Pole für Verstappen - aber Vorteil für Mercedes im Rennen?

Max Verstappen sichert sich in Abu Dhabi überraschend die Poleposition, muss wegen eines Fehlers in Q2 aber auf den Softs starten - Vorteil für Mercedes?

Pole für Verstappen - aber Vorteil für Mercedes im Rennen?

Nach einem ultraspannenden Qualifying heißt es im WM-Duell der Formel 1 in Abu Dhabi: Vorteil Max Verstappen! Der Red-Bull-Pilot sicherte sich mit einer sensationellen Runde auf seinem ersten Versuch in Q3 die Poleposition und verwies seinen WM-Rivalen Lewis Hamilton auf den zweiten Platz. Damit hat der Niederländer scheinbar alle Trümpfe in der Hand.

Nach den Eindrücken aus den Trainings kam diese Pole mehr oder weniger aus dem absoluten Nichts. "Es war ein Auf und Ab was die Balance betrifft, für das Qualifying haben wir dann aber die richtigen Entscheidungen getroffen. Ich hatte ein besseres Gefühl, aber auch in Q1 war es noch nicht perfekt, ich musste einige Dinge noch feintunen", schildert Verstappen.

Ab Q2 sei es dann deutlich besser gelaufen, allerdings mit einem möglicherweise entscheidenden Schönheitsfehler. Denn eigentlich wollte Red Bull das Rennen mit dem Medium starten, doch Verstappen fuhr sich bei einem Verbremser in Kurve 1 auf seiner zweiten schnellen Runde einen Bremsplatten in den Reifen.

Verstappen entspannt: Longrun auf Soft war gut

Daher schickte das Team den 24-Jährigen noch einmal mit einem Satz Softs auf die Strecke. Verstappen unterbot seine Zeit in Q2, muss nun aber mit dem weichen Reifen den ersten Stint des Rennens bestreiten. Hamilton hingegen startet auf den Mediums in das mit Spannung erwartete Finale.

Während Verstappen am Start einen Vorteil haben sollte, könnte der erste Stint deutlich kürzer ausfallen als bei Hamilton. Doch Verstappen sieht diesen Fakt gelassen. "Ich habe mich gestern auch auf dem Longrun mit dem Soft gut gefühlt. Daher war es keine schwierige Entscheidung, wir haben direkt gesagt, okay, wir fokussieren uns auf den Soft", schildert er die Überlegungen nach seinem Verbremser.

Mercedes-Teamchef Toto Wolff glaubt bei 'Sky', dass die Red Bull bei der Strategie "suboptimal aufgestellt" ist und der Soft "nach sieben oder acht Runden nachgeben" werde. Bei Red Bull ist man nach den Erfahrungen vom Freitag optimistischer. "Wenn wir den Freitag hernehmen, dann hält er länger. Das hängt natürlich auch von den Temperaturen ab", sagt Red-Bull-Motorsportkonsulent Helmut Marko im 'ORF'.
 
Bei 'Sky' gibt er jedoch zu, "dass mit dem Medium-Reifen die Möglichkeiten für uns variabler gewesen sind. Jetzt ist klar, wir können nur auf den Hard gehen oder, wenn wir zwei Stopps machen, nach dem Hard nochmal auf den Soft zum Beispiel". Das Team habe nur noch den harten Reifen. Grundsätzlich sei es laut Marko aber erst einmal besser, "das Rennen von vorneweg" zu gestalten als wenn man "von hinten attackieren muss".

Horner: Trackposition ebenfalls wichtig

Laut Teamchef Christian Horner war der Soft aber bereits vor dem Qualifying eine mögliche Option als Startreifen. "Es war 50:50. Es war für uns also nicht schlimm, auf dem Soft starten zu müssen. Der Medium ist robuster. Der Reifenverschleiß wird interessant sein zu sehen, aber die Trackposition ist ebenfalls wichtig für den Reifenabbau", erklärt Horner.

Und Horner merkt an, dass Hamilton nicht nur Verstappen auf Softs neben sich hat, sondern ebenso auch Lando Norris und Sergio Perez hinter ihm. Damit hätte der Mercedes-Pilot am Start und in den ersten Runden "alle Hände voll zu tun", blickt er voraus.

Wolff sieht Mercedes im Vorteil

Wolff bestätigt das, würde aber dennoch nicht lieber auf dem Soft starten. Denn auf die Distanz gesehen, da ist sich Wolff sicher, ist der Medium die bessere Wahl. "Am Start und in den ersten sechs, sieben Runden, werden wir einen kleinen Nachteil haben, wenn er schnell fährt. Wenn er managt, ist es kein großer Vorteil für ihn", sagt er mit Blick auf Verstappen.

Der Österreicher ist optimistisch und wirft bereits ein paar mögliche Strategien in den Raum. "Wir können länger fahren, oder wir können einen aggressiven Undercut wählen und dann unsere Trackposition verwalten. Wir werden über Nacht viele Programme und Algorithmen laufen lassen, um zu sehen, was möglich ist", kündigt er an.

Allerdings schwingen auch ein paar Zweifel beim Österreicher mit, denn die Longrun-Pace von Red Bull am Freitag sei sehr stark gewesen. Aber: "Unsere Reifen waren einfach nicht im Fenster, ihre waren es. Man konnte auch sehen, Q1 und Q2 gehörten uns, alles sah recht einfach aus. Und dann plötzlich haben wir unsere Performance verloren."

Entscheidet der Start das Rennen?

Neben der Rennpace selbst, die laut Wolff über Sieg und Niederlage entscheiden wird, werde auch der Start für Hamilton entscheidend sein. "Wenn wir Platz zwei halten können, dann haben wir einen Vorteil. Wenn wir mehr Positionen verlieren, dann wird es immer schwieriger", stellt er mit Blick auf die Reifenwahl klar.

Auch Hamiltons Teamkollege Valtteri Bottas, der von Rang sechs aus ins Rennen geht, muss sich am Start gegen die Armada an Soft-Kandidaten um ihn herum wehren. "Als erstes geht es darum, am Start keine Plätze zu verlieren. Und dann muss ich einfach geduldig bleiben. Ich kann im ersten Stint länger fahren, wenn ich will", sagt Bottas. In seiner Position sei es wichtig, die Punkte für das Team einzufahren.

Der Soft, glaubt auch der Finne, werde recht schnell abbauen. "Unser Plan war es seit dem dritten Training, auf dem Medium zu starten", stellt er klar.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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