Warum Hamiltons Motorwechsel in Brasilien ein Goldgriff war

Der Motorwechsel von Lewis Hamilton beim Formel-1-Rennen in Brasilien und dessen Folgen: Weshalb Mercedes mit dieser Strategie alles richtig gemacht hat

Warum Hamiltons Motorwechsel in Brasilien ein Goldgriff war

Dass Mercedes im Formel-1-Auto von Lewis Hamilton einen zusätzlichen Verbrennungsmotor einsetzte, war keine große Überraschung. Doch wie groß der Leistungsvorteil des neuen Antriebs beim Grand Prix von Sao Paulo in Brasilien auf der Rennstrecke tatsächlich war, das versetzte die Formel 1 in Erstaunen. Und es gibt noch weitere Begleitumstände, die ebenso interessant sind.

Das Wichtigste vorneweg: Ein frischer Mercedes-Motor verfügt über ein deutliches Leistungsplus im Vergleich zu einem gebrauchten Triebwerk. Sprich: Gerade die Anfangsleistung des Motors ist bestechend, dann aber fällt die Leistung recht stark ab.

Das steht im Kontrast zu Red-Bull-Motorenpartner Honda: Dort scheinen die Antriebe wesentlich weniger rasant abzubauen. Das bedeutet aber auch: Ein frischer Honda-Motor bringt keinen derart großen Vorteil, wie wir ihn bei Mercedes in Brasilien beobachtet haben. Die Leistungskurve fällt beim Honda-Motor offenbar flacher ab als bei Mercedes.

Die geplante Laufleistung beträgt sieben/acht Rennen

Dabei darf man jedoch nicht vergessen: Formel-1-Verbrennungsmotoren sind in der Saison 2021 auf eine bestimmte Laufleistung ausgelegt. Bei erlaubten drei Einheiten pro Fahrer und Jahr muss ein Motor also sieben oder acht Rennwochenenden bestreiten können, damit ein Fahrer straffrei durch die Saison kommt.

Genau hier liegt ein weiterer Vorteil des neuen Mercedes-Motors im Heck des Hamilton-Autos: Dieser Motor muss insgesamt nur vier Grands Prix überstehen. Das gibt dem Team die Möglichkeit, den Motor mehr zu strapazieren, ihn über längere Zeit unter größerer Belastung zu fahren.

Ganz risikofrei ist diese Strategie aber nicht, weil der Verbrennungsmotor und die weiteren Antriebskomponenten nicht auf eine so intensive Benutzung ausgelegt sind, sondern ebenfalls auf Haltbarkeit über einen größeren Zeitraum hinweg. Die Gefahr eines technischen Defekts dürfte damit größer ausfallen.

Nur fünf Plätze Rückversetzung ab fünftem Motor

Andererseits hat Mercedes seit dem Beginn der Turbo-Hybrid-Ära in der Saison 2014 bisher nur wenige technische Defekte im Motorenumfeld erlitten, zumindest im Direktvergleich zur Konkurrenz. Das spricht für die Zuverlässigkeit der Triebwerke von Mercedes High Performance Powertrains in Brixworth in England, wenngleich beide Mercedes-Stammfahrer schon seit Wochen über dem eigentlichen Limit unterwegs sind.

Genau dieser Umstand hat den erneuten Motorwechsel bei Hamilton noch zusätzlich begünstigt: Die Formel-1-Regeln sehen für den ersten überzähligen Verbrennungsmotor eine Startplatz-Strafe in Höhe von zehn Positionen vor, ab dem zweiten extra Motor aber nur eine Rückversetzung um fünf Positionen. Das hat den Motorwechsel für Mercedes zusätzlich attraktiv gemacht.

Interessant ist darüber hinaus: Die beiden Mercedes-Werksfahrer Hamilton und Valtteri Bottas führen die Rangliste der verwendeten Motoren in der Saison 2021 an, mit fünf beziehungsweise sechs Verbrennungsmotoren. Einzig die Ferrari-Kundenteams Alfa Romeo und Ferrari bewegen sich mit je drei Motoren für beide Fahrer noch im erlaubten Rahmen. Alle anderen Fahrer stehen bereits bei je vier verwendeten Motoren.

Weitere Co-Autoren: Matthew Somerfield. Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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