Ferrari-Teamchef Mattia Binotto: "Charles' Unfall war nicht so toll"

Wie Teamchef Mattia Binotto den Trainingsunfall von Charles Leclerc in Spa bewertet und was nach der Formel-1-Sommerpause möglich ist für Ferrari

Ferrari-Teamchef Mattia Binotto: "Charles' Unfall war nicht so toll"

Der Unfall von Charles Leclerc kurz vor dem Ablauf der Zeit markierte den Schlusspunkt im zweiten Freien Training der Formel 1 in Belgien. Und der Crash bedeutete zugleich das Ende eines schwierigen Belgien-Auftakts für Ferrari. Denn das italienische Traditionsteam kam nach zwei Mal 60 Minuten am Freitag nicht einmal in die Top 10 der Tageswertung in Spa-Franchorchamps.

Dabei hatte der Tag eigentlich "recht vielversprechend" begonnen, sagt Teamchef Mattia Binotto bei 'Sky'. Leclerc und Carlos Sainz waren im ersten Freien Training auf die Positionen vier und fünf gefahren. In der zweiten Einheit aber fehlte der Speed. Oder wie es Binotto selbst formuliert: "Dann waren die Leistung und der Unfall von Charles nicht so toll."

Die Ursache für Leclercs Abflug eingangs des zweiten Sektors sei "wahrscheinlich ein kleiner Fehler" gewesen, meint Binotto. Er misst dem Unfall trotz seiner sanften Kritik an Leclerc keine allzu große Bedeutung bei: "Die Schäden am Auto sind gering. Und wir haben die ganze Nacht für die Reparatur."

Was Leclerc selbst zu seinem Unfall zu sagen hat

Leclerc selbst gibt sich indes zerknirscht: "Natürlich wäre es mir lieber gewesen, den Tag nicht in der Mauer zu beenden, aber das passiert im Freien Training. Ich werde versuchen, den Fehler nicht zu wiederholen."

 

Auch er beklagt einen Geschwindigkeitsverlust bei Ferrari von einem Training zum anderen: "Der Sache müssen wir auf den Grund gehen, denn wir hatten nicht viel am Auto verändert. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir eine ausreichende Analyse hinkriegen, um zu erfahren, was falsch gelaufen ist im zweiten Training, damit wir es am Samstag besser machen können."

Die Ferrari-Balance passt noch nicht

Sowohl Teamchef Binotto als auch Leclerc und Sainz beklagen eine nicht optimale Balance im Ferrari SF21. Für Sainz fühlte sich das Fahrzeug sogar "ziemlich seltsam" an.

Das bedeute aber auch, dass sich Ferrari über Nacht noch steigern könne, "mit einem guten Set-up", wie Sainz erklärt. "Denn noch sind wir nicht auf dem Niveau, auf dem wir uns in Silverstone oder Budapest bewegt haben."

Was Ferrari in Spa-Francorchamps möglicherweise ins Hintertreffen hat geraten lassen: die niedrigen Temperaturen von nur etwa 15 Grad Celsius. Sainz spricht von einem "Trend", der Ferrari wohlbekannt sei. Nämlich: "Je wärmer es wird, umso besser für uns. Weil es hier aber so kühl ist, hilft das nicht bei der Autobalance und es schafft Probleme an den Vorderreifen. Also: Nicht ideal."

Was das Wetter mit dem Ferrari macht

Hinzu kommt das wechselhafte Wetter mit Regenschauern. "Man weiß nie genau, worauf es hinausläuft", sagt Sainz. "Wenn man wüsste, es ist zu hundert Prozent nass, dann könntest du rumspielen mit der Abstimmung. Das ist derzeit aber nicht der Fall."

In der Formel 1 gäbe es allerdings ohnehin kein klassisches Regen-Set-up mehr, betont der Ferrari-Fahrer: "Ein heutiges Set-up für eine trockene Strecke macht im Regen eine ziemlich gute Figur. Du kannst in der Formel 1 praktisch nicht viel machen, um dein Auto auf Regen umzustellen." Große Änderungen seien hier also nicht zu erwarten.

Es gelte einfach, sich "möglichst schnell" an etwaige Wetterumschwünge anzupassen, sagt Leclerc. "Es braucht ein Set-up, das sowohl im Trockenen wie im Nassen funktioniert. Wenn wir das hinkriegen, sind wir bereit für ein gutes Wochenende."

Vorerst kein Leistungsupdate für Ferrari

Doch Ferrari-Teamchef Binotto glaubt nicht an Ferrari-Festspiele in Spa. "Im Vergleich zu unseren Wettbewerbern fehlt es uns an Leistung. Das wissen wir", so erklärt er. "In Monza wird das sehr ähnlich sein. Strecken mit langen Geraden sind einfach schwierig für uns."

Ein Leistungsupdate ist vorerst ebenfalls nicht in Sicht. Ferrari plant zwar mit einer Ausbaustufe des Formel-1-Antriebs, doch wann die Neuheit erstmals an der Strecke verwendet wird, "das steht noch nicht fest", sagt Binotto.

"Wir haben den Antrieb gerade auf dem Prüfstund und finalisieren die Homologierung. Wir wissen nur: Das Update kommt vor Saisonende. Das war uns wichtig mit Blick auf 2022. Denn was auch immer wir noch an Upgrades bringen können, das verschafft uns wichtige Erfahrungswerte für das kommende Jahr."

Ferrari: Optimieren an allen Ecken und Enden

Ferrari werde das Update "zum Saisonende hin" erstmals einsetzen und "nicht sehr bald", wie Binotto betont. Das bedeute, "nicht in den nächsten zwei, drei Rennen".

Was genau neu ist an der künftigen Antriebsspezifikation, das erklärte der Teamchef nicht im Detail, sondern verwies lediglich auf einen "bedeutsamen Fortschritt bei der Hybridkomponente", die für Ferrari eine Zukunftstechnologie darstelle.

Generell wolle sich das Team im restlichen Saisonverlauf "in allen Bereichen steigern", um für 2022 gerüstet zu sein. "Nur, wenn es uns gelingt, alles zu optimieren, können wir in Zukunft besser auftreten", meint Binotto. "Das Ergebnis in der Konstrukteurswertung geht genau darauf zurück."

Und das Trainingsergebnis in Spa mit P11 von Sainz und P18 von Leclerc im zweiten Training zum Belgien-Grand-Prix? Binotto hat eine klare Meinung dazu: "Unsere Positionen sind nicht die richtigen. Da bin ich mir sicher. Wir können mehr."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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