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Kurios: Eingemotteter McLaren-Heckflügel wird zum Techniktrend

Mercedes und Ferrari kupferten ein Design bei McLaren ab, auf das die Ingenieure in Woking kurz darauf verzichteten – Regel-Schlupfloch könnte 2019 dicht sein

McLaren, Ferrari and Mercedes rear wing comparison

Formel-1-Technik mit Giorgio Piola

Giorgio Piola analysiert und erklärt die Technik in der Formel 1!

In der ruhmreichen Vergangenheit der McLaren-Mannschaft waren es oft Boliden aus Woking, die den Trendsetter für die technische Entwicklung der Formel 1 mimten. Sogar in Zeiten des sportlichen Niedergangs bedienen sich die Ingenieure im Technology Centre nicht den Ideen ihrer Kontrahenten, sondern müssen sich von Topteams kopieren lassen. Jüngst passiert in Sachen Heckflügel.

McLarens "angeschnittener" Heckflügel (siehe technische Illustration) macht aktuell Schule. Die Idee hat ihren Ursprung bei Aerodynamik-Tests beim Österreich-Grand-Prix 2016 und kam im Jahr darauf erstmals in den Renneinsatz. Der Vorteil ist, dass die vertikalen Finnen in den seitlichen Endplatten die Luft stärker führen und so das Seitenverhältnis des Heckflügels praktisch verändern.

Heißt: Die Endplatten werden "größer", wenn es um den Einfluss auf das aerodynamische Gesamtbild in diesem Bereich geht. Ergo kann McLaren die horizontalen Hauptelemente dazwischen flacher einstellen, um für weniger Luftwiderstand und für mehr Höchstgeschwindigkeit zu sorgen. Hinzu kommt, dass entstehende Luftwirbel sich positiv auf andere Luftwirbel darüber auswirken.

Möglich wird der Trick durch ein Schlupfloch im Technischen Reglement. Demnach dürfen an der unteren Hälfte der Endplatte keine aerodynamischen Elemente zum Einsatz kommen, es ist jedoch nicht von überlappenden Teilen die Rede. Heißt: Gibt es eine S-förmige Endplatte, ist der Rest egal. McLaren entwarf die Fransen als Überhang des (wie vorgeschrieben) überstehenden oberen Teils.

McLaren ist von seiner eigenen Lösung seit Sotschi wieder abgekommen (großes Bild)

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Foto: Giorgio Piola

Mercedes und Ferrari zogen in Österreich respektive Singapur nach. Zunächst aber nur auf Kursen, die viel Abtrieb verlangen. Mercedes setzt zudem auf eine kleine Finne (im Bild gelb gefärbt) an der hinteren Kante der Endplatte, die den Druck auf den vorderen Flügelbereich verringert.

Renault lässt sich ebenfalls nicht lumpen und macht bei dem Trend mit. Ziel der Franzosen ist es wohl, ihr Powerdefizit etwas zu kompensieren, ohne Performance in den Kurven opfern zu müssen.

Kurios: McLaren scheint mittlerweile von der eigenen Idee abgerückt zu sein, um sich konsequent auf mehr Spitzengeschwindigkeit zu konzentrieren. Seit dem Rennen in Russland sieht der Heckflügel wieder konservativer aus – möglicherweise auch deshalb, weil die FIA dem Trick mit den Regeln für 2019 einen Riegel vorschieben könnte und die Designer darauf vorbereitet sein wollen.

Giorgio Piola und Matt Somerfield wirkten bei diesem Artikel mit.

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