Antonio Giovinazzi: "Die Strategie war komplett falsch"

Antonio Giovinazzi verpasste wieder einmal knapp die Punkte, in Mexiko war es eine strategische Fehlentscheidung seines Teams, die ihn ein Topergebnis kostete

Antonio Giovinazzi: "Die Strategie war komplett falsch"

Nach seinem dritten elften Platz in Folge war Antonio Giovinazzi in Mexiko stocksauer. In einem Rennen, in dem er nach der chaotischen Startphase plötzlich auf Rang sechs und danach zumindest ungefährdet auf Rang sieben lag, war es sein Alfa-Romeo-Team mit einer völlig falschen Strategie, das den Italiener um sein mögliches bestes Saisonergebnis brachte.

Entsprechend sarkastisch reagierte er direkt nach der Zieldurchfahrt am Funk. "Vielen Dank für die tolle Strategie", ließ er Dampf ab. Später hatte sich die Wut vor allem in extreme Enttäuschung gewandelt.

"Ich bin wirklich enttäuscht, denn wir hatten die Chance, mit beiden Autos Punkte zu holen", hadert Giovinazzi mit dem Ausgang des Rennens. Somit muss er weiterhin auf seine zweite Punkteplatzierung der Saison warten. Nur in Monaco war er bislang in dieser Saison in die Punkte gefahren, nun scheiterte er zum wiederholten Mal ganz knapp.

Perfekter Start ins Rennen

Dabei fing in Mexiko alles so gut an. Aufgrund diverser Strafversetzungen ging Giovinazzi vom elften Platz aus ins Rennen, direkt neben seinem Teamkollegen Kimi Räikkönen. Als es in Kurve 1 schließlich zum Dreher von Valtteri Bottas kam, fand Giovinazzi den perfekten Weg, um der anschließenden Kettenreaktion aus dem Weg zu gehen.

"Es war eine tolle erste Runde", sagt Giovinazzi. Bis auf den sechsten Platz kam er nach vorne, als das Safety-Car rausgeschickt wurde. Nach dem Restart musste er dann zwar direkt in Kurve 1 Carlos Sainz passieren lassen, doch der siebte Platz schien erst einmal sicher zu sein. Teamkollege Räikkönen lag zu diesem Zeitpunkt noch auf Platz zehn, schnappte sich aber wenige Runden später George Russell.

Alles sah also gut an, bis Alfa Romeo eine folgenschwere Fehlentscheidung traf. Bereits in Runde 16 kam der auf Mediums gestartete Giovinazzi an die Box. Einige Fahrer, darunter auch Russell, waren zuvor bereits ebenfalls reingekommen. Doch die Position, auf der sich der Italiener danach befand, zerstörte sein Rennen.

Giovinazzi wird von Ricciardo und Bottas aufgehalten

"Aus meiner Sicht war die Strategie komplett falsch. Wir haben zu früh gestoppt, aber das war nicht einmal das Hauptproblem. Das Problem war, dass ich im Verkehr rauskam. Und damit hat die Strategie nicht funktioniert", erklärt Giovinazzi.

Der 27-Jährige lief auf Daniel Ricciardo und Bottas auf, die beide aber viel langsamer unterwegs waren, als es die Alfa-Strategen erwartet hatten. Giovinazzi hing fest und konnte seine frischen Reifen nicht nutzen. Seine Rundenzeiten bewegten sich zu diesem Zeitpunkt im schwachen Bereich von mittleren 1:23er-Zeiten.

Sebastian Vettel, Räikkönen, Fernando Alonso und Lando Norris, die vor Giovinazzis Stopp hinter ihm lagen, waren weiter vorne im Feld auf ihren alten Reifen pro Runde im Schnitt fast eine Sekunde schneller. Somit gleitete Giovinazzi das Rennen aus den Händen, ohne etwas dagegen tun zu können. An Bottas und Ricciardo kam er einfach nicht vorbei.

Stopp wegen nachlassender Hinterreifen

Doch warum holte sein Team ihn in dieser Phase überhaupt rein? "Bei der Strategie ging es darum, zu entscheiden, wie früh man reinkommt und wie lang man dann den Stint auf den harten Reifen ausdehnt. Für uns hätte es keinen Grund gegeben, früh zu stoppen. Es war nicht nötig", erklärt Chefingenieur Xevi Pujolar.

Dann allerdings habe Giovinazzi sich über Probleme mit den Hinterreifen beklagt. Und Alfa Romeo wollte verhindern, dass sich hinter Giovinazzi alles zusammenstaut und riefen ihn deshalb zum Reifenwechsel an die Box.

Ein Blick auf die Rundenzeiten im Umlauf vor seinem Stopp zeigt, dass Giovinazzi der langsamste Fahrer aus den Top 10 war. Allerdings war der Unterschied zu seinen Verfolgern nicht sehr groß, der schnellste Fahrer war noch Teamkollege Räikkönen, der in Runde 15 vier Zehntel schneller war. Allerdings lag er auch bereits über vier Sekunden hinter dem Italiener.

Alfa rätselt: Warum waren Ricciardo und Bottas so langsam?

Dennoch erhoffte sich Alfa von den frischen Reifen einen Schub bei Giovinazzi. Den langen Stint auf den harten Reifen hatte man in Kauf genommen. "Wir hatten null Probleme mit den Reifen", sagt Pujolar mit Blick auf das Ende des Rennens. Doch die schwache Pace von Ricciardo und Bottas kam völlig unerwartet.

"Selbst wenn man seine Reifen managt, ist man nicht so langsam", rätselt Pujolar. "Wir dachten, ihre Pace wäre besser, auf dem Niveau von Kimi etwa", erklärt der Spanier und zieht das für das Team selbst überraschende Fazit: "Wir hätten nicht erwartet, dass sie langsamer sind als wir."

Räikkönen und Vettel kamen schließlich in Runde 32 und 33 an die Box, Alonso (39) und Norris (44) sogar noch viel später. Da war der Rückstand von Giovinazzi bereits viel zu groß. "Ich bin nicht nur meinetwegen enttäuscht, sondern auch für das Team. Wir hätten auf Platz sieben und neun landen können", rechnet er vor.

Giovinazzi verpasst Chance auf Topergebnis

Und diese verschenkten Punkte könnten am Saisonende wehtun. Denn dank des achten Platzes von Räikkönen verkleinerte Alfa den Rückstand auf Williams in der Konstrukteurs-WM zwar wieder auf zwölf Punkte, er hätte aber noch viel kleiner sein können.

Persönlich war es für Giovinazzi eine erneute verpasste Gelegenheit, mit einem Topergebnis nachhaltig auf sich aufmerksam zu machen. Weiterhin steht nicht fest, wer das zweite Cockpit für 2022 bekommt. Zumindest seine Formkurve stimmt, was ihm auch Lob einbringt.

"Er zeigt Rennen für Rennen gute Fortschritte", sagt Pujolar, der überzeugt ist, dass Giovinazzi bis Saisonende noch punkten werde. Dann muss allerdings auch das eigene Team mitspielen.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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