Martin Brundle: Verstappen läuft Gefahr, seinen Ruf zu beschädigen

Formel-1-Experte Martin Brundle meint, Max Verstappen sei besser als das, was er in Saudi-Arabien gezeigt hat - "Mich macht traurig, dass er zu solchen Taktiken greift"

Martin Brundle: Verstappen läuft Gefahr, seinen Ruf zu beschädigen

Vor dem großen Formel-1-Saisonfinale in Abu Dhabi stellte FIA-Rennleiter Michael Masi klar: Sollte das WM-Duell zwischen Max Verstappen und Lewis Hamilton auf der Strecke eskalieren, droht ein Punktabzug und der Verlust des Titels. Auf eine solche Ansage hatten nach Saudi-Arabien viele gehofft.

Dort kamen sich die beiden Titelrivalen gleich mehrfach in die Quere. Vor allem Verstappen fiel durch eine kompromisslose Fahrweise auf und erhielt zwei Zeitstrafen - eine noch im Rennen und eine danach. Während der Red-Bull-Pilot sich ungerecht behandelt fühlte, prasselte auch reichlich Kritik auf ihn ein.

Auch Sky-Experte Martin Brundle fand für die Taktik des Niederländers in Dschidda deutliche Worte. "Er hat dieses Spiel gespielt, weil Hamilton sich bei seinem Punktevorsprung einfach keinen Unfall mit ihm leisten kann", schreibt er in seiner Kolumne.

Daran ändere sich auch mit Blick auf das Saisonfinale nichts: "Selbst jetzt, wo es zum ersten Mal in der Formel 1 seit 1974 punktgleich in das letzte Rennen geht, bleibt das so, denn sollte es zu einer Rückrechnung kommen, stünde es 9:8 bei den Rennsiegen."

"Max hat sein Auto so gut im Griff, dass er manchmal waghalsige Manöver durchführt, bei denen man nicht sicher sein kann, ob es sich um hartes Racing oder einfach um ein professionelles Foul außerhalb der Regeln handelt", gibt Brundle zu Bedenken und sieht in dem Zusammenhang auch die Regelhüter in der Bredouille.

Denn: "Es sind genau diese Momente, wie die berüchtigte Kurve vier in Brasilien, die für Verwirrung, Kontroversen und Unstimmigkeiten sorgen." Damals sahen die Rennkommissare von einer Strafe ab, und das trotz des Protests seitens Mercedes.

Brundle: Verstappen riskiert Ruf als Dirty Driver

Er bewundere Verstappen als Rennfahrer, räumt Brundle ein. "Seit dem Grand Prix von China 2015, als er im Toro Rosso saß, bin ich ein großer Fan von ihm. Sein Gespür und seine Kontrolle hinter dem Lenkrad sind bewundernswert, aber es macht mich traurig, dass er zu solchen Taktiken greift, denn er ist besser als das."

"Trotz seiner nach außen hin unbekümmerten Haltung wäre es eine Schande, wenn sein Erbe darin bestünde, als unfairer Fahrer abgestempelt zu werden", betont der 62-Jährige.

"Auch Ayrton Senna und Michael Schumacher hatten ihre Fehler, und ich war bei beiden gelegentlich der Leidtragende", erinnert sich Brundle, der 158 Grand-Prix-Starts absolvierte, "aber das hat ihren Ruf beträchtlich beeinflusst, und zwar nicht positiv."

Anders als durch Verwarnungen und Strafen ließe sich Verstappen derzeit wohl nicht in seine Schranken weisen, schreibt Brundle weiter: "Die Formel 1 hat das Problem, dass das Design der Strecken, vor allem mit Blick auf die Auslaufzonen, und das Sportliche Reglement die Art und Weise, wie Verstappen im Moment Rennen fährt und fahren muss, nicht so einfach eindämmen können."

"Die einzige Möglichkeit der FIA, ihn zu kontrollieren, sind endlose Überprüfungen und gelegentliche Strafen." Und genau darüber beschwerte sich Verstappen sowohl direkt nach dem Rennen als auch am Donnerstag in Abu Dhabi lautstark. "Was passiert ist, hat aus meiner Sicht keine Strafe verdient", sagte er.

Brundle sieht Trotzreaktion bei Dschidda-Kollision

Trotzdem wurde er sowohl für sein Manöver in Kurve 1, als er sich neben der Strecke einen Vorteil verschaffte, als auch für die Verursachung einer Kollision mit Hamilton bestraft. Dabei betonte Verstappen selbst, dass er den Briten nur vorbeilassen wollte.

"Ich glaube, dass Max sich zunächst redlich bemühte, Lewis durchzulassen", analysiert Brundle den umstrittenen Vorfall, "aber als er merkte, dass beide vorhatten, als Zweiter über die vor ihnen liegende DRS-Linie zu fahren, um sich auf der Geraden einen Vorteil zu verschaffen, und Lewis ihm direkt im Heck saß, ging er wütend mit 69 bar auf die Bremse, was zu einer Verzögerung von 2,4g führte."

"Das ist fast die Hälfte dessen, was normalerweise in einer harten Bremszone erzeugt, wenn man sich mit Highspeed einer Haarnadelkurve nähert. Und dann ging er aufs Gas. (...) Sie hatten Glück, dass sie nicht beide aus dem Rennen waren, was Max natürlich sehr gelegen gekommen wäre", hält der Sky-Experte fest.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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