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Ferrari: Stallregie ja oder nein? "So oder so falsch"

Das Dilemma von Ferrari-Teamchef Mattia Binotto in der Formel-1-Saison 2022: Leclerc und Sainz frei fahren lassen oder eine Teamorder aussprechen?

Ferrari: Stallregie ja oder nein? "So oder so falsch"

Genau 20 Jahre ist es her, dass Ferrari beim Österreich-Grand-Prix in Spielberg mit einer Stallregie zugunsten von Michael Schumacher ein Buh- und Pfeifkonzert ausgelöst hat. Beim diesjährigen Sprint aber verzichtete Ferrari-Teamchef Mattia Binotto darauf, seinen Fahrern Charles Leclerc und Carlos Sainz klare Vorgaben zu machen. Er ließ sie frei fahren.

Aber war das eine gute Entscheidung, zumal das interne Ferrari-Duell der ersten Runden vor allem Max Verstappen im Red Bull das Davonziehen erleichterte und damit den Weg zum Sieg ebnete? Binotto steht zu seinem Vorgehen in Spielberg und meint: "Ich bin mir ziemlich sicher, das ist der richtige Weg."

Für Ferrari stehe in der aktuellen Phase der Formel-1-Saison 2022 im Vordergrund, "die Punkte für das Team zu maximieren", so formuliert es Binotto. "Denn wir glauben, zum jetzigen Zeitpunkt der Meisterschaft sollten wir es so machen."

Ferrari könnte seine Strategie überdenken

Was aber auch bedeuten könnte, dass Ferrari diese Strategie im weiteren Saisonverlauf überdenken könnte. "Hat zu einem späteren Zeitpunkt ein Fahrer mehr Möglichkeiten als der andere, dann werden wir sicherlich versuchen, diesem Fahrer volle Priorität einzuräumen", erklärt Binotto. Er fügt hinzu: "Aber da sind wir noch nicht, also müssen wir das aushalten."

Mit "aushalten" meint er konkret die Kritik, die ihm als Teamchef und Ferrari allgemein zuteil wird. Doch Kritik gäbe es in jedem Fall, meint Binotto: "Gibt es eine Stallregie, dann wirft uns jeder vor, man könne die Fahrer doch frei fahren lassen. Lassen wir sie frei fahren, dann heißt es, es braucht eine Stallregie. Was auch immer du tust, es ist jedes Mal falsch, so oder so."

Wenn sich zwei Fahrer eines Teams direkt auf der Strecke begegnen und der Rennstall abwägen müsse, sei das "immer eine heikle Angelegenheit", sagt Binotto. "Und nach einem Rennen weiß jeder Einzelne ganz genau, was wir hätten tun sollen."

Wolff: Warum man so oder so in der Klemme sitzt

Mercedes-Teamchef Toto Wolff kennt ein solches Szenario aus eigener Erfahrung. Er meint: "Als Team trägst du hinterher immer die Schuld."

"Lässt man die Fahrer frei fahren, dann kommt der Vorwurf, man verliert Boden auf den Hauptgegner. Lässt man sie nicht frei fahren, bekommt man viel Gegenwind für eine Stallregie zu diesem frühen Zeitpunkt im Jahr. Dann sitzt du in der Klemme."

Er selbst begrüße die Ferrari-Haltung, im Spielberg-Sprint keine Stallregie auszusprechen. Das sei eine "gute Entscheidung" gewesen, meint Wolff. "Das war doch die einzige Unterhaltung in diesem Rennen und gut anzusehen." Nachsatz: "Ich weiß, wie ich es gemacht hätte, aber ich verrate es nicht."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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