Alfa Romeo: Vasseur hat "keine Eile" bei Besetzung des zweiten Cockpits 2022

Alfa-Romeo-Teamchef Frederic Vasseur sieht keinen Druck, zeitnah über die Besetzung des zweiten Cockpits für 2022 zu entscheiden - Wird es Piastri?

Alfa Romeo: Vasseur hat "keine Eile" bei Besetzung des zweiten Cockpits 2022

Die Frage nach dem letzten freien Cockpit in der Formel 1 für 2022 ist weiterhin unbeantwortet. Wer den Platz neben Valtteri Bottas bei Alfa Romeo bekommen wird, schien in den vergangenen Wochen eigentlich fast klar. Alles deutete auf den Chinesen Guanyu Zhou hin, der sich Medienberichten zufolge allerdings mit einer angeblichen Forderung nach einem Dreijahresvertrag verpokert haben soll.

Und so ergibt sich die aktuelle Situation, dass der Kalender bereits den Oktober zeigt, obwohl Alfa-Teamchef Frederic Vasseur vor einigen Wochen meinte, im September Klarheit haben zu wollen. "Also zunächst einmal habe ich nicht gesagt, welches Jahr ich mit September meine", scherzt Vasseur, ehe er zum Ernst des Lebens zurückkehrt.

"Wir haben keine Eile, die Entscheidung treffen zu müssen. Wir haben verschiedene Optionen auf dem Tisch liegen und wir müssen uns die Zeit nehmen, um eine Entscheidung zu treffen", sagt der 53-Jährige und kündigt an, dass sich in den nächsten Tagen an der Situation nichts ändern werde.

Piastri plötzlich im Rennen

Es gehe darum, die passende Entscheidung zur Situation zu treffen, die 2022 eintritt. "Wir sprechen mit allen involvierten Parteien. Es ist keine einfache Entscheidung. Wir stehen am Beginn eines neuen Reglements, es ist ein neues Kapitel für die Formel 1 und all diese Punkte müssen wir berücksichtigen", erklärt Vasseur.

Ein neuer Name, der inzwischen für das Alfa-Cockpit genannt wird, ist Oscar Piastri. Der 20 Jahre alte Australier führt derzeit die Gesamtwertung der Formel 2 an. Piastri gehört zum Nachwuchskader von Alpine, doch bei den Franzosen sind beide Plätze besetzt und ein Kundenteam mit Renault-Motoren hat Alpine nicht.

Sollte Piastri die Formel 2 gewinnen, steht der Australier vor einem Dilemma. Denn ein weiteres Jahr in der höchsten Nachwuchsklasse wäre qua Reglement ausgeschlossen, und sollte er nicht bei Alfa unterkommen, steht er erst einmal auf der Straße - zumindest, was ein Stammcockpit in einer Rennserie angeht. Es darf davon ausgegangen werden, dass er bei Alpine weiterhin Testfahrer-Aufgaben übernehmen würde.

Alfa will freie Entscheidungsgewalt

Doch für junge Fahrer sind regelmäßige Einsätze auf der Strecke enorm wichtig. Besteht also eine realistische Chance, dass er im kommenden Jahr für Alfa Romeo fährt? "Oscar macht einen sehr guten Job, er war an den vergangenen Wochenenden sehr konstant. Aber soweit ich weiß, ist er an Renault beziehungsweise Alpine gebunden", sagt Vasseur.

Und mehr oder weniger deutlich macht der Franzose klar, dass diese Situation für eine Verpflichtung Piastris nicht vorteilhaft ist. Denn Alfa möchte nicht Gefahr laufen, den Fahrer wieder zu verlieren, ohne irgendeine Entscheidungsgewalt zu haben.

"Wenn man einen jungen Fahrer in ein Auto setzt und mit ihm in ein neues Kapitel in der Formel 1 startet, dann ergibt es für das Team mehr Sinn, die Möglichkeit zu haben, den Vertrag zu verlängern. Es muss kein Mehrjahresvertrag sein, aber einfach, dass man den Fahrer nach einem Jahr nicht wieder verliert", erklärt Vasseur.

Muss sich Piastri von Alpine trennen?

Zudem sei es vermutlich nicht in Alpines Interesse, Piastri ziehen zu lassen. "Ich habe mit Alpine nicht darüber gesprochen. Wenn man in allen Nachwuchsklassen in einen Fahrer investiert und einen langfristigen Plan mit ihm hat, dann sehe ich nicht, warum man ihn zu einem anderen Team gehen lassen sollte. Das wäre seltsam", so Vasseur mit Blick auf eine mögliche Leihe.

Heißt: Will Piastri nächste Saison für Alfa fahren, muss er sich wohl von Alpine trennen. "Ich bin nicht Oscars Manager", sagt Vasseur und stellt klar, dass Piastri vielleicht nächste Saison ja doch weiterhin Formel 2 fahren könnte - nämlich dann, wenn er den Titel nicht gewinnt. Die Entscheidung darüber fällt erst im Dezember bei den beiden Finalwochenenden in Saudi-Arabien und Abu Dhabi.

Und selbst wenn er ohne Cockpit bleibt, könne sich Piastri nicht beschweren, schließlich erhalte er von Alpine volle Unterstützung. "Es wäre unfair, sich über die Situation zu beklagen. Es gab in der Vergangenheit viele Fahrer, die ein weiteres Jahr Formel 2 absolviert haben oder halt Testfahrer waren", sagt Vasseur. Es sei jedoch "glasklar", dass Piastri eine große Zukunft in der Formel 1 vor sich habe.

Kein Mehrjahresvertrag für zweiten Fahrer

Bei der Besetzung des Platzes neben Bottas, so stellt es Vasseur klar, werde es ohnehin zunächst keinen langfristigen Vertrag geben - was wohl auch Zhou das Cockpit gekostet haben könnte.

Da Bottas bereits einen Mehrjahresvertrag abgeschlossen hat, würde sich das Team selbst die Handlungsoptionen für 2023 rauben, wenn auch der zweite Fahrer länger gebunden wird. Denn das hauseigene Talent Theo Pourchaire soll, so die Hoffnungen, nach einem weiteren Jahr in der Formel 2 dann bereit sein für den Schritt in die Königsklasse.

Doch ganz gleich, ob Piastri, doch noch Zhou, Antonio Giovinazzi oder ein ganz anderer Fahrer den Zuschlag erhält - die endgültige Entscheidung, wer 2022 im Alfa fahren wird, dürfte sich noch etwas hinziehen.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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