Umstrittene Fahrer-Einstufung der FIA sorgt weiterhin für Ärger

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Umstrittene Fahrer-Einstufung der FIA sorgt weiterhin für Ärger
Julia Spacek
Autor: Julia Spacek
Co-Autor: Scott Mitchell
23.02.2018, 14:07

Teams kritisieren die Zusatzregelung der Fahrer-Einstufung in der WEC und ELMS: "Sie werden alles ruinieren!" - G-Drive will mit reinem Profi-Fahrerkader in der LMP2 antreten

Platin, Gold, Silber oder Bronze: Die Fahrer-Einstufung in der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) und europäischen Le-Mans-Serie (ELMS) sorgen weiterhin für Diskussionsstoff. Die Automobilweltverband FIA stufte Roman Russinow in die Kategorie Gold ein. Mit seinen Teamkollegen Matthieu Vaxiviere (Gold) und Jean-Eric Vergne (Platin) möchte der russische Rennfahrer in dieser Saison in der LMP2-Klasse der ELMS und bei den 24 Stunden von Le Mans antreten. Laut Reglement muss aber mindestens einer der Piloten als Silberfahrer eingestuft werden.

Der Automobile Club de l'Ouest (ACO) setzte kurzerhand sein eigenes Regelwerk außer Kraft, um Russinow die Starterlaubnis zu erteilen. Bei der Konkurrenz sorgt diese Sonderbehandlung für großen Ärger. "Wenn sie (der ACO; Anm. d. Red) das erlauben, werden sie alles ruinieren, indem sie das LMP2-Konzept, so wie es jetzt ist, untergraben. Es wäre sehr schädlich für die LMP2-Klasse, der es momentan gut geht - wie ein Stich in ein Wespennest", sagt Jota-Teamchef Sam Hignett. Sein Team wurde mit Jackie Chan Racing im vergangenen Jahr Gesamtzweiter bei den 24 Stunden von Le Mans.

Richard Dean, Chef des ELMS-Teams United Autosport, stimmt im Gespräch mit 'Motorsport.com' seinem britischen Landsmann zu: "Das hat für viel Unsicherheit in der Kategorie gesorgt: Es könnte sich auf ihre Gesundheit und das Wohlbefinden unseres Unternehmens auswirken."

Die Ausnahme von der Regel

G-Drive möchte eine Klausel nutzen, die dem 2018er-Reglement der WEC und ELMS hinzugefügt wurde und die eine "zeitweilige Befreiung von der Regel über die Zusammensetzung der Fahrercrew" in den verschiedenen Klassen der beiden Meisterschaften ermöglicht.

Vincent Beaumesnil, der sportliche Leiter der WEC und ELMS, erklärt, dass die Regel zum einem Zeitpunkt eingeführt wurde, als die beiden Rennserien vor einer ungewissen Zukunft standen. Die Neuerung sollte ein volles Startfeld sicherstellen, heißt es vom ACO.

"Wir haben festgestellt, dass es eine Situation geben kann, in der die bestehenden Regeln einigen Teilnehmern oder Projekten im Weg stehen kann", sagt Beaumesnil zu 'Motorsport.com'. Er wies darauf hin, dass die Regularien besagen, dass ein Pilot mit Bronzestatus nicht in einem LMP1-Auto fahren kann, betonte aber, dass es eine große Auswahl an Bronze-Fahrern gibt, "einige mit viel Erfahrung aus der LMP2".

 

#26 G-Drive Racing ORECA 07-Gibson: Roman Rusinov
#26 G-Drive Racing ORECA 07-Gibson: Roman Rusinov

Foto JEP / LAT Images

Damit spielt er auf den Schweden Henrik Hedman an, der im BR1-Gibson von DragonSpeed in der LMP1-Klasse der WEC gemeldet ist. Ein Komitee, dem Vertreter des ACO und der FIA angehören, wird über die Zusammensetzung der Fahrercrews entscheiden, die sich um eine Befreiung der ursprünglichen Regelung bemühen.

Es muss sichergestellt sein, dass sie nicht "die Sicherheit auf der Strecke gefährden" und "keinen sportlichen Vorteil gegenüber anderen Mannschaften derselben Kategorie generieren", so das sportliche Reglement.

Dean sagt, dass er sich durch den Regelzusatz sowohl in der LMP2- als auch in der LMP3-Kategorie in der ELMS "überrumpelt" gefühlt habe. Die Mannschaft von DKR Engineering möchte mit zwei Silber-Fahrern im LMP3 Norma-Nissan antreten, obwohl eigentlich mindestens ein Bronze-Fahrer auf dem Auto gemeldet sein muss.

"Als diese Regeln diskutiert wurden, haben wir es so verstanden, dass sie darauf abzielten, einen Bronze-Fahrer in der LMP1-Klasse in der WEC unterzubringen, was verständlich ist, da es viele Piloten mit Bronzestatus gibt", erklärt der United-Autosport-Teamchef. "Als Teambesitzer musst du mit den Regeln arbeiten, bei denen du davon ausgehst, dass sie durchgesetzt werden."

Russinows Fahrer-Einstufung sorgte schon in der Vergangenheit für reichlich Gesprächsstoff: 2015 war er in der Kategorie Gold gemeldet und wurde 2016 auf Silber herabgestuft. Das kam dem Russen sehr entgegen, denn so konnte er sich zwei Profis an Bord holen. 2017 wurde er trotz des verpassten LMP2-Titels wieder hochgestuft und bleibt auch 2018 "golden". Dank der Ausnahmeregelung darf Russinow in der neuen Saison mit zwei Profis starten.

"Es ist sehr lustig, denn sie haben mir Gold gegeben und alle GP2-Fahrer, Julien Canal, Pierre Thiriet, die immer noch Silber sind, dabei vergessen", sagt Russinow zu 'Motorsport.com'. "Es ist sehr merkwürdig."

Eine Sonderkommission entscheidet über die WEC-Starterlaubnis von DragonSpeed in der LMP1 und über die der ELMS-Teams G-Drive und DKR. Bis dahin bleibt die Starterliste provisorisch.

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Artikel-Info

Rennserie WEC
Fahrer Roman Russinow
Urheber Julia Spacek
Artikelsorte News