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Meinung

Alpine-Dauerwerbesendung: Ist das Launch oder kann das weg?

Redakteur Ruben Zimmermann fand die Idee von Alpine, das neue Autodesign auf einem Schiff zu präsentieren, grundsätzlich gut - die Umsetzung dagegen nicht

Alpine-Dauerwerbesendung: Ist das Launch oder kann das weg?

Alpine zeigte am Freitag die neuen (alten) Farben für die Saison 2026

Foto: Alpine

Liebe Leserinnen und Leser,

ich gebe es zu: Die Launches vor einer neuen Formel-1-Saison zählen nicht unbedingt zu meinen Highlights im Jahr. Zu viel Gerede, zu wenig Inhalt und häufig haben die gezeigten Autos (abgesehen von der Lackierung) auch nicht viel mit dem zu tun, was wir beim ersten Saisonrennen wirklich auf der Strecke sehen.

Was Alpine am Freitag veranstaltet hat, das hat die Grenze des Irrsinns aber noch einmal ein Stückchen verschoben.

Formel-1-Fans aus aller Welt (oder gemessen an den Kommentaren im Livechat vor allem aus Argentinien), die auf die Enthüllung des Designs des A526 gewartet haben, bekamen im Livestream auf dem offiziellen Alpine-YouTube-Kanal nämlich erst einmal eine Werbesendung für Kreuzfahrtschiffe präsentiert.

Vorweg: Die Idee, den Launch auf einem Schiff zu veranstalten, finde ich sogar ganz cool. Problematisch wird es allerdings an dem Punkt, an dem der erste Gast auf der Bühne nicht etwa ein Teamvertreter oder Fahrer ist - sondern der CEO des gastgebenden Kreuzfahrtunternehmens.

Natürlich haben Partner und Sponsoren eine Berechtigung in der Formel 1. Irgendjemand muss den ganzen Bums schließlich bezahlen. Aber dass hier jemand zu Beginn mehr als fünf Minuten lang die Bühne bekommt, der eigentlich nichts mit dem Auto zu tun hat, um das es ja eigentlich gehen soll, das ist schon grenzwertig.

Zumal auch später gefühlt jeder weitere Gast auf der Bühne noch einmal erwähnen musste, wie toll und "historisch" (Zitat Colapinto) der Launch auf dem Schiff doch sei. Wäre so etwas hier in Deutschland im TV gelaufen, hätte man die ganze Show mit ziemlicher Sicherheit als Dauerwerbesendung kennzeichnen müssen.

Paradoxerweise kam die Atmosphäre auf dem Schiff dann auch noch nicht einmal entsprechend rüber. Weil man sich dazu entschied, den Launch im Theater des Kreuzfahrtdampfers zu veranstalten, hätte es auch jede x-beliebige Bühne an einem anderen Ort sein können.

Vielleicht musste auch deshalb immer wieder erwähnt werden, dass es sich um ein Schiff handelt.

Nachdem der größte Werbeteil zu Beginn überstanden war, war es dann ein üblicher Formel-1-Launch: viel Blabla, ein kaum verständlicher Flavio Briatore, eine schlechte Soundabmischung und irgendwann gab es endlich das Auto zu sehen - beziehungsweise die Lackierung, die sich kaum von der im Vorjahr unterscheidet.

Zur Klarstellung: All diese Dinge werfe ich Alpine gar nicht explizit vor, weil wir das so oder so ähnlich wahrscheinlich bei fast jedem Formel-1-Team in der Vergangenheit schon einmal gesehen haben.

Vielleicht sollte man sich in Enstone beim nächsten Mal aber vorher überlegen, ob es so eine clevere Idee ist, unter dem Deckmantel eines Launches eine große Werbeshow für einen seiner Partner zu veranstalten.

Auch das ist übrigens kein Problem, kann man alles so machen. Nur darf man sich dann auch nicht wundern, wenn ich als Zuschauer mir dabei leicht verarscht vorkomme.

Euer

Ruben Zimmermann

Übrigens: Wie es richtig geht, das zeigte nur eine Stunde vor Alpine Ferrari am Freitag. Da gab es beim Launch kein langes Gequatsche, sondern lediglich ein kurzes Video, welches dann direkt das neue Auto zeigte. Und genau das wollen die Fans schließlich sehen.

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