Beat Zehnder: Sauber-Team könnte heute Red Bull sein

Wie der Streit um einen Fahrer Red Bull veranlasste, das Sauber-Team zu verlassen: Womöglich könnte Max Verstappen sonst heute in Hinwil Erfolge feiern

Beat Zehnder: Sauber-Team könnte heute Red Bull sein
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Red Bull ist eines der erfolgreichsten Formel-1-Teams in der Geschichte der Königsklasse. Fünf Fahrer- und vier Konstrukteursweltmeisterschaften und 84 Rennsiege kann sich das Team aus Milton Keynes auf die Fahnen schreiben, das erst seit 2005 als eigenständiger Rennstall in der Königsklasse fährt.

Damals übernahm man das erfolglose Jaguar-Team, doch es hätte auch die Chance gegeben, dass Sauber heute Red Bull wäre, glaubt Alfa-Romeo-Teammanager Beat Zehnder. "Ich denke schon, ja", sagt der Schweizer, der jedes einzelne Formel-1-Rennen des Schweizer Rennstalls miterlebt hat.

Denn Sauber und Red Bull verband zwischen 1995 und 2001 eine enge Partnerschaft. Der österreichische Getränkehersteller war Haupt- und Titelsponsor des Teams, trennte sich aber von diesem, weil Sauber sich weigerte, Red-Bull-Förderpilot Enrique Bernoldi für 2001 ins Auto zu setzen.

"Red Bull hat sich für Enrique eingesetzt, der 2000 in der Formel 3000 gefahren ist", erinnert sich Zehnder im Podcast 'Beyond the Grid'. "Peter Sauber hat mich gebeten, ihn in der gesamten Saison zu verfolgen. Also saß ich zu jedem Formel-3000-Rennen am Kommandostand."

Enrique Bernoldi

Sauber war von Enrique Bernoldi nicht überzeugt

Foto: Motorsport Images

Doch wirkliche Erfolge fuhr der Brasilianer nicht ein. Obwohl er schon in seiner zweiten Saison in der obersten Nachwuchsklasse fuhr, kam Bernoldi nicht über den 16. Gesamtrang hinaus. Lediglich dreimal in zehn Rennen fuhr er damals in die Punkte, und Zehnder war sich auch nicht sicher, was Bernoldis Motivation angeht.

"Warum will er ein Formel-1-Fahrer sein? Ist es, weil er in den größten Clubs freien Eintritt wollte? Das war mein Gefühl", sagt Zehnder.

Gleichzeitig gab Teamgründer Peter Sauber einem damals völlig unbekannten Fahrer namens Kimi Räikkönen eine Testchance. "Wir können noch immer nicht erklären, warum er das gemacht hat", sagt Zehnder heute. "Und dann haben wir uns für Kimi anstatt Enrique entschieden, und ich glaube da wurde die Idee, zu Red Bull Racing zu werden, begraben."

Red Bull platzierte Bernoldi 2001 bei Arrows, doch nach eineinhalb Jahren und 28 Formel-1-Starts ging die Karriere des Brasilianers ohne Punkte zu Ende. Sauber landete mit Räikkönen hingegen einen Volltreffer, auch wenn der Finne nur ein Jahr später zu McLaren ging.

Doch die Saga hat wohl verhindert, dass Red Bull seine Erfolge heute in Hinwil feiert. Stattdessen stehen die Pokale im britischen Milton Keynes.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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