Für 2022: Alpine fordert strenge Kontrolle unerlaubter Zusammenarbeit

Ein weiterer "Copygate"-Fall wie zwischen Racing Point und Mercedes in der Formel-1-Saison 2020 soll vermieden werden

Für 2022: Alpine fordert strenge Kontrolle unerlaubter Zusammenarbeit

Alpine-Exekutivdirektor Marcin Budkowski hat den Automobil-Weltverband FIA zu erhöhter Wachsamkeit aufgefordert, damit Teams bei der Entwicklung des 2022er-Autos nicht unerlaubt zusammenarbeiten. Ein weiterer "Copygate"-Fall wie zwischen Racing Point und Mercedes im vergangenen Jahr soll vermieden werden.

Die FIA reagierte auf den Fall, der Racing Point eine über das erlaubte Maß hinausgehende Kopie des Mercedes von 2019 unterstellte, und formulierte strengere Regeln. So wurden 3D-Kameras und komplexe Softwaresysteme, um das Design der Konkurrenten abzukupfern, verboten.

Budkowski fordert die FIA jedoch auf, wachsam zu bleiben. "Mit Blick auf das Jahr 2022, durch die massiven Änderungen des Reglements, die großen Entwicklungsgefälle, die vielen Leistungssteigerungen bei diesen Autos und das sehr grüne, neue Regelwerk, sind die Vorteile, die man aus einer Zusammenarbeit ziehen kann - ob legal oder weniger - enorm", erklärt der Pole.

Neue Klassifizierung in vier Kategorien

Im Reglement für 2022 hat die FIA die Klassifizierung der einzelnen Komponenten der Autos noch einmal präzisiert. Ab kommendem Jahr gilt eine Unterteilung in folgende vier Kategorien: Listed Team Components (LTC), Standard Supply Components (SSC), Transferable Components (TRC) sowie Open Source Components (OSC).

Die LTCs umfassen alle Teile, die die Teams selbst konstruieren müssen und nicht von anderen Formel-1-Konstrukteuren beziehen dürfen. Dazu gehören etwa die Überlebenszelle, die Frontaufprallstruktur sowie alle Aerodynamik-Komponenten abgesehen vom DRS.

Es ist jedoch weiterhin gestattet - wie es etwa Haas nach dem Einstieg mit Dallara getan hat - Konstruktionen auch der LTCs zu anderen Unternehmen auszulagern, wenn diese nicht mit anderen aktuellen Formel-1-Teams zusammenarbeiten.

Red Bull und AlphaTauri arbeiten eng zusammen

Bei SSCs handelt es sich um Einheitsteile, die von einem bestimmten Hersteller produziert und an alle Teams geliefert werden. Dieser Hersteller wird von der FIA bestimmt. Die wichtigsten dieser Komponenten sind natürlich die Reifen von Lieferant Pirelli, ab 2022 aber auch die Felgen und die Reifenwärmer.

Weitere SSCs sind etwa die meisten Messinstrumente wie das Fuel-Flow-Meter, die meisten Elektroniksysteme wie die Standard-Kontrolleinheit, aber auch alle wichtigen Bausteine für die TV-Übertragung.

Open Source Components sind Bestandteile, deren Designspezifikationen und geistiges Eigentum allen anderen Teams zugänglich gemacht werden. Hierzu gehören etwa das Lenkrad, der Feuerlöscher, die Bremssättel und das hintere Bremssteuerungssystem.

Die Transferable Components umfassen alle Teile, die von einem Team baugleich an ein anderes geliefert werden dürfen. Dazu gehören das Hydrauliksystem, die Kupplung, das Getriebe oder auch die Aufhängungen. Für diesen Austausch sind vor allem Red Bull und AlphaTauri die bekannten Vertreter, das italienische Team bezieht so viele Teile wie möglich von der großen Schwester aus Österreich.

Budkowski: Teams sollten sich nicht helfen

Budkowski hofft, dass diese Regeln eingehalten und von der FIA auch kontrolliert werden. "Wenn es ein Jahr gibt, in dem sich diese Art der Zusammenarbeit auszahlen kann, dann ist es dieses Jahr für 2022. Wenn es also ein Jahr gibt, in dem wir erwarten, dass sich die FIA wirklich dafür einsetzt, dann ist es dieses Jahr", stellt er klar.

Entsprechend malt Budkowski ein besonderes Bild, wie er sich die Zukunft der Formel 1 vorstellt. "Ich denke, wir alle wünschen uns für die Zukunft eine Formel 1 mit zehn oder elf oder zwölf Teams, die sich gegenseitig gnadenlos bekämpfen und nur für ihren eigenen sportlichen Erfolg da sind", hält er nichts von Zusammenarbeit.

Der Pole ergänzt: "Und ab dem Moment, wo Teams ein gemeinsames Interesse daran haben, Informationen auszutauschen, ist das ein Problem, denn das sollte nicht der Fall sein. Man sollte seinen Konkurrenten nicht helfen."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

geteilte inhalte
kommentare
Lawrence Stroll: Unterbodenregel ist der einzige Grund

Vorheriger Artikel

Lawrence Stroll: Unterbodenregel ist der einzige Grund

Nächster Artikel

Mick Schumacher: Jordan 191 "fühlt sich an wie ein Go-Kart"

Mick Schumacher: Jordan 191 "fühlt sich an wie ein Go-Kart"
Kommentare laden