Nikita Masepin traurig über Abgänge bei Haas: "Familie hat Vorrang"

Nikita Masepin erlebt derzeit eine schwierige Phase: Der Haas-Pilot kämpft emotional mit einigen Abgängen in seinem Team und einem eigenen Fehler

Nikita Masepin traurig über Abgänge bei Haas: "Familie hat Vorrang"

So hatte man Nikita Masepin noch nicht gesehen: Nach dem Qualifying in Brasilien war der sonst so tough wirkende Haas-Pilot den Tränen nahe. Als er sich den Fragen der Journalisten stellen musste, konnte er seine Tränen kaum zurückhalten. Denn der Russe ärgerte sich über einen Fehler auf seiner schnellen Runde, der ein besseres Ergebnis für ihn verhinderte.

"Es hatte vor allem mit einem Fehler zu tun", sagt er auf Nachfrage über die Gründe, "und damit, dass ich in den vergangenen Rennen eine ziemlich schwierige Phase durchgemacht habe, aber auch mit ein paar internen Dingen im Team. Und das macht das Ergebnis in diesem Moment noch wichtiger."

Dass er seine Runde selbst versaut hat, schmerze, wie er sagt. "Und wenn du dann aus dem Auto steigst und nur vier Minuten hast, bis du mit den Journalisten sprechen musst, die dann Fragen stellen, die wieder Erinnerungen aufwerfen, was hätte sein können, dann fühlt sich das traurig an."

Masepin traurig: Einige Crewmitglieder gehen

"Ich habe ja nicht viel anderes als Rennsport in meinem Leben. Eigentlich gibt es da nichts", sagt Masepin. "Ich setze mein Leben aufs Spiel dafür und ärgere mich natürlich, wenn die Dinge nicht so gut laufen."

 

Doch das war nicht der einzige Grund. Wie Masepin weiter ausführt, ist er auch traurig darüber, dass es bei Haas derzeit so viele Veränderungen gibt. "Leute sind in den vergangenen Wochen gekommen und gegangen. Und ich weiß, dass nicht alle um mich herum auch im nächsten Jahr noch hier bleiben wollen."

Seit der Türkei sei sein Team ein paar Veränderungen unterworfen worden. Sein Renningenieur Dominic Haines hatte sich zwei Rennen lang in Elternzeit verabschiedet, ist aber mittlerweile wieder da. Dafür hat ein anderer Ingenieur von Masepin das Team nach Mexiko in Richtung eines anderen Teams verlassen. "Und da ist er leider nicht der einzige", sagt der Haas-Pilot.

Mitarbeiter haben keine Lust auf 23 Rennen

Denn die Formel 1 fordert ihren Tribut. Erst am 12. Dezember findet in diesem Jahr das letzte Saisonrennen statt, gefolgt von weiteren Testtagen. Im kommenden Jahr werden wir den aufgeblähtesten Kalender aller Zeiten bekommen. Und Tripleheader wie der aktuelle von Mexiko über Brasilien nach Katar schlauchen zusätzlich.

"Ein paar Leute wollen einfach nicht die 23 Rennen in nächsten Jahr machen", verrät Teamchef Günther Steiner. "Sein Renningenieur hat eine Familie gegründet und verlässt uns, weil er gerne etwas anderes machen möchte. Er bleibt im Rennsport, aber nicht in der Formel 1."

Und dann käme auch die aktuell schwache Performance des Haas-Teams und insbesondere Masepins hinzu: "Hinten im Feld ist die Motivation nicht so hoch, wie wenn du gewinnst", sagt Steiner. "Es ist eine Kombination: die Ergebnisse, vor allem seine, und der Kalender mit 23 Rennen."

Masepin gibt zu: Würde es wohl auch so machen

Masepin weiß, dass persönliche Verbindungen in diesem Sport nicht dafür sorgen, dass ein Crewmitglied im Team bleibt. Häufig seien es finanzielle oder eben familiäre Gründe, warum ein Mitarbeiter aufhört oder wechselt. Und dafür hat er Verständnis.

"Das Leben geht weiter und die Leute bekommen Familien. Der Kalender wird immer größer, und leider haben sie Recht damit, dass die Familie Vorrang haben sollte", so der Russe. "Ich habe nur den Sport in meinem Leben, aber ich bin ja auch erst 22. Ich schätze, wenn ich zehn Jahre älter wäre und Kinder hätte, dann würde ich eine ähnliche Entscheidung wie sie treffen."

Nikita Masepin (Haas) mit einem Ingenieur vor dem Formel-1-Sprint in Brasilien

Nikita Masepin erlebte zuletzt eine Fluktuation im Team

Foto: Motorsport Images

Trotzdem macht die Fluktuation das Leben von Masepin in seiner ersten Formel-1-Saison natürlich das Leben schwer. "Ich weiß, dass es eine besondere Verbindung von Leuten braucht, die sich den Arsch für dich aufreißen und umgekehrt, wenn du Erfolg haben willst", sagt er.

Aber dann kommen plötzlich neue Ingenieure und dann passieren Dinge wie die lose Kopfstütze in Austin, die sein Rennen schon von Beginn an ruinieren. "Das ist, als würde man einen Stock in die Fahrradspeichen stecken", so der Haas-Pilot. "Es stoppt einfach dieses Momentum, von dem ich träume. Aber ich war schon früher in dieser Situation und werde stärker denn je daraus hervorgehen!"

Weitere Co-Autoren: Oleg Karpow. Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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