auf Kosten aerodynamischer Effizienz.
Weiter hinten am Auto hat sich Aston Martin an Red Bull orientiert und weitere Luftauslässe im Auto installiert - am hinteren Ende der Seitenkästen zum Beispiel.
Damit ging es am zweiten Testtag (das Geschehen hier im Formel-1-Liveticker verfolgen!) zumindest wieder aufwärts: Fernando Alonso meisterte bis zum Nachmittag mehr als eine komplette Renndistanz auf dem Bahrain International Circuit. Der AMR26 kam also deutlich besser zum Fahren, wenngleich andere Teams eine größere Laufleistung aufwiesen - und schneller waren.
Stroll weicht Fragen nach den Problemen aus
Deshalb ist von Euphorie keine Spur bei Aston Martin. Stroll etwa wich Fragen nach seinen bisherigen Eindrücken deutlich aus. Was ihm bisher positiv aufgefallen ist? "Das sonnige Wetter. Es ist schön und besser als in England." Und am Auto? "Das Farbdesign sieht schön aus."

Lance Stroll wirkt bislang wenig angetan vom Aston Martin AMR26
Foto: LAT Images
Später erklärte Stroll: "Wir stehen, wo wir stehen. Wir haben Probleme, aber wir machen weiter Druck, um mehr Leistung aus dem Antrieb und aus dem Auto herauszuholen. Dann schauen wir, was wir in Australien erreichen - und wie es davon ausgehend weitergehen kann."
Doch was genau hält Aston Martin aktuell noch zurück? Stroll: "Es ist eine Kombination unterschiedlicher Dinge. Antrieb, Balance, Grip - es ist nicht nur eine Sache." Laut Stroll geht jedoch "ein großer Teil" der Probleme auf den Honda-Antriebsstrang zurück.
Hinzu kommt der zeitliche Rückstand. "Aktuell sieht es so aus, als liegen wir rund vier bis viereinhalb Sekunden hinter der Spitze", sagte Stroll.
"Natürlich wissen wir nicht, wer mit wie viel Sprit fährt, aber irgendwie müssen wir versuchen, diese vier Sekunden an Leistung zu finden. Das fällt natürlich nicht vom Himmel und in der Formel 1 tritt niemand auf der Stelle. Das ist uns klar. Deshalb geben wir alles. Mehr können wir aktuell nicht tun."
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