Mercedes-Ingenieur: Warum Formel-1-Teams mehr Daten preisgeben sollten

Mehr Offenheit statt Geheimniskrämerei: Warum sich Mercedes-Ingenieur Dom Riefstahl dafür ausspricht, dass Formel-1-Teams ihre Daten offenlegen

Mercedes-Ingenieur: Warum Formel-1-Teams mehr Daten preisgeben sollten

Was können die Formel-1-Teams tun, um den TV-Zuschauern das Geschehen auf der Rennstrecke noch greifbarer zu machen? Mit dieser Frage hat sich Mercedes-Ingenieur Dom Riefstahl befasst, als er in seiner Elternzeit mal nicht als Leiter des sogenannten Race-Support-Teams in Brackley tätig war. Sein Fazit: Mehr Offenheit wäre angebracht.

"Es gibt so viele Daten, die wir den Fans und der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen könnten, oder den Kommentatoren, die über das Rennen sprechen. Das könnte ihnen helfen, ihre Geschichte zu erzählen und mehr darüber zu erfahren, was wirklich vor sich geht", erklärt Riefstahl im Gespräch mit 'Autosport'.

Er selbst kennt sich aus mit den Daten, die in der Formel 1 gesammelt werden: Unter seiner Regie arbeiten im sogenannten Race-Support-Room in Brackley etliche Ingenieure daran, die am Rennwochenende eintreffenden Informationen von der Strecke direkt zu verarbeiten und zu analysieren. Sie unterstützen damit die Arbeit der Kollegen vor Ort beim Grand Prix.

Ein Beispiel: Direkter Rundenvergleich der Titelkandidaten

Einige dieser Daten, meint Riefstahl, stünden der Formel-1-Berichterstattung gut zu Gesicht. "Denn wenn du mehr Daten hast und jemanden, der sie verstehen und erklären kann, dann kannst du viel besser aufzeigen, was eigentlich passiert", sagt er.

Riefstahl nennt ein Beispiel: "Man könnte im zweiten Freien Training hergehen, die Runden von Lewis [Hamilton] und [Max] Verstappen übereinanderlegen und darstellen, wer wo gewinnt und verliert."

Anhand dieser Informationen ließe sich auch eine Auskunft darüber treffen, ob ein Fahrer zum Beispiel andere Flügel verwende oder wie stark der Antrieb beansprucht werde.

"All das kannst du ziemlich klar anhand der Geschwindigkeitsmessungen erkennen. Und damit verrätst du ja praktisch nichts", sagt Riefstahl. "Es weiß eh jeder, wie schnell die anderen Autos sind."

Geheimnisse ausplaudern? Braucht es gar nicht!

In seinen Augen könnten die Formel-1-Teams hier für mehr Transparenz sorgen, ohne aber "Geheimnisse" auszuplaudern. "Man gibt nur einen deutlich detaillierteren Einblick", meint Riefstahl.

Natürlich: Spezielle Abstimmungsdaten würden Rennställe so oder so für sich behalten, um der Konkurrenz nicht zu viel zu verraten. "Es gibt aber Informationen, die man ganz einfach öffentlich machen könnte", sagt Riefstahl.

Was Pirelli beitragen könnte

Er sieht beispielsweise Formel-1-Reifenpartner Pirelli in der idealen Position, um die Berichterstattung zu bereichern, nämlich mit dem "echten Reifenverschleiß".

Riefstahl erklärt: "Pirelli sammelt ja die Daten aller Teams. Man könnte diese Daten anonymisieren und einen Durchschnittswert preisgeben. Wenn man auch nur die Top 5 hätte, könnte man vorhersagen, was im Rennen passiert und man hätte viel mehr Gehalt für seine Geschichte."

Tatsächlich hat die Formel 1 in der jüngeren Vergangenheit versucht, den TV-Zuschauern mehr Informationen an die Hand zu geben, unter anderem mittels Einblendungen von Amazon Web Services (AWS), das Daten zum Reifenverschleiß, zur Autoentwicklung und zur Fahrerleistung bereitstellt.

Mit Bildmaterial von Amazon.

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