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Formel-1-Technik: Was ist eigentlich ein Bib?

Informationen zum jüngsten Technikstreit der Formel 1: Was ein Bib ist, was es tut und seit wann eine solche Konstruktion an Grand-Prix-Autos verwendet wird

Formel-1-Technik: Was ist eigentlich ein Bib?

Bib oder T-Tray an einem Formel-1-Auto der Saison 2024

Foto: Andreas Beil

Auf einmal ist der Bib von Red Bull das große Gesprächsthema im Fahrerlager der Formel 1. So als ob der Bib eine revolutionäre Erfindung wäre, die Red Bull inmitten des WM-Titelkampfs plötzlich aus dem Hut gezaubert hat. Dabei ist der Bib - auch T-Tray oder Splitter genannt - schon seit Langem etabliert in der Formel 1, aber eben nicht prominent, weil es bislang wenige Kontroversen dazu gab.

Der Bib sitzt unterhalb des Chassis und oberhalb der Bodenplatte am Auto, also direkt an der vorderen Kante des Unterbodens. Er schirmt damit die Bodenplatte ab und reguliert deren Spielraum nach oben. Außerdem dient der Bib als aerodynamisches Element für die Weiterleitung des Luftstroms vorbei an den Seitenkästen und hin zum Heck.

Erste Konstruktionen dieser Art sind in den frühen 1990er-Jahren in der Formel 1 aufgetaucht, als die Teams damit begannen, die Nasen der Fahrzeuge anzuheben, um mehr Luft unter die Autos zu bekommen. Der Bib etablierte sich damit als Abtrennung zwischen Chassis und Unterboden, als der einst flache Unterboden zur Saison 1994 mehr Konturen und vor allem die seither übliche Bodenplatte erhielt.

Seither wuchs die Bedeutung des Bibs beträchtlich, denn gerade an der Vorderkante der Bodenplatte setzt der meiste Verschleiß ein. Das wurde schon so manchem Fahrer zum Verhängnis: Denn wird die Platte im Rennen zu sehr abgenutzt, folgt die Disqualifikation.

Die Bodenplatte am Unterboden des Benetton B194 in der Formel-1-Saison 1994

Die Bodenplatte am Unterboden des Benetton B194 in der Formel-1-Saison 1994

Foto: Giorgio Piola

Dieser Bereich am Fahrzeug gibt also vor, wie die Fahrwerkshöhe ausfallen kann. Zwar darf der Bib in vertikaler Richtung beweglich sein, aber nur im Rahmen der obligatorischen Belastungstests, die bei der technischen Abnahme durchgeführt werden.

Der Bib-Anstellwinkel ist damit nur eine Set-up-Option unter vielen, mit denen die Teams die Einstellungen ihrer Fahrzeuge verfeinern und die Leistung optimieren können. Und das ist ein schmaler Grat: Wer mit dem Bib nicht am Limit unterwegs ist, verschenkt Leistung. Oder: Je tiefer das Auto über dem Asphalt liegt, umso besser funktioniert die Aerodynamik. Aber liegt das Auto zu tief, kann es Probleme geben - auch nach dem Rennen.

Warum der Bib jetzt ein Thema ist

Diese unterschiedlichen Konfigurationsmöglichkeiten gaben Anlass zur jüngsten Bib-Affäre von Red Bull. Denn es wurde unterstellt, das Team könne zwischen Qualifying und Rennen eine Bib-Anpassung vornehmen, was aber gegen die Parc-ferme-Regeln verstoßen würde.

Der Vorteil davon läge auf der Hand: Das Auto ließe sich so vom Qualifying-Set-up mit wenig Kraftstoff auf Renn-Set-up mit viel Kraftstoff umbauen, mit positiven Auswirkungen auf die Aerodynamik.

Der Automobil-Weltverband (FIA) hat sich jedoch beim USA-Grand-Prix in Austin von Red Bull demonstrieren lassen, wie genau eine Bib-Einstellung am RB20 zu erfolgen hat, und scheint mit Red Bulls Erklärungen zufrieden zu sein. Nikolas Tombazis als FIA-Formelsport-Verantwortlicher hat die Affäre danach offiziell "abgehakt".
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