Honda: Antriebsupdate in Suzuka – ja oder nein?

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Honda: Antriebsupdate in Suzuka – ja oder nein?
Stefan Ehlen
Autor: Stefan Ehlen
Co-Autor: Scott Mitchell
01.10.2018, 16:19

In dieser Woche entscheidet sich, ob Honda beim Heimrennen in Suzuka die neue Ausbaustufe des Formel-1-Antriebs einsetzen wird oder nicht

Ja, der modifizierte Honda-Antrieb ist schnell. Aber nein, noch ist er nicht rennbereit. Das war die Erkenntnis des japanischen Herstellers nach dem Probeeinsatz der jüngsten Motoren-Ausbaustufe bei Toro Rosso. Pierre Gasly und Brendon Hartley hatten den sogenannten Spec-C-Antrieb im Freitagstraining in Sotschi getestet, ehe das Team für den Rest der Veranstaltung wieder auf den Spec-B-Motor zurückrüstete. Denn das Antriebsupdate hatte nicht auf ganzer Linie überzeugt.

Honda-Projektleiter Toyoharu Tanabe erklärt im Gespräch mit 'Motorsport.com': "Wir haben Bereiche gefunden, in denen wir nachbessern müssen." Ins Detail geht der Japaner nicht, verrät nur, dass in dieser Woche die Kalibrierung "optimiert" werde. Bedeutet: Der neue Honda-Motor produzierte im STR13 höhere Schwingungen als auf dem Prüfstand. Eine mögliche Ursache dafür ist, dass Motor und Fahrzeug nicht gut genug aufeinander abgestimmt wurden. Eben dies will Honda nun nachholen.

Tanabe nennt den Plan für die kommenden Tage: "Erst einmal müssen wir die Testdaten auswerten. Dann werden wir die neue Motorenspezifikation noch einmal auf den Prüfstand schicken. Und wenn wir so gute Fortschritte erzielen, dass wir damit ins Rennen gehen könnten, dann treffen wir eine Entscheidung." Soll heißen: Die Einführung des Motorenupdates in Suzuka-Grand-Prix, dem Honda-Heimrennen, hängt von den kurzfristigen Fortschritten der Honda-Entwicklungsabteilung ab. Die Erfolgschancen will Tanabe aber nicht beziffern, sondern meint nur: "Es ist nicht so einfach, aber auch nicht unmöglich."

Gemischtes Fazit für Honda

Grundsätzlich sei Honda mit der Ausbaustufe eine Verbesserung gelungen, meint Tanabe weiter. "Wir sehen einen Leistungszugewinn. Ganz so, wie wir das erwartet hatten." Dies sei die wichtigste Erkenntnis des Sotschi-Tests gewesen. "Es war gut, die neue Spezifikation am Freitag im Einsatz zu haben", sagt er. "Weniger erfreulich war natürlich, dass wir für Samstag und Sonntag zurückrüsten mussten." Deshalb falle die Spec-C-Bilanz insgesamt gemischt aus. "50:50", meint Tanabe. Also mit noch Luft nach oben.

Die Toro-Rosso-Fahrer jedenfalls fanden das Motorenupdate "ziemlich spannend", wie es Gasly ausdrückte. "Unser Tempo im zweiten Training war gut. Und im Qualifying waren wir selbst ohne den neuen Antrieb ziemlich konkurrenzfähig. Da ist es doch gut zu wissen, dass sogar noch mehr Leistung kommt."

In der Tat hatte Gasly im Freitagstraining mit P8 im Tagesklassement geglänzt und war mit seinem Honda-Triebwerk bei 1,7 Sekunden Rückstand auf die Mercedes-Bestzeit nur gut 1,3 Sekunden langsamer gefahren als der beste Renault-Vertreter, Max Verstappen von Red Bull. Gasly war aber auch gut zwei Zehntelsekunden schneller als Renault-Werksfahrer Carlos Sainz. Und angesichts des bevorstehenden Wechsels von Red Bull zu Honda ist dieser Vergleich für alle Beteiligten derzeit das Entscheidende. Daher hat auch Red-Bull-Teamchef Christian Horner genau verfolgt, was sich in der Box von Toro Rosso tut.

Honda-Fortschritte sind "ermutigend"

Horner spricht von "ermutigenden Rückmeldungen" zum Spec-C-Antrieb und sagt: "Honda scheint an diesem Wochenende gute Fortschritte erzielt zu haben. Aber warten wir noch die verbleibenden Rennen ab." Er sehe hinter den Kulissen aber einen "großen Einsatz" seitens des japanischen Herstellers, das Leistungsdefizit gegenüber den anderen Motorenmarken wettmachen zu wollen.

Ob das schon in Suzuka gelingt? Mit dem Spec-C-Motor? Gasly ist zuversichtlich: "Wir werden damit konkurrenzfähiger werden, so viel steht fest. Und das ist gut so." Auch Hartley erwartet, dass der Antrieb nach den Honda-Nachbesserungen "perfekt" funktionieren werde.

Eine Trendwende ist auch notwendig, denn bisher ist Honda im Formel-1-Vergleich noch immer der schwächste Motorenhersteller. Und auch die Formkurve von Toro Rosso zeigt nach unten: Vergangenes Jahr war das italienische Team mit Renault-Motoren auf P6 der Konstrukteurswertung und häufiger in Q3 gefahren, hatte außerdem deutlich mehr WM-Punkte erzielt als in diesem Jahr.

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Urheber Stefan Ehlen
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